14 Tonnen Atommaterial wurden von Hanau nach La Hague gebracht
Geheime Atomtransporte im letzten Jahr

Im letzten Jahr gab es vier Atommülltransporte, das bestätigte das französische Unternehmen Cogema. Umweltminister Trittin verteidigte diese Transporte und bestritt deren Geheimhaltung. Auch die Rechtmässigkeit der Beförderungen stehe außer Frage.

dpa/ddp PARIS/BERLIN. Vier Transporte mit deutschem Atommaterial sind im vergangenen Sommer in die Wiederaufarbeitungsanlage im französischen La Hague gebracht worden. Dies bestätigte die zuständige französische Atomfirma Cogema am Mittwoch. Die Lieferungen fielen in eine Zeit, als die französische Regierung weitere Atomabfälle aus Deutschland erst dann aufnehmen wollte, wenn zuvor das in La Hague aufgearbeitete Material zurückgebracht sein würde. Gegen diese französische Politik hätten die Transporte nicht verstoßen, hält die Cogema fest.

Nach den Informationen der französischen Tageszeitung "Le Monde" (Donnerstag-Ausgabe) gingen die vier Transporte auf eine Vereinbarung zwischen dem die Anlage in La Hague betreibenden Unternehmen Cogema und dem deutschen Strom-Konsortium DWK vom Oktober 1997 zurück. Das Material sei "in größter Diskretion" nach Frankreich gebracht worden. Es waren Mox-Bestände (eine Mischung aus Uran und Plutonium), die in der 1991 geschlossenen Produktionsstätte in Hanau gelagert waren. Die zuständigen deutschen Behörden haben laut Cogema alles in allem 15 Transporte genehmigt, von denen jetzt noch 11 ausstünden. Insgesamt gehe es um 14 Tonnen Atommaterial, darunter 545 Kilogramm Plutonium.

Bei dem Material habe es sich nicht um Brennelemente gehandelt und daher nicht um Atommüll im Sinne des Transportverbots. Das Bundesamt für Strahlenschutz in Salzgitter habe die Transporte genehmigt.

Trittin und Roth verteidigen die Rechtmässigkeit der Transporte

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hat Berichte über geheime Atom-Transporte von Deutschland nach Frankreich zurückgewiesen. "Es gibt keine Geheimtransporte", sagte Trittin am Donnerstag in Berlin. Auch handele es sich nicht um einen illegalen Vorgang. Der schwach radioaktive Abfall stamme von der 1995 stillgelegten Brennelementefabrik im hessischen Hanau. Der Transport sei im Rahmen eines "ganz normalen Leerfahrens der Anlage" angefallen. Solche Transporte unterlägen nicht der Genehmigungspflicht. Das Material sei auch nicht in Castor-Behältern transportiert worden.

Die designierte Grünen-Vorsitzende Claudia Roth verteidigte die Transporte im Sender Radio Eins. «Diese Transporte fallen nicht unter den Transportstopp, weil es sich nicht um abgebrannte Brennstäbe handelt.» Die Transporte seien weder illegal noch geheim gewesen, sagte Roth.

Die Cogema hat die Transporte damit zwar bestätigt, aber darauf verwiesen, dass es sich dabei um "neues, also um nicht bestrahltes Material handelt". Die Transporte seien deshalb auch nicht von dem Verbot betroffen gewesen, das die Regierung ausgesprochen habe. Bonn und Paris hatten am 31. Januar den Weg zu einer Wiederaufnahme der umstrittenen Atommülltransporte in beide Richtungen frei gemacht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%