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1000 Amerikaner seit Kriegsbeginn im Irak getötet

Eineinhalb Jahre nach Beginn des Krieges im Irak hat die Zahl der dort getöten US-Soldaten die Grenze von 1000 überschritten. In der Aufständischen-Hochburg Falludscha, wo allein am Dienstag bis zu 100 Iraker ums Leben kamen, gingen am Mittwoch die Kämpfe weiter.

dpa BAGDAD/WASHINGTON. Eineinhalb Jahre nach Beginn des Krieges im Irak hat die Zahl der dort getöten US-Soldaten die Grenze von 1000 überschritten. In der Aufständischen-Hochburg Falludscha, wo allein am Dienstag bis zu 100 Iraker ums Leben kamen, gingen am Mittwoch die Kämpfe weiter.

Wegen der anhaltenden Gewalt im Irak mehren sich bei den Vereinten Nationen Zweifel, ob wie geplant Anfang 2005 allgemeine Wahlen organisiert werden können. Weiter ungewiss war am Mittwoch das Schicksal zweier am Vortag im Bagdad entführter Italienerinnen.

Das 1000. Opfer unter den US-Militärangehörigen wurde nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Washington vom Mittwoch verzeichnet, als am Vortag in Bagdad drei US-Soldaten bei Anschlägen getötet wurden. Während die US-Regierung diese Schwelle mit Hinweis auf die weitaus höhere Zahl ziviler Terroropfer in aller Welt zu relativieren suchte, sprach der demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry von einem "tragischen Meilenstein". Nach unterschiedlichen Schätzungen sind im Irak seit Kriegsbeginn im März 2003 mindestens 10 000 Iraker ums Leben gekommen.

Auf einer Internet-Seite bekannte sich am Mittwoch eine islamistische Terrorgruppe mit dem Namen "Ansar el Sawahiri" zur Verschleppung der beiden 29-jährigen italienischen Mitarbeiterinnen einer Hilfsorganisation und drohte weitere Attacken gegen Italien an. Bei einer nächtlichen Krisensitzung in Rom hatte Ministerpräsident Silvio Berlusconi nach Medienberichten bereits klargemacht, dass Rom eine eventuelle Forderung der Entführer nach Rückzug seiner Truppen aus dem Irak ablehnen würde.

Die beiden vor drei Wochen in Nadschaf entführten französischen Journalisten sollen nach einem irakischen Zeitungsbericht zusammen mit einem iranischen Diplomaten in einer Kleinstadt südlich von Bagdad festgehalten werden. Auch zu der Entführung des iranischen Konsuls hatte sich die "Islamische Armee im Irak" bekannt. Damit sieht es so aus, als befänden sich die Franzosen immer noch in den Händen ihrer ursprünglichen Entführer. Vor wenigen Tagen hatte es noch Spekulationen gegeben, die Männer seien bei einer anderen Gruppe, die ihre Freilassung vorbereite.

US-Kampfflugzeuge griffen am Mittwoch erneut Ziele in der Aufständischen-Hochburg Falludscha an. Dabei starben nach Angaben von Ärzten mindestens acht Iraker, 23 wurden verletzt. Bei heftigen Kämpfen am Vortag waren in der westirakischen Stadt nach US-Angaben bis zu 100 Aufständische getötet worden. Nach erbitterten Kämpfen in Bagdads Schiiten-Vorstadt Sadr-City entspannte sich die Lage in der Nacht zum Mittwoch dort. Unterdessen setzten Extremisten ihre Serie von Attacken auf irakische Politiker fort. Bei einem versuchten Attentat auf Gemeinderatsmitglied Hischam el Hamdani im nordirakischen Mossul starben am Mittwoch zwei seiner Begleiter.

Wegen der anhaltenden Kämpfe zwischen Aufständischen und Koalitionstruppen und der Serie von Anschlägen sehen die Vereinten Nationen zunehmend die für Januar im Irak geplanten Wahlen in Gefahr. Die Sicherheitslage sei so prekär, dass die UN ihre Wahlhilfe begrenzen müssten, schrieb UN-Generalsekretär Kofi Annan in einem Bericht für den Weltsicherheitsrat. Unter den gegenwärtigen Umständen könnten maximal 35 internationale Mitarbeiter vor Ort eingesetzt werden.

Nach Informationen der "New York Times" äußern auch Pentagon- Beamte Sorge, ob die von Rebellen weitgehend kontrollierten Gebiete im so genannten Sunnitischen Dreieck im Norden und Westen von Bagdad rechtzeitig zu dem geplanten Wahltermin befriedet werden können. Generalstabschef Richard Myers sagte in Washington, bis Dezember seien die irakischen Streitkräfte so weit ausgebildet und ausgestattet, dass sie Aufständische konsequent bekämpfen könnten.

Der Sprecher von US-Präsident George W. Bush, Scott Mcclellan, betonte, unabhängig von der Gesamtzahl der im Irak getöteten US- Militärs werde jeder Soldat geehrt und betrauert. Sowohl Mcclellan als auch Verteidigungsminister Donald Rumsfeld stellten die Opferzahl in einen direkten Zusammenhang mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001. "Man sollte betonen, das die zivilisierte Welt das 1000. Opfer schon vor langer Zeit verzeichnet hat", sagte Rumsfeld. Er verwies auch auf die Opfer des Anschlags auf die russische Schule in Beslan vergangene Woche.

In Berlin traf am Mittwoch der irakische Präsident Ghasi el Jawar zu zweitägigen Gesprächen über den Wiederaufbau seines Landes und die Möglichkeit zur Hilfe ein. Zunächst traf er mit der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel zusammen. An diesem Donnerstag wird Jawar von Bundespräsident Horst Köhler empfangen und spricht mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer.

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