18-Jähriger gesteht die Tat im wesentlichen
Mord mit rechtsextremen Hintergrund in Guben

dpa GUBEN. Nach der neuen rechtsextremen Attacke in der brandenburgischen Stadt Guben hat einer der beiden inhaftierten Jugendlichen die Tat im wesentlichen gestanden. "Der 18-Jährige hat eingeräumt, mit dem Messer herumgefuchtelt zu haben. Er will aber nicht vorsätzlich auf den in der Mongolei geborenen Deutschen eingestochen haben", sagte die Sprecherin der Cottbuser Staatsanwaltschaft, Petra Hertwig, am Donnerstag.

Gegen den 18-Jährigen und einen 19-Jährigen war am Vorabend Haftbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung erlassen worden. Der 19-Jährige, der erst im November im Prozess um die tödliche Hetzjagd auf den Asylbewerber Omar Ben Noui verwarnt und zu 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit verpflichtet worden war, bestritt laut Justiz jegliche Tatbeteiligung.

Beide Verdächtigen sitzen in Untersuchungshaft. Zwei weitere mutmaßlich Beteiligte waren dagegen wieder auf freien Fuß gesetzt worden, weil keine Fluchtgefahr bestehe.

Alle vier Tatverdächtigen sind polizeibekannt

Nach bisherigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hatten die vier stark alkoholisierten Jugendlichen in der Nacht zum Dienstag zunächst die siebenköpfige Gruppe um den 20-jährigen asiatisch aussehenden jungen Mann - alles Deutsche - beschimpft. Nach Angaben der Anklagebehörde fielen Worte wie "Fidschi" und "Ausländer raus". Dann teilten die vier der rechten Szene angehörenden Jugendlichen Schläge und Fußtritte aus, bevor schließlich der 18-Jährige ein Messer zückte und es dem 20-Jährigen in Ulan Bator geborenen Mann in den Rücken stach.

Alle vier Tatverdächtigen sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft polizeibekannt. Die zwei Jugendlichen, die zunächst wieder auf freiem Fuß kamen, sollen Anfang Dezember auf dem Gedenkstein für den von Rechten zu Tode gehetzten algererischen Asylbewerber Omar Ben Noui herum getrampelt sein. Der Stein war zuvor bereits mehrfach geschändet worden. Omar Ben Noui war am 13. Februar 1999 auf der Flucht vor rechten Schlägern in Panik durch die Glasscheibe einer Haustür gesprungen und verblutet.

Den Verdächtigen drohen bis zu fünf Jahre Haft

Gegen den 18-jährigen mutmaßlichen Messerstecher wurde nach Auskunft der Anklagebehörde bereits wegen gefährlicher Körperverletzung in einem anderen Fall ermittelt. Die genauen Angaben zum Vorstrafenregister der Vier lagen zunächst noch nicht vor. Sollte es zur Anklage kommen und sich die Verdächtigen nach Jugendstrafrecht vor Gericht zu verantworten haben, drohen ihnen bis zu fünf Jahre Haft.

Die Sprecherin der Cottbuser Staatsanwaltschaft wies die im Zuge des erneuten Übergriffs laut gewordene Kritik am Cottbuser Hetzjagd- Urteil zurück. "Aus Sicht der Staatsanwaltschaft war das Urteil nicht zu milde." Zudem habe eine abschreckende Wirkung eines Urteils - wie sie von vielen gefordert worden war - im Jugendstrafrecht nichts zu suchen. Vielmehr stehe der Erziehungsgedanke im Vordergrund. "Deshalb besteht im jüngsten Fall auch keine Mitschuld der Justiz", sagte Hertwig. Mit dem Urteil waren Haftstrafen von bis zu drei Jahren verhängt worden.

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