12 Millionen ARD-Zuschauer sahen 8:0
ARD feiert sensationellen Marktanteil

Der historische 8:0-Sieg des DFB-Teams gegen Saudi-Arabien hat der ARD trotz der Aussperrung von rund einer Million Fernsehhaushalte einen fantastischen WM-Start beschert.

dpa HANNOVER. 12,14 Mill. begeisterte Fans verfolgten den höchsten deutschen WM-Sieg am Samstagmittag vor dem Bildschirm. Die ARD jubelte über einen fast schon sensationellen Marktanteil von 75,4 %. Es war einer der höchsten Werte in der Geschichte des Senders. Auch das Auftaktmatch Frankreich - Senegal erreichte mit 6,13 Mill. Zuschauern einen Marktanteil in Formel 1-Dimension von 53,6 %.

In Wirklichkeit sahen noch viel mehr Zuschauer die Gala-Show der Völler-Mannschaft. Die vielen tausend Fans, die auf Plätzen, in Kneipen, Stadien oder in Krankenhäusern acht Mal in Torjubel ausbrachen, werden von der Nürnberger GfK bei der Ermittlung der TV- Quote nicht berücksichtigt. Sie hätte noch höher sein können, doch die Haushalte mit digitalen Satelliten-Empfangsgeräten konnten das Spiel wie schon am Freitag nicht sehen.

Die Wut und Enttäuschung vieler Fußballfans war deshalb groß. Einige wollen ARD/ZDF verklagen, andere suchten nach Alternativen. Fachmärkte berichteten von einer starken Nachfrage nach analogen Receivern. Mit diesen Geräten, die rund 50 Euro pro Stück kosten, können die TV-Geräte so umgerüstet werden, dass die WM-Übertragungen von ARD/ZDF zu sehen sind. Eine andere Lösung sind Zimmerantennen. Sie sind bereits für 15 Euro zu kaufen, bieten aber nicht die gleiche Gewähr für scharfe WM-Bilder wie die analogen Receiver.

Der stellvertretende ARD-Vorsitzende Peter Voß räumte ein, er könne den Ärger der Gebührenzahler verstehen. Im Digital-Streit mit der inzwischen insolventen KirchMedia erhob er schwere Vorwürfe gegen den Rechteinhaber. Das Unternehmen habe in den Verhandlungen "schlicht nicht die ganze Wahrheit gesagt", sagte Voss dem "Spiegel". Das sei "kein sauberes Spiel" gewesen. KirchMedia verwies dagegen auf den WM-Vertrag, in dem sich ARD/ZDF verpflichtet hatten, die digitale Ausstrahlung auf Deutschland zu beschränken und zu verschlüsseln.

Mehrere Unternehmen der TV-Satelliten-Branche fuhren schweres Geschütz gegen ARD/ZDF und gegen Politiker auf. Sie hätten die Digital-Seher reingelegt, deshalb wäre der WM-Eklat ein Fall für die EU-Kommission und Gerichte. "Warum sollten Sat-digital-Haushalte noch Gebühren bezahlen? ARD und ZDF haben sich damit auch von der ersten in die letzte Reihe gesetzt", sagte Peter Lepper, Geschäftsführer der TechniSAT Digital GmbH.

Auch SAT.1 litt unter dem TV-Streit. Die Zusammenfassungen der ersten WM-Tage wollten um 21.15 Uhr nur 2,15 und 2,19 Mill. Fans sehen. Die Marktanteile von 9,3 und 9,8 % lagen hinter den eigenen Erwartungen. Zudem überraschte SAT.1 mit einer Personal- Entscheidung. Der Privatsender rief Moderator Jörg Wontorra aus "internen Gründen" nach Deutschland zurück. Der 53 Jahre alte Wontorra, der als Anchorman mit Thomas Helmer aus dem deutschen Lager berichten sollte, reiste am Samstag von Tokio nach Deutschland. Seine Aufgaben übernimmt Kollege Werner Hansch.

Grund für den Rückruf ist ein Konflikt wegen unterschiedlicher Werbeinteressen. Wontorra wirbt mit einem persönlichen Sponsorvertrag für den Telefon-Anbieter Vodafone. Die tägliche SAT.1-Sendung "WM- Fieber" wird aber vom Vodafone-Konkurrenten Telekom (T-Mobile) präsentiert. Nach dpa-Informationen soll Telekom dafür rund 20 Mill. Euro zahlen. Am Montag wird in München in einem Gespräch mit Wontorra versucht, das Problem zu lösen.

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