17 beobachtete Gruppierungen
Extremistische Muslimgruppen in Deutschland

Die Zahl der Gewalttaten, die ausländischen Extremisten zugerechnet werden, ist im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2001 von 84 auf 55 zurückgegangen. Verfassungsschützer halten islamische Terror-Netzwerke gleichwohl nach wie vor für die akuteste Bedrohung für die innere Sicherheit in Deutschland.

HB/dpa HAMBURG. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA sind die in Deutschland tätigen islamisch-extremistischen Gruppierungen und möglichen Verbindungen unter anderem zur El Kaida von Osama bin Laden ins besondere Interesse des Verfassungsschutzes gerückt.

Nach dem jüngsten Bericht des bayerischen Verfassungsschutzes - das Bundesamt für Verfassungsschutz hat seinen Bericht noch nicht vorgelegt - ging bundesweit die Mitgliederzahl der unter Beobachtung stehenden islamischen Extremistengruppen 2002 geringfügig von 31 950 auf 30 600 zurück.

Unter den 17 (Anfang 2002) beobachteten Gruppierungen ist die 26 000 Mitglieder zählende türkische "Islamische Gemeinschaft Milli Görüs" (IGMG) die mit Abstand größte. Der 1985 gegründete und in Köln ansässige Verein ist ein Sammelbecken von Anhängern der früheren Tugendpartei (FP) und jetzigen islamistischen Glückseligkeitspartei (SP) in der Türkei. Die bundesweit mit rund 500 Ortsgruppen vertretene Vereinigung strebt als Fernziel die weltweite Islamisierung an.

Aus Ägypten stammt die multinationale "Muslimbruderschaft", die etwa 1 250 Mitglieder zählt und die Gewalt als ein legitimes politisches Mittel betrachtet. Der im Dezember 2001 als erste religiöse extremistische Vereinigung verbotene "Kalifatsstaat", der Kontakte zur El Kaida gehabt haben soll, hatte 1100 Mitglieder.

Ebenfalls verboten sind inzwischen der in Aachen ansässige Verein Al Aksa und die terroristischer Aktivitäten verdächtigte Organisation Hisb es Tehrir (Partei der islamischen Befreiung). Zu den weiteren vom Verfassungsschutz beobachteten Organisationen gehören die schiitische Hisbollah (Hizb Allah) und die Islamische Gemeinschaft in Deutschland (IGD). Beide Vereinigungen haben nur wenige hundert Mitglieder.

Während Vereinigungen wie die Milli Görüs im Wesentlichen verdächtigt werden, sie gefährdeten mit ihrem Streben nach einem islamischen Gesellschaftssystem (Gottesstaat) den Bestand der Bundesrepublik, sind unter Terrorverdacht in Deutschland bislang nur einzelne in Kontakt mit dem Terror-Netzwerk im Ausland stehende Personen oder kleine Gruppen geraten.

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