13 Millionen Euro für sieben von 58 Neuzugängen
Transfermarkt liegt brach

Die äußerst angespannte Finanzlage der Fußball-Bundesligisten hat zu einem dramatischen Einbruch auf dem Transfermarkt geführt. Um den eigenen Haushalt in Zeiten gewachsener Schuldenberge (rund 600 Mill. ? in der Liga) und sinkendender TV-Gelder zu konsolidieren, haben die 18 Eliteclubs fast nur noch ablösefreie Profis im Visier: Zwei Monate vor dem Start der 41. Spielzeit haben die Erstligisten gerade einmal 58 neue Spieler für insgesamt 12,9 Mill. ? verpflichtet. Lediglich sieben Profis (12 %) kosteten eine Ablösesumme.

HB/dpa DÜSSELDORF. Demgegenüber registrierten die Clubs bis Dienstag 76 Abgänge ohne nennenswerte Einnahmen. Dies ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Der enorm verstärkte Trend zu Profis mit auslaufenden Verträgen ist ein Spiegelbild der allgemeinen Wirtschaftsflaute. Zum Vergleich: Zu Beginn der Vorjahres-Spielzeit hatte die Liga für 103 Neuzugänge (58 ablösefrei) noch 102,2 Mill. ? investiert. Im Rekordjahr 2001 gaben die Vereine sogar fast 150 Mill. ? aus. "Wir müssen uns den Rahmenbedingungen anpassen. Das Geld wächst schließlich nicht auf den Bäumen", erläutert Manager Michael Meier vom früheren Krösus Borussia Dortmund. Der entthronte deutsche Meister, der noch vor zwei Jahren über 25 Mill. ? für den teuersten Bundesliga-Spieler aller Zeiten (Amoroso) ausgab, übt sich mittlerweile in völliger Enthaltsamkeit. Da der BVB für die endgültige Verpflichtung von Ewerthon noch einen Nachschlag von 3,8 Mill. ? an Corinthians Sao Paulo überweisen muss, wird er voraussichtlich nur Amateure wie Leandro oder Guy Demel in den Profi-Kader holen.

Dortmund voll im Trend: Lediglich fünf der 18 Clubs haben bislang Geld ausgegeben. Nur Rekordmeister Bayern München scheint trotz der "Mini- Erlöse" der zurückliegenden Champions-League-Saison zu Investitionen bereit. Für die beiden Neuzugänge Tobias Rau (Wolfsburg/2,0 Mill. ?) und dem Argentinier Martin Demichelis (Buenos Aires/5,0) gab der Branchenführer bereits geschätzte 7,0 Mill. ? und damit weit mehr als der gesamte Rest der Liga (5,9) aus. Klappt es mit Stürmer Roy Makaay (La Coruna), erhöhten sich die Ausgaben beträchtlich.

Dahinter rangiert der VfL Wolfsburg, der Torhüter Simon Jentzsch für geschätzt 3,0 Mill. ? aus seinem Vertrag bei 1860 München kaufte. Schalke 04 holte fünf Neue, aber nur Hamit Altintop (Wattenscheid 09/1,0) und Eduardo Alcides (Esporté Clube Vitória/0,4) waren ablösepflichtig. Der Wattenscheider Halil Altintop (für 0,5 Mio Euro zum 1. FC Kaiserslautern) und der Fürther Björn Schlicke (für 1,0 zum HSV) komplettieren die Liste der sieben Kosten verursachenden Verpflichtungen.

Die meisten Neuzugänge meldete bislang Aufsteiger 1. FC Köln - acht Spieler zum Nulltarif. Darunter ist Jörg Heinrich (Dortmund) der prominenteste Neu-Kölner. Dahinter bedienten sich Mitaufsteiger Eintracht Frankfurt, der 1. FC Kaiserslautern und 1860 München (jeweils 6) am häufigsten auf dem "Schnäppchenmarkt". Bisher noch keinen Neuzugang vermeldete neben dem BVB nur Hannover 96. Die Niedersachsen haben aber Liga-Torschützenkönig Thomas Christiansen (Bochum) im Visier. Unterdessen hat bei vielen Clubs das "Großreinemachen" begonnen. Die Kader sollen auf 22 bis 25 Spieler im Schnitt verschlankt werden. Auch bei Bayer Leverkusen kündigt sich ein radikaler Umbruch an. "Wir müssen unseren Etat nicht mit der Feder, sondern mit der Axt zusammenhauen", sagte Manager Reiner Calmund.

Die Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV) betrachtet die Entwicklung mit Sorge und rechnet vor, dass aus den drei Spielklassen (1. und 2. Bundesliga sowie Regionalliga) über 200 Lizenzspieler neu auf den ohnehin überfüllten Markt drängen. Die für diesen Sommer ins Leben gerufenen VdV-Trainingslager für arbeitslose Profis dürften große Resonanz finden. Bis zum Ende der Transferperiode (31. August) bleibt den vertragslosen Spielern Zeit, noch Unterschlupf zu finden.

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