15 Palästinenser festgenommen
Israelische Jugendliche im Westjordanland gesteinigt

Im Westjordanland sind am Mittwoch zwei israelische Jugendliche gesteinigt aufgefunden worden. Vermutlich hätten Palästinenser die beiden aus der jüdischen Siedlung Tekoa stammenden 14-Jährigen getötet, teilte die israelische Polizei mit.

Reuters JERUSALEM. Ministerpräsident Ariel Scharon sprach von einer neuen Stufe der Gewalt der Palästinenser gegenüber unschuldigen Zivilisten. Der palästinensische Kabinetts-Minister Saeb Erekat bedauerte den Tod der Jungen. Bei einem Schusswechsel zwischen Israelis und Palästinensern wurde nach Krankenhaus-Angaben im Gaza-Streifen eine Palästinenserin und ihr Baby verletzt. Israels Außenminister Schimon Peres forderte in Berlin die europäischen Staaten auf, Druck auf die Palästinenser auszuüben, damit diese den Terror stoppten.

Die Leichen der beiden seit Dienstag vermissten Jungen seien in einer Höhle unweit der Siedlung Tekoa wenige Kilometer südlich von Jerusalem entdeckt worden, teilte die Polizei mit. Bewohner der Siedlung sagten im israelischen Rundfunk, die Jugendlichen hätten die Schule geschwänzt und statt dessen eine Wandertour entlang eines Flussbettes in der Nähe der Siedlung unternommen. "Sie wurden mit Steinen erschlagen", sagte ein Mitglied der Suchmannschaft im Armee-Rundfunk. Der Sender meldete weiter, die beiden seien gefesselt und möglicherweise auch erstochen worden.

Die Hintergründe der Tat waren zunächst unklar. Bei der Nachrichtenagentur Reuters bekannte sich ein anonymer Anrufer zu dem Mord an den Jugendlichen. Er gab an, im Auftrag einer militanten islamischen Gruppe gehandelt zu haben und den Tod eines palästinensischen Babys rächen zu wollen, das am Montag bei einem israelischen Angriff auf ein Flüchtlingslager ums Leben gekommen war. Aus Behördenkreisen in Tekoa verlautete, die Tat stehe möglicherweise in Zusammenhang mit dem Diebstahl von rund 100 Ziegen in der Nacht zum Mittwoch. Der Sicherheitschef der Siedlung, Dov Weinstock, sagte, möglicherweise hätten Diebe, die ursprünglich nicht vorgehabt hätten, die Jungen zu töten, aus einem Affekt heraus die Tat begangen.

Der israelische Rundfunk berichtete, die Polizei und der Inlandsgeheimdienst Schin Bet hätten 15 Palästinenser zur Befragung festgenommen.

Scharon fordert sofortiges Ende der Gewalt

Scharon zeigte sich entsetzt über den Tod der Jugendlichen und sprach den Familienangehörigen sein Beileid aus. Er fordere die Palästinenser-Regierung auf, für ein sofortiges Ende der Gewalt zu sorgen. Erekat sagte, die Palästinenserregierung bedauere den Tod der beiden Jungen und den aller Kinder, seien es Palästinenser, Juden, Moslems oder Christen. Die Behörde tue ihr Möglichstes, um die Friedensgespräche bald wiederaufnehmen zu können. Die USA verurteilten die "feige Mordtat" "auf das Schärfste". Der US-Botschafter in Israel, Martin Indyk, erklärte, einer der beiden getöteten Jugendlichen habe die amerikanische Staatsbürgerschaft besessen. "Es ist nicht hinzunehmen, dass Kinder so oft Opfer dieses blutigen Konfliktes werden. Es ist an der Zeit, die Gewalt zu beenden", erklärte er. Seit Beginn des Palästinenser-Aufstands im September kamen rund 500 Menschen ums Leben, davon mindestens 409 Palästinenser.

Nahe des Flüchtlingslagers Rafah im Gaza-Streifen kam es unterdessen zu einem Feuergefecht zwischen Soldaten und Palästinensern. Dabei wurde nach Krankenhausangaben erneut ein Baby durch Geschosssplitter verletzt. Auch die Mutter des Kindes sei verwundet worden. Nach israelischen Armeeangaben war zuvor eine Bombe unweit eines israelischen Konvois detoniert. Zudem hätten Palästinenser zwei jüdische Siedlungen im Gaza-Streifen mit Granaten beschossen.

Peres warb bei seinem Besuch in Berlin um eine kritischere Haltung der Europäer gegenüber den Palästinensern. Er sei aber gegen einen Stopp der Finanzhilfen der Europäischen Union (EU) an die Palästinenser. Die EU hat seit 1996 über 1,5 Milliarden Mark an Hilfsgeldern gezahlt. Nach einem Gespräch mit Bundesaußenminister Joschka Fischer betonte Peres, er sei für Druck "gegen den Terror", nicht gegen das palästinensische Volk oder Arafat als Person. Fischer sagte zu Medienberichten, wonach Israel eine "Vermittlung" Deutschlands und Europas wünsche, es gehe nicht um Vermittlung, sondern darum, dass beide Seiten wieder verhandelten, etwa auf der Basis der ägyptisch-jordanischen Friedensinitiative. Deutschland und die EU würden sich gemeinsam mit den USA weiter für den Frieden einsetzen.

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