105. Prozesstag
Ankläger im Vulkan-Prozess fordern vier Jahre Haft

Vier Jahre Haft hat die Staatsanwaltschaft Bremen für den Ex-Vorstandschef des Vulkan-Konzerns, Friedrich Hennemann, wegen Veruntreuung von Aufbauhilfen für zwei Ost-Werften gefordert.

ap BREMEN. Für zwei weitere Vorstände beantragten die Ankläger am Montag vor dem Bremer Amtsgericht wegen desselben Vorwurfs dreieinhalb beziehungsweise drei Jahre Gefängnis. Die Angeklagten sollen vorsätzlich Finanzlöcher im Gesamtkonzern mit Geldern gestopft haben, die für die Modernisierung der Meerestechnikwerft Wismar (MTW) und der Volkswerft in Stralsund bestimmt waren. 854 Mill. DM sollen beim Zusammenbruch des größten deutschen Werftenverbundes im Mai 1996 verloren gegangen sein, obwohl die Angeklagten laut Staatsanwalt eine "besondere Vermögensbetreuungspflicht" gehabt hätten. Auf Grund der Höhe dieser Summe handle es sich um einen schweren Fall von gemeinschaftlicher Untreue, sagte Staatsanwalt Burkhard Quick in seinem Plädoyer am 105. Prozesstag.

Daran ändere auch der Umstand nichts, dass sich die Angeklagten nicht persönlich bereichert hätten. Strafmindernd könne man die lange Verfahrensdauer sowie das Verhalten von Treuhandanstalt und Aufsichtsrat berücksichtigen. Beide Gremien "haben versagt", erklärte Quick. Nach dem Zusammenbruch der DDR habe die Treuhandanstalt die Werften übernommen, um sie in die Marktwirtschaft der Bundesrepublik zu überführen. Damit die maroden Unternehmen privatisiert werden konnten, hätten sie aus öffentlichen Geldern eine "Mitgift" bekommen. Der Bremer Vulkan-Verbund (BVV) habe die Unternehmen, die zusammen mit Barmitteln von mehr als 1,3 Mrd. DM ausgestattet worden seien, 1992 und 1993 für 1,1 Mill. DM übernommen.

Plädoyer der Verteidigung für kommende Woche geplant

Die Treuhandanstalt "durfte selbstverständlich kein Geld verschenken", erklärte der Staatsanwalt. Das Missverhältnis erkläre sich aus Verträgen. Diese seien "keine normalen Kaufverträge" gewesen. Der Vulkan habe vielmehr "ganz erhebliche Maßnahmen realisieren" sollen, "um wettbewerbsfähige, moderne Unternehmen zu schaffen". Und den Angeklagten sei bewusst gewesen, dass es sich um besondere Mittel gehandelt habe, wie aus Vermerken und Protokollen hervorgehe. Doch ab 1994 habe der Vulkan das Geld der Ostwerften verplant, die an das zentrale Finanzmanagement des Konzerns angeschlossen wurden. Schließlich habe der Verbund sich praktisch nur noch aus diesen Mitteln finanziert. "Die Verletzung der Treuepflicht liegt darin, dass die Verwaltung die Interessen der Ostwerften eben nicht genügend berücksichtigt hat." Die Rückzahlung des Geldes hätte gewährleistet sein müssen.

Der Vulkan-Prozess, eines der größten Wirtschaftsstrafverfahren der Nachkriegszeit, begann im September 1999. Dienstag in einer Woche werden die Plädoyers der Verteidiger erwartet, das Urteil soll am 21. Dezember verkündet werden. Im Herbst 2000 hatte das Verfahren schon einmal kurz vor dem Ende gestanden. Auf Grund von Hilfsbeweisanträgen der Verteidiger in ihren Plädoyers für den Fall eines Schuldspruchs war das Gericht wieder in die Beweisaufnahme eingetreten.

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