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14 Tote bei neuem Bahnunglück in Türkei

Aydin/Istanbul (dpa) - Drei Tage nach dem schweren Zugunglück in der Türkei hat es im Südwesten des Landes einen neuen Bahnunfall mit 14 Toten gegeben. An einem Bahnübergang in der Provinz Aydin stieß am Sonntagabend ein aus Izmir kommender Personenzug mit einem Kleinbus zusammen.

Aydin/Istanbul (dpa) - Drei Tage nach dem schweren Zugunglück in der Türkei hat es im Südwesten des Landes einen neuen Bahnunfall mit 14 Toten gegeben. An einem Bahnübergang in der Provinz Aydin stieß am Sonntagabend ein aus Izmir kommender Personenzug mit einem Kleinbus zusammen.

Dabei wurden sechs weitere Menschen verletzt. Bei den Toten und Verletzten handele es sich um Insassen des Busses, meldete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Nach Angaben der Behörden hatte der Busfahrer versucht, den Bahnübergang noch zu passieren, obwohl die Schranken bereits heruntergelassen wurden.

Erst am Donnerstagabend war auf einer erst vor wenigen Wochen eröffneten Schnellstrecke von Istanbul in die Hauptstadt Ankara ein Personenzug entgleist. Dabei wurden 37 Menschen getötet und fast 100 Passagiere verletzt. Die beiden Lokführer und der verantwortliche Zugbegleiter wurden am Wochenende unter dem Vorwurf der fahrlässigen Tötung in Untersuchungshaft genommen. Ihnen drohen bei einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft, berichteten türkische Medien am Sonntag. Bei dem Unglück waren mehrere Waggons umgestürzt und hatten sich ineinander verkeilt.

Wegen unterschiedlicher Angaben zur tatsächlichen und zur erlaubten Geschwindigkeit am Unfallort waren Verkehrsminister Binali Yildirim und Bahn-Generaldirektor Süleyman Karaman stark unter Druck geraten. Sie hatten nach dem Unfall angegeben, der Zug sei mit 118 Stundenkilometern statt den vorgegebenen 80 Stundenkilometern gefahren. Dagegen heißt es in einem Bahn-Handbuch, das am Samstag auszugsweise veröffentlicht wurde, dass an der Stelle 130 Stundenkilometer zulässig seien. Der Lokführer habe zu spät und abrupt gebremst, hieß es in einigen Berichten. «Irgendjemand sagt hier nicht die Wahrheit», titelten türkische Zeitungen.

Verkehrsminister Yildirim kündigte die Bildung einer unabhängigen Untersuchungskommission an, zu der auch Experten aus Deutschland in die Türkei geladen wurden. Die Gleise an der Unglücksstelle wurden noch vor der Bergung der entgleisten Waggons komplett erneuert. Bahngewerkschaften und Verbraucherschützer kündigten am Wochenende Anzeigen gegen die Verantwortlichen von Bahn und Regierung an. Die angeklagten Zugführer sollten als «Sündenböcke» herhalten, hieß es unter anderem.

Experten hatten die Regierung bereits vor Inbetriebnahme des Schnellzuges am 4. Juni vor einer Tragödie gewarnt: Die rund 100 Jahre alten Gleise seien nicht stabil genug für moderne Schnellzüge. Auf der nach ihrer Ansicht überhastet freigegebenen Strecke war anfangs eine Höchstgeschwindigkeit von 160 Stundenkilometern erlaubt. Diese war jedoch schon bald wieder leicht reduziert worden, weil auf einigen Streckenabschnitten Geschirr im Speisewagen klapperte.

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