12,40 Euro je Aktie
Aus Consors wird CortalConsors

Die französische Großbank BNP-Paribas will nach eigenen Angaben insgesamt 485 Mill. ? für die Gesamtübernahme des Online-Brokers Consors bezahlen. Dadurch entsteht der nach Kundenzahl größte Online-Broker Europas.

Reuters PARIS/FRANKFURT. BNP werde Consors in seine Online-Tochter Cortal einbringen, und unter dem Namen CortalConsors führen, teilten Vertreter der beteiligten Banken am Dienstag mit. Bis 2005 seien Kosten- und Ertragssynergien von insgesamt 53 Millionen Euro geplant.

Consors-Chef Carl Matthäus Schmidt sagte, er gehe davon aus, dem künftigen Vorstand des Brokers anzugehören. Einige Analysten bezeichneten den Kaufpreis als zu niedrig, die Consors-Aktie gab nach dem Kursprung vom Montag am Dienstag etwas nach.

Cortal-Chef Olivier Le Grand und BNP-Vorstandsmitglied Jean Clamon sagten, BNP zahle 287 Millionen Euro für den 66,4-prozentigen Anteil der Hofer SchmidtBank an Consors. Dies entspreche 9,08 Euro pro Aktie. Den freien Aktionäre solle ein Übernahmeangebot von 12,40 Euro je Aktie gemacht werden, was dem Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate entspreche. Der Gesamtpreis liege dann bei 485 Millionen Euro, beziehungsweise 857 Euro pro Kunde.

"Der Preis ist fair"

SchmidtBank-Chef Paul Wieandt bezeichnete den Preis als fair: Für die SchmidtBank entstehe ein Buchgewinn, der allerdings angesichts des Verlustes seines Hauses von rund 1,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr kaum ins Gewicht falle. Er habe sich einen etwas höheren Preis vorstellen können, allerdings gebe es bei Consors auch nicht zu übersehende Risiken. "Und wenn man immer alles bekäme was man sich wünscht, dann wäre das ja der Himmel auf Erden", sagte Wieandt.

Als zu niedrig stufte dagegen Analyst Johannes Thormann von WestLB Panmure den Kaufpreis ein. "12,40 Euro ist zu niedrig und 9,08 Euro für jede Aktie aus dem SchmidtBank-Anteil sind ebenfalls extrem billig. Ich gehe nicht davon aus, dass sie die Aktien von privaten Investoren für 12,40 Euro bekommen - sie werden letztlich mehr zahlen." BNP-Vorstand Clamon sagte dagegen, es bestehe selbstverständlich die Möglichkeit, dass die verbleibenden Aktionäre von dem Angebot keinen Gebrauch machten. Die Entscheidung bleibe ihnen selbst überlassen.

"BNP war erste Wahl"

Spekulationen, dass BNP der einzig verbliebene Interessent für Consors gewesen sei, und deshalb den Preis habe drücken können, wies SchmidtBank-Chef Wieandt zurück: "Es ist falsch zu glauben, wir wären alternativlos gewesen." Es habe zwei bindenden Angebote gegeben. BNP sei aber im Hinblick auf den Erhalt von Consors als Unternehmen die erste Wahl gewesen.

Der Consors-Anteil der SchmidtBank stand seit November vergangenen Jahres zum Verkauf, nachdem die SchmidtBank in finanzielle Schwierigkeiten geraten war und von einem Bankenkonsortium aufgefangen werden musste. BNP-Paribas hatte am Vortag erwartungsgemäß die SchmidtBank-Anteile übernommen.

Bis 2005 Synergien von 53 Millionen Euro

CortalConsors soll von Le Grand geleitet werden und wird den Angaben zufolge rund 1,2 Millionen Kunden haben. Damit wäre der Broker die Nummer Eins in Europa, vor den deutschen Konkurrenten Comdirect und DAB-Bank. Le Grand sagte, er erwarte von dem Zusammenschluss bis 2005 Synergien von 53 Millionen Euro, davon sollen 38 Millionen Euro auf die Kostenseite entfallen. Unter anderem soll die IT-Plattform vereinheitlicht werden. Außerdem werde das Geschäft in den Ländern, wo beide Banken vertreten seien, zusammengelegt. Auch soll den Angaben zufolge der 53-prozentige Anteil von Consors an der Berliner Effektengesellschaft verkauft werden.

Cortal und Consors ergänzen sich

Das Einlagevolumen wolle CortalConsors auf 25 Millarden Euro von derzeit 14 Milliarden Euro erhöhen, um von der Marktentwicklung unabhängiger zu werden, sagte Le grand weiter. Den Restrukturierungsaufwand des Zusammenschlusses bezifferte er auf 60 Millionen Euro, die sich auf die Jahre 2002 bis 2004 verteilen sollten. Consors hatte 2001 vor Steuern einen Fehlbetrag von 212,8 Millionen Euro verbucht.

Le Grand unterstrich, dass sich die beiden Unternehmen sowohl geographisch als auch von der Strategie her ergänzten: Cortal sei vor allem auf Anlage- und Sparprodukte spezialisiert, während Consors High-Tech Dienstleistungen als Online-Broker anbiete. Der Kundenschwerpunkt von Consors liege bei den sogenannten "Heavy Tradern", die situationsabhängig viele Transaktionen durchführten. Cortal hingegen wende sich vor allem an sogenennte "Smart-Investors", die vor allem Sparprodukte kauften.

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