116 Matrosen eingeschlossen
Rettungsaktion für russisches Atom-U-Boot dauert an

Schlechtes Wetter behindert die Bergung unweit der Nordküste Europas. Russische U-Boot-Experten vermuteten als Unfallursache eine Explosion.

dpa MOSKAU. Nach dem Untergang eines russischen Atom-U-Boots in der Barentssee dauerte die Rettungsaktion für 116 am Meeresgrund gefangene Besatzungsmitglieder am Dienstagmorgen an. Schlechtes Wetter mit starkem Wind behinderte den Bergungsversuch unweit der Nordküste Europas. Zehn Schiffe, U-Boote, Tieftauchgeräte wie auch Marineflieger kämpften um die Rettung der Matrosen. Es gab zunächst keine Angaben über mögliche Verletzte oder Tote an Bord der "Kursk", die bereits seit Sonntag am Meeresgrund liegt.

Die Lage des in etwa 100 Meter Tiefe liegenden U-Boots verschlechtere sich, berichtete der Fernsehsender NTW. Die Sauerstoff- und Trinkwasserreserven gingen zur Neige. Nur über Klopfzeichen sei eine Verständigung mit der eingeschlossenen Besatzung möglich. Deshalb sei schwer zu ermitteln, wie es zu dem Untergang des U-Bootes kommen konnte.

Die Retter arbeiteten daran, eine Versorgungssonde namens "Kolokol" (Glocke) an dem Havaristen zu befestigen. Über sie sollen Strom und Sauerstoff zur "Kursk" gebracht werden.

Russische U-Boot-Experten vermuteten nach Angaben der Nachrichtenagentur Itar-Tass als Unfallursache eine Explosion. Dadurch sei der Bugteil mit den Torpedoluken voll Wasser gelaufen.

Roman Popkowitsch, militärpolitischer Berater des russischen Präsidenten Wladimir Putin, führte das Unglück der "Kursk" allgemein darauf zurück, dass wegen fehlender Finanzen die Sicherheitstechnik und die Ausbildung der Besatzung vernachlässigt worden seien.

Die "Kursk" war bei einem Manöver der Nordflotte am Sonntag gesunken. Sie liegt seitdem mit Schäden an Bug und Turm in etwa 100 Meter Tiefe im Meer 180 Kilometer nordöstlich des russischen Hafens Murmansk.

Andere Marinesprecher gingen von einer Kollision mit einem ausländischen U-Boot aus. Die USA, Großbritannien und Norwegen dementierten, U-Boote zur Beobachtung des russischen Manövers in die Barentssee entsandt zu haben. Nach einer Inspektion der Außenhaut der "Kursk" durch Tieftauchgeräte wurde die Version einer Kollision allerdings auch von russischen Experten als unwahrscheinlich bezeichnet, meldete Itar-Tass.

Die "Kursk" hatte nach offiziellen Angaben keine Atomwaffen an Bord. Die zwei Reaktoren des Nuklearantriebs seien abgeschaltet. Die Radioaktivität sei im normalen Bereich. Die "Kursk" gehört mit 155 Metern Länge und einer Verdrängung von 18 000 Tonnen zu den größten jemals gebauten U-Booten. Sie zählt zur russischen "Antej"-Klasse (NATO-Bezeichnung Oscar-II) und kann mit bis zu 24 Atomraketen bestückt werden.

Oslo: Keine radioaktive Strahlung

Messungen norwegischer Stellen im Gebiet um das am Meeresboden liegende russische Atom-U-Boot "Kursk" haben keine erhöhte Radioaktivität in der Luft ergeben. Das teilte das Strahlenschutzinstitut in Oslo am Dienstag mit. Man werde weiter laufend Messungen im Unglücksgebiet durchführen, hieß es weiter.

Russische und westliche Experten hatten nach Bekanntwerden des Unglücks übereinstimmend erklärt, dass die Gefahr einer radioaktiven Verseuchung durch die beiden Atomreaktoren auf dem Boot gering sei.

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