1860 München entlässt Trainer Falko Götz und holt Gerald Vanenburg
Ein unwürdiges Schauspiel

Kurz nach der Heimniederlage gegen den Hamburger SV (1:2) entlässt 1860 München seinen Trainer Falko Götz. Offenbar entgegen einer internen Abmachung verkündete Vizepräsident Hans Zehetmair die Entlassung von Götz. Die Konsequenz: Zehetmair tritt zurück. Was an der Entlassung des Trainers nichts ändert.

MÜNCHEN. Die Frage ist, ob er sich all das gut überlegt hat, samt allen Konsequenzen. Vielleicht hat bei Gerald Vanenburg auch die Erinnerung den Blick auf die Realität getrübt. Als Spieler hat er es mit dem TSV 1860 München bis in die Champions-League-Qualifikation geschafft, und vielleicht liefen diese Bilder noch einmal vor Vanenburgs innerem Auge ab, als er gestern Mittag in Eindhoven ins Flugzeug stieg, um zu seiner Vertragsunterzeichnung nach München zu fliegen.

Vermutlich wusste er nicht, dass der TSV 1860, den er aus jenen Tagen in Erinnerung hat, außer den Vereinsfarben kaum etwas verbindet mit jenem Verein, den er nun als neuer Trainer und Nachfolger des am Samstag entlassenen Falko Götz vor dem Abstieg retten soll: Mit einiger Hartnäckigkeit profiliert sich Sechzig seit einigen Wochen als Chaos-Klub; die Führungsriege befindet sich zum zweiten Mal binnen eines guten Monats im Zerfallsprozess, sodass man beinahe übersehen könnte, dass der Verein in großer Gradlinigkeit der Zweiten Liga entgegenstrebt. Bei der 1:2-Niederlage gegen den Hamburger SV trat die Mannschaft erneut derart gespenstisch schwach auf, dass es Mut erfordert, ihr noch ein Unentschieden oder gar einen Sieg in einem der verbleibenden fünf Spiele zuzutrauen. Zu allem Überfluss fällt Benjamin Lauth wegen eines Mittelfußbruchs bis Saisonende aus. Trotz allem wird Vanenburg unterschreiben. Vorerst bleibt er bis zum Saisonende, möglicherweise darüber hinaus.

Am Sonntagmorgen fand die Trainerentlassung vom Vortag - zweifellos eine der auf traurige Art unterhaltsamsten der Bundesligageschichte - zunächst eine angemessene Fortsetzung. Sportdirektor Dirk Dufner beschied im DSF: "Das gibt es in keinem Karnickelverein, dass der Vizepräsident vor dem Präsidenten spricht. Wir haben ein Bild abgegeben, das war einfach unglaublich."

Am Samstag hatte Vizepräsident Hans Zehetmair unmittelbar nach dem Schlusspfiff, offenbar gegen die interne Abmachung, die Entlassung von Falko Götz verkündet. Götz selbst sagte bei der Pressekonferenz eine Viertelstunde später, er wisse noch nichts von seiner Entlassung, man habe ein Gespräch vereinbart. Wiederum zehn Minuten später beklagte sich Präsident Karl Auer via Premiere über das Vorpreschen seines Vize. Um dann zu erklären, "dass wir uns vom Trainer trennen". Später ergänzte Auer im Hinblick auf Vize Zehetmair: "Unter diesen Umständen kann ich nicht weiter mit ihm zusammenarbeiten. Es gibt zwei Möglichkeiten: er oder ich."

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