15 Prozent weniger Standflächen gebucht
Comdex: IT-Riesen trotzen der Krise

Die Computermesse Comdex in Las Vegas steht in diesem Jahr deutlich im Zeichen von Terrorangst und wirtschaftlicher Unsicherheit. Die Veranstalter der größten IT-Messe der USA mussten nach Angaben des Informationsdienstes CNet einen Rückgang bei der Buchung von Standflächen in Höhe von 15 Prozent hinnehmen.

Las Vegas (ddp). Aber trotz der auf den ersten Blick alarmierenden Belegungszahlen wollen weder Veranstalter noch Aussteller von einer Krise sprechen. Im Gegenteil: Microsoft-Gründer Bill Gates sah in seiner Comdex-Eröffnungsrede für die Branche "Goldene Zeiten" voraus. John Chambers, Chef des IT-Riesen Cisco (www.cisco.com), präsentierte seine Vision von einem allgegenwärtigen Internet. Das "mobile Büro" würde es Firmenmitarbeitern immer und überall möglich machen, mit der Unternehmenszentrale zu kommunizieren.

Die IT-Branche musste lernen, dass der Weg zur Erfüllung dieser Visionen hart und steinig ist. Immerhin stellt sich bei der Comdex heraus, dass ein Etappenziel in Sichtweite ist: Immer mehr Hersteller nehmen sich des Themas "drahtlose Kommunikation" an. Der in diesem Zusammenhang immer wieder als Favorit genannte Standard Bluetooth steht nun möglicherweise tatsächlich vor dem Durchbruch. Ein integrierter Bluetooth-Chip macht es kleinen Geräten möglich, via Handy den Kontakt zum Internet aufzubauen oder drahtlos mit dem PC zu kommunizieren. Ausgerechnet Palm, Marktführer bei den immer populärer werdenden Personal Digital Assistants (PDA) genannten Kleincomputern, muss hingegen den lange erwarteten Start seines Bluetooth-Adapters ins nächste Jahr hinein verschieben.

Die Aufgaben, die sich die IT-Branche selber stellt, lassen sich von einzelnen Unternehmen offensichtlich nur unzureichend bewerkstelligen. Während einzig Microsoft seine .NET-Strategie überwiegend im Alleingang umsetzen will, bilden sich daneben machtvolle Kooperationen. Der japanische Elektronikriese Sony will mit Hilfe des weltgrößten Online-Dienstes AOL endlich auch im Internet den Ton angeben. Die Zusammenarbeit soll nach den Worten von Sony-Chef Kunitake Ando die nächste Generation von Internet-Breitbandunterhaltung schaffen. Parallel dazu tüftelt Sony an einem Kommunikationsstandard namens Feel, mit dem sich externe Geräte auf Knopfdruck in ein Netzwerk einbetten lassen sollen. Auch Sony setzt dabei auf drahtlose Verbindungen.

Der finnische Telefon-Spezialist Nokia kündigte auf der Comdex die Bildung einer Arbeitsgruppe an, die sich um einen neuen Standard für Mobiltelefone kümmern soll. Das derzeit herrschende Wirrwarr von Protokollen und Inkompatibilitäten soll damit der Vergangenheit angehören. Auch hier steht der Gedanke Pate, mit Handy-Hilfe unkompliziert den Zugang ins Internet zu ermöglichen. Nokia scheint mit seinen Bemühungen bei den Mitbewerbern offene Türen eingerannt zu haben. Zu den Gründungsmitgliedern des Konsortiums gehören neben Nokia unter anderem Sony Ericsson, Motorola, Siemens, Sharp, Matsushita, Samsung und NEC.

Nach ersten Hochrechnungen dürfte die Zahl der Besucher von 200.000 im vergangenen Jahr auf 125.000 bis 150.000 zurückgehen. Die Zahlen führen allerdings etwas in die Irre, da Veranstaltungen außerhalb des Messegeländes nicht berücksichtigt werden. In Las Vegas wiederum laden traditionell immer mehr Firmen der IT-Branche zu Produktpräsentationen in die luxuriösen Hotelsuiten der Spieler-Metropole ein und bleiben dafür der Comdex fern. Verschärfte Sicherheitsbestimmungen sorgen trotz des Besucherrückgangs dafür, dass sich an den Eingängen zum Messegelände längere Schlangen bilden als bei den Veranstaltungen der Vorjahre.

Nachdem Microsoft-Chefstratege Bill Gates in Anspielung auf die neueste Produktlinie des Unternehmens die Besucher zur Comdex XP willkommen hieß, treiben die in der Schlange wartenden ihre eigenen Wortspiele mit dem Kürzel. Für sie steht XP nicht länger für Experience, sondern für Extra Patience, zusätzliche Geduld.

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