1850 Stellen fallen weg
Sanierungskonzept bei Mobilcom steht

Der Vorstand des angeschlagenen Mobilfunkanbieters MobilCom hat sich nach Angaben des Betriebsrats mit der Arbeitnehmerseite auf ein Sanierungskonzept geeinigt.

Reuters BÜDELSDORF. Von den derzeit 5200 Stellen würden maximal 1850 wegfallen, sagte der Betriebsratsvorsitzende Thomas Schrader am Donnerstag in Büdelsdorf. Mit der Rahmenvereinbarung, die noch von den örtlichen Betriebsräten in den einzelnen Mobilcom-Standorten unterzeichnet werden muss, trägt der Betriebsrat den bereits im September vom Mobilcom-Vorstand ins Auge gefassten Stellenabbau in voller Höhe mit. Für Sozialpläne stünden mindestens 17,2 Millionen Euro zur Verfügung hieß es.

In welchen Bereichen die Arbeitsplätze gestrichen würde, stehe noch nicht fest."Aber wir haben das jetzt auf maximal 1850 Vollzeitstellen begrenzt. Mehr können also nicht wegfallen", sagte Schrader. Dass möglicherweise weniger Stellen gestrichen werden könnten, bezeichnete er als lediglich "vage Hoffnung". Er sei sehr zuversichtlich, dass die örtlichen Betriebsräte das Konzept mittragen werden. Die Zukunft des UMTS-Bereichs sei auch weiter offen, sagte er.

Das Büdelsdorfer Unternehmen ist von der Insolvenz bedroht, nachdem der Anteilseigner France Telecom Mitte September seine Zahlungen an das Unternehmen eingestellt hatte. Zudem sind Kredite in Höhe von 4,7 Milliarden Euro fällig, deren Rückzahlungsfrist Anfang voriger Woche von den Banken zum dritten Mal verlängert wurde und jetzt am 31. Oktober ausläuft.

Bis dahin hofft das Büdelsdorfer Unternehmen auf eine Einigung mit der France Telecom, die die Schulden übernehmen soll, sich aber gleichzeitig von ihren gut 25 Prozent Anteilen an Mobilcom trennen könnte.

UMTS-Gespräche mit E-Plus

Was aus dem Aufbau des UMTS-Netzes werde, sei noch nicht entschieden. "Da laufen noch Gespräche", sagte Schrader. Der Erwerb der Lizenz gemeinsam mit France Telecom ist maßgebliche Ursache für die hohe Verschuldung von Mobilcom. "Wir müssen vor allem die Gespräche mit E-Plus abwarten." Der Mobilcom-Vorstand will nach bisherigen Überlegungen rund 1000 der knapp 1300 Stellen im UMTS-Bereich streichen und den kostspieligen Aufbau des neuen Mobilfunk-Netzes vorerst stoppen.

Anfang der Woche war aus Verhandlungskreisen bekannt geworden, dass E-Plus erwägt, Teile des bereits installierten UMTS-Netzes von Mobilcom zu übernehmen. Damit könnten Forderungen von E-Plus an Mobilcom in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro ganz oder teilweise ausgeglichen werden. Allerdings sehe E-Plus bei einer Zusammenlegung der Büdelsdorfer Netztechnik mit der eigenen wegen der vielen Überschneidungen erhebliche Probleme.

Mit dem Sanierungskonzept eröffnet sich Mobilcom weitere Möglichkeiten für öffentliche Finanzhilfen. Die Zahlungsfähigkeit war Mitte September von der Kreditanstalt für den Wiederaufbau (KfW) mit 50 Millionen Euro Soforthilfe gesichert worden. Weitere Mittel von bis zu 350 Millionen Euro wollten die KfW, die Kieler Landesbank und das Land Schleswig-Holstein nur bei entsprechenden Sicherheiten und auf Grundlage eines tragfähigen Sanierungskonzeptes gewähren.

Die am Neuen Markt gelistete Mobilcom-Aktie entwickelte sich am Donnerstag zunächst uneinheitlich und notierte am Vormittag um 1,6 Prozent tiefer bei 4,39 Euro.

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