110000 Beschäftigte
Europas Stahlkoloss nimmt Formen an

Mit ihrer Dreierfusion wollen die Stahlkonzerne Usinor, Arbed und Aceralia Kostensenkungen in Milliardenhöhe realisieren. Doch tun sich dabei gewaltige Risiken auf: Die Kartellbehörden werden den neuen Stahlriesen kritisch prüfen, und der angekündigte Stellenabbau wird auf harten Widerstand stoßen.

abo HB BRÜSSEL. Francis Mer, Joseph Kinsch und José Ramón Álvarez Rendueles wollen die Fusion ihrer Unternehmen zu einem europäischen Stahlriesen noch im laufenden Jahr über die Bühne bringen. Die Vorstandschefs von Usinor S.A., Arbed S.A. und Aceralia S.A. wollen bis zum Herbst vollendete Tatsachen schaffen ? und erheblichen Mehrwert für die Aktionäre. Zusammengerechnet sind die drei Konzerne zurzeit mit rund fünf Milliarden Euro bewertet. Nach der Verschmelzung sollen sie auf einen Börsenwert von sieben Milliarden Euro kommen.

Dann beginnt die Kleinarbeit, wie Usinor-Boss Mer einräumte. ?Wir wollen unsere Produktivität und Kostenlage verbessern. Dafür werden wir auch die Belegschaft anpassen müssen, allerdings in vernünftigem Rahmen?, sagte er. ?Wir werden keinen Katastrophenplan vorlegen, wie es einige unserer Kollegen tun mussten. Vielmehr möchten wir das in totaler Harmonie mit den sozialen Traditionen in den einzelnen Ländern erreichen.? Damit spielte er auch auf die Situation in Belgien und Nordfrankreich an, wo Branchenkenner den größten Arbeitsplatzabbau erwarten.

Nationale Erwägungen sollen dabei nicht zählen. ?Wir wollen eine europäische Gesellschaft werden, auch wenn es die Gesetze dafür noch nicht gibt?, sagte Arbed-Chef Kinsch. Die neue Gesellschaft werde sich als Einheit, nicht als Dreierallianz verstehen. Verpflichtungen der Vorläuferunternehmen würden selbstverständlich eingehalten.

Den entscheidenden Anstoß, sich zusammenzuschließen, haben laut Acerália-Chef Álvarez die ?wirtschaftlichen Revolutionen? der vergangenen Jahre gegeben, allen voran die Einführung des Euro. Auch wenn der profitabelste Partner der drei sich mit zwei weniger ertragreichen, eher schwachen Mitspielern zusammentut, sieht Álvarez vor allem die Chancen. ?Es ist einfach an der Zeit, unsere Kräfte zu bündeln.?

Die von Luxemburg aus geführte neue Gruppe, die mit Mer und Kinsch zwei Präsidenten und mit Fernand Wagner einen Vorstandschef haben wird, soll straff nach Sparten gegliedert sein. Unter dem Konzerndach werden sich alle Aktivitäten in die vier Sparten Karbonflachstahl, Langprodukte, Rostfreistahl und Stahlhandel einfügen.

Die Gruppe soll von 2003 an jährlich Kostensenkungen von 300 Mill. Euro vor Steuern erreichen und diese Summe bis 2006 auf 700 Mill. Euro steigern. Der größte Teil der Ersparnisse soll aus dem Flachstahlgeschäft kommen. Die Kapitalaufwendungen werden den Plänen zufolge bis 2005 insgesamt 350 Mill. Euro übersteigen.

Konsequenzen für die Standorte in Brandenburg (Eko Stahl) und Bremen erwähnte Mer nicht im Detail. Doch fasste er für Bremen eine Spezialisierung ins Auge. Die Walzwerke wie Eko sollen nach Mers Worten ?stärker an ihren Kunden orientiert? werden.

Bei der Fusion werden die Aktionäre für jede Usinor-Aktie einen Anteilsschein der neuen Gesellschaft erhalten. Eine neue Aktie wird zudem für je zehn Arbed-Aktien sowie für je sieben Acerália-Aktien geboten, was einer Prämie von rund 55 % auf den Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate entspricht. Mer, Kinsch und Álvarez haben in ihrer Absichtserklärung festgelegt, dass sie die Fusion nur durchziehen wollen, wenn ihnen 75 % der Altaktien angedient werden. Die Aktie des neuen Konzerns soll bei Euronext in Paris und Brüssel sowie in Madrid notiert werden.

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