100 000 Demonstranten auf der Straße
Neue Proteste gegen Präsident Chávez in Venezuela

Mehr als 100 000 Demonstranten haben in Venezuela am Samstag den Rücktritt von Präsident Hugo Chávez gefordert. Die Teilnehmer der neuen Massenproteste in der Hauptstadt Caracas verlangten außerdem die Verurteilung der Verantwortlichen für die blutige Unterdrückung der Proteste vom 11. April dieses Jahres.

dpa CARACAS. Damals waren 17 Menschen getötet und Hunderte verletzt worden, als Sicherheitskräfte auf Demonstranten schossen. Die oppositionellen Parteien und Organisationen verkündeten am Samstag den "zivilen Ungehorsam" und setzten die nächsten Massendemonstration für den 11. Juli an.

Chávez war nach den Protesten am 11. April von einer Gruppe von Militärs abgesetzt worden. Er konnte jedoch zwei Tage später in den Präsidentenpalast zurückkehren, nachdem seine Anhänger mit Gegendemonstrationen mobil gemacht und sich das Kräfteverhältnis innerhalb der Streitkräfte zu seinen Gunsten verschoben hatte.

Chávez, ein früherer Oberstleutnant und Putschist, der Ende 1998 zum Präsidenten gewählt worden war, versprach nach seiner Wiedereinsetzung einen Versöhnungskurs. Seine Gegner werfen ihm aber weiterhin vor, eine Diktatur nach dem Vorbild Kubas errichten zu wollen und das einst reiche Ölland in den Ruin zu treiben. Die wirtschaftliche Lage in Venezuela hat sich in diesem Jahr drastisch verschlechtert.

Die Demonstration vom Samstag verlief friedlich. Chávez' Anhänger bewachten den Präsidentenpalast von Miraflores. Die Regierung verzichtete darauf, eine Gegenkundgebung in der Hauptstadt zu organisieren und ließ ihre Anhänger stattdessen in der Provinzstadt Maracay aufmarschieren.

Der Massendemonstration war eine Welle von neuen Putschgerüchten vorausgegangen. Die etwa 80 000 Mann starken Streitkräfte sind gespalten in Anhänger und Gegner von Chávez. Nach dem vereitelten Putsch vom April hatte Chávez rund 600 als unzuverlässig geltende Offiziere entlassen. Laut Presseberichten gibt es jetzt neue Unruhe im Offizierskorps, weil Chávez bei einer Anfang Juli anstehenden Beförderungsrunde seine Parteigänger unter Missachtung aller professionellen Kriterien massiv bevorzugen wolle.

Die Angst vor neuen Gewaltausbrüchen hatte in der vorigen Woche schon Panikkäufe in den Supermärkten von Caracas ausgelöst. Bewohner wohlhabender Viertel organisierten Presseberichten zufolge Selbstverteidigungsgruppen, um sich vor Plünderern zu schützen.

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