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1 860-Chef hält zu Trainer Bommer

Wütende Fans, der Präsident geschockt und der Trainer vor schweren Zeiten - bei Bundesliga-Absteiger TSV 1 860 München läuten nach der höchsten Niederlage in der 2. Fußball-Bundesliga die Alarmglocken.

dpa MÜNCHEN. Wütende Fans, der Präsident geschockt und der Trainer vor schweren Zeiten - bei Bundesliga-Absteiger TSV 1 860 München läuten nach der höchsten Niederlage in der 2. Fußball-Bundesliga die Alarmglocken.

Mit nur vier Punkten Abstand auf einen Abstiegsplatz geht nach dem vorläufigen Abschied aus dem Aufstiegsrennen bei den "Löwen" schon die Angst um den Klassenverbleib um. "Das war beschämend, ein Offenbarungseid. So machen wir nicht weiter", schimpfte Präsident Karl Auer, der aber vorerst keine Konsequenzen ziehen will.

"Der Trainer steht nicht zur Debatte", erklärte der Fleischwarenhändler nach einem Krisengipfel mit Coach Rudi Bommer und Sportdirektor Roland Kneißl und beendete damit wieder einmal die Spekulationen um eine Entlassung des ehemaligen Nationalspielers, dessen Mannschaft als Tabellen-Siebter bereits zehn Punkte Rückstand auf den ersehnten Aufstiegsplatz hat.

Statt Ruhe, die sich Auer am 23. November bei seiner eindrucksvollen Bestätigung als Vereins-Boss gewünscht hatte, gibt's bei dem Münchner Traditionsverein Krach. Der Präsident und sein Sportdirektor Roland Kneißl gingen nach dem 1:5-Debakel bei Alemannia Aachen auf die Spieler los und kritisierten ihre mangelhafte Berufsauffassung. "Wir haben klar analysiert, dass sie zu wenig Aggressivität zeigen. So kann man oben nicht mithalten", sagte Auer und hofft, "dass unsere Vorgaben von der Mannschaft auch umgesetzt werden."

Bommer hat weiterhin das Vertrauen der Club-Führung, doch der "Löwen"-Coach wirkte nach der deftigen Pleite auf dem "Tivoli" ratlos. "So etwas habe ich als Trainer noch nicht erlebt. Wir haben uns mädchenhaft verhalten", sagte der 47-Jährige nach der bitteren Lektion, die die wütenden 1 860-Fans mit "Wir haben die Schnauze voll"-Rufen quittierten. "Wir haben uns abschlachten lassen", sagte Manager Kneißl.

In der Mannschaft rumort es. Der als unbequem bekannte Torwart Michael Hofmann spricht von einer "absoluten Katastrophe" und scheut vor Kritik an den Mitspielern, die ihn zum wiederholten Mal im Stich ließen, nicht zurück: "Wir haben uns düpieren lassen. Die Aachener standen ja frei wie sonst was." Auch Roman Tyce hat den Ernst der Lage erkannt. "Vom Aufstieg brauchen wir nicht zu reden. Wir müssen nach unten schauen", meinte der Kapitän. Allein zwei Siege in den Spielen gegen den Tabellenzweiten Spvgg Greuther Fürth und bei der LR Ahlen gewährleisten eine halbwegs ruhige Winterpause.

Laut Auer sollen personelle Änderungen im Kader, in dem Kritiker Spieler wie Karlheinz Pflipsen oder Slobodan Komljenovic zu Fehleinkäufen stempeln, die Weichen für eine erfolgreiche Rückserie stellen. "Löwen"-Legende Petar Radenkovic hat allerdings wenig Hoffnung. "Der Verein hat so viele Probleme", meinte der Meistertorwart von 1966, dem der "Tiefpunkt" von Aachen nahe ging. "Das war keine Niederlage, sondern eine Erniedrigung." Radenkovic, der bereits vor der desaströsen Pleite Bommers Entlassung gefordert hatte, hält sein Angebot aufrecht, als sportlicher Berater bei den Sechzigern einzusteigen. "Aber jetzt müssen die Verantwortlichen selbst handeln, und hoffentlich treffen sie die richtigen Entscheidungen."

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