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1860, Frankfurt und Lautern träumen vom Happy End

Düsseldorf (dpa) - Vor dem Bundesliga-Kehraus herrscht prickelnde Endspiel-Stimmung. Obwohl Werder Bremen bereits eine Woche vor dem Abpfiff der 41. Saison die Meisterschale in Empfang nahm, verspricht der Kampf um den Klassenverbleib und die Europapokal-Plätze höchsten Unterhaltungswert.

Wie dramatisch es auf der Zielgeraden zugehen kann, bekamen die Fußball-Fans bereits an diesem Wochenende zu spüren: Mit seinem fatalen Elfmeter-Fehlschuss kurz vor dem Abpfiff der Partie gegen Hertha BSC (1:1) machte Francis Kioyo fast alle Hoffnungen der Münchner «Löwen» auf ein Happy End zunichte und sorgte bei den geretteten Teams aus Berlin und Mönchengladbach für Jubelstürme. «Ich wollte zeigen, dass ich ein Spieler mit Charakter bin», sagte die tragische Figur des Spieltages, «es tut mir so Leid.»

Nicht nur im Tabellenkeller, wo München 1860, Frankfurt und Kaiserslautern die Absteiger 2 und 3 ermitteln, spitzte sich die Lage zu. Weil das Starensemble aus Bayern seinen zuletzt in Frage gestellten Trainer Ottmar Hitzfeld beim 1:3 in Stuttgart erneut im Stich ließ und Meister Bremen bei der 2:6-Heimschlappe gegen Leverkusen dem Party-Marathon der vergangenen Tage Tribut zollen musste, ist das Rennen um die Champions-League-Plätze noch offen. Das Duell zwischen dem Tabellenvierten Bayer mit dem Dritten VfB wird damit zu einem Endspiel um Millionen.

Nicht auszuschließen, dass der Sieger dieser Partie die Bayern noch vom zweiten Rang verdrängt. Bei einer ähnlich leblosen Vorstellung wie in Stuttgart droht dem Rekordmeister sogar eine Heimschlappe gegen Freiburg. Die schleichende Demontage von Hitzfeld durch die Vereinsspitze und die bedenkliche Einstellung seiner Mitstreiter brachte Oliver Kahn auf die Palme: «Es ist keine gute Situation, wenn der Trainer permanent in Frage gestellt wird. Ottmar Hitzfeld ist die ärmste Sau. Er hätte etwas Besseres verdient.» Doch das Mitgefühl des Torhüters wird Hitzfeld wenig nutzen: VfB-Teammanager Felix Magath soll als Nachfolger bereitstehen.

Das Fernduell zwischen Borussia Dortmund und dem VfL Bochum um den UEFA-Cup-Einzug geht in seine letzte Runde. Der BVB profitierte von der 2:3-Niederlage des Reviernachbarn in Frankfurt und eroberte sich dank des 3:1-Erfolges über Mönchengladbach den fünften Platz zurück. Ein Sieg in Kaiserslautern könnte den Schwarz-Gelben nach einer missratenen Saison doch noch zu einem halbwegs versöhnlichen Ende verhelfen. «Wenn wir das nicht schaffen, sind wir ein bisschen dämlich», sagte BVB-Trainer Matthias Sammer.

Doch den Dortmundern steht ein heißer Tanz bevor. Denn der Tabellen-15. aus der Pfalz braucht nach dem 1:4 auf Schalke noch einen Punkt, um den zweiten Sturz in die 2. Liga nach 1996 sicher abzuwenden. Trainer Kurt Jara setzt auf die inspirierende Wirkung der heimischen Arena: «Es ist ein Endspiel. Der Betzenberg wird brennen. Und ich hoffe, dass sich die Atmosphäre wieder auf meine Spieler überträgt.»

Nur im Fall einer Niederlage der «Roten Teufel» winkt den Frankfurtern ein drittes Fußball-Wunder. Noch haben sie die Hoffnungen auf eine ähnliche Erfolgstory wie im Abstiegskampf 1999 und beim Bundesliga-Aufstieg im vergangenen Jahr nicht aufgegeben. Mit einem Sieg beim HSV soll das Unmögliche möglich gemacht werden. «Wir haben uns erträumt, dass wir noch eine Chance haben - wir wollen sie nutzen», sagte der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen. Mit ähnlichen Durchhalteparolen stimmte «Löwen»-Coach Gerald Vanenburg sein Team auf den Kehraus in Mönchengladbach ein: «Wir sollten noch einmal alles versuchen und im letzten Spiel volle Pulle gehen.»

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