190 Flüge gestrichen
Pilotenstreik: Verhandlungen gehen am Montag weiter

Der erste reguläre Pilotenstreik in der Geschichte der Lufthansa hat am frühen Freitagmorgen zu Ausfällen zahlreicher innerdeutscher Flüge geführt. Allerdings gelang es der Lufthansa, fast alle interkontinentalen und auch mehrere nationale Flüge starten zu lassen. Zwölf von 15 Langstreckenflügen vor allem in die USA seien am Morgen gestartet, sagte eine Lufthansa-Sprecherin.

dpa FRANKFURT/MAIN. Der erste Piloten-Streik in der Geschichte der Lufthansa hat am Freitagmorgen auf allen großen deutschen Flughäfen zu erheblichen Behinderungen und Verspätungen geführt. Nach Angaben der Lufthansa fiel jeder dritte Flug aus oder war verspätet. Betroffen waren rund 350 von ursprünglich 1120 geplanten Flügen.

Piloten und Lufthansa wollen am Montag weiter verhandeln

Im Tarifkonflikt bei der Lufthansa soll am Montag weiter verhandelt werden. Das teilte die Pilotenvereinigung Cockpit am Freitag in Neu-Isenburg mit. Ein verbessertes Angebot sei zugesagt worden. Die Pilotenvereinigung Cockpit, die im Tarifkonflikt um höhere Bezüge zum ersten Streik der Flugzeugführer aufgerufen hatte, sprach von einem "bombigen Erfolg". Arbeitnehmervertreter und Tourismusverbände dagegen kritisierten den Arbeitskampf. Am Mittag nahmen die Piloten nach 12 Stunden ihre Arbeit wieder auf. Nach Angaben von Cockpit-Sprecher Georg Fongern soll in den kommenden vier Wochen jeden Donnerstag 24 Stunden lang gestreikt werden, wenn die Lufthansa bei ihrer «harten Haltung» bleibt.

Auf allen großen Flughäfen in Deutschland mussten Passagiere stundenlang auf ihre Flüge warten oder im innerdeutschen Verkehr auf Bahn oder Auto umsteigen. Das befürchtete Chaos blieb allerdings aus. Offenbar hatten sich viele auf den Streik eingestellt. Die Bahn, die Lufthansa-Flugscheine als Tickets akzeptierte, setzte keine zusätzlichen Züge zur Beförderung von Flugpassagieren ein. «Der Ansturm war nicht so, als dass wir ihn mit den Regelzügen nicht hätten bewältigen können», sagte Bahn-Sprecherin Kornelia

Die Piloten wollten mit dem Streik den Druck auf die Lufthansa erhöhen. Sie fordern Einkommenserhöhungen um durchschnittlich mehr als 30 %. Die Lufthansa hatte angeboten, die Vergütung in diesem Jahr zwischen zehn und 16,7 % anzuheben. Bei einem «verhandlungsfähigen Angebot» sei Cockpit bereit, die Gespräche wieder aufzunehmen, hieß es vor Beginn einer Sitzung der Cockpit- Tarifkommission in Neu-Isenburg südlich von Frankfurt. Die Lufthansa hatte am Donnerstagabend vorgeschlagen, die Tarifverhandlungen am kommenden Montag fortzusetzen.

Der Betriebsratschef der Lufthansa AG in Frankfurt, Heinz-Werner Langendörfer, äußerte die Sorge, der Pilotenstreik gefährde den Betriebsfrieden in dem Unternehmen. Setzten sich die Piloten mit ihren Gehaltsforderungen durch, würde im Vergleich zum Bodenpersonal eine bisher nicht da gewesene «Schieflage in der Gehaltsentwicklung» entstehen, sagte er im InfoRadio Berlin-Brandenburg. Das Bodenpersonal hatte für dieses Jahr 3,5 % mehr Lohn ausgehandelt. Das Kabinenpersonal, das an Freitag wegen des Streiks am Boden bleiben musste, werde normal bezahlt, hieß es von der Lufthansa.

Auch die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di kritisierte, die Haltung der Piloten führe zu «Spannungen und Irritationen». Alle Lufthansa-Beschäftigten hätten erheblichen Sanierungsverzicht geübt und damit den Aufstieg der Lufthansa ermöglicht, sagte ver.di- Bundesvorstands-Mitglied Jan Kahmann in Berlin.

Der Streik der Lufthansa-Piloten trifft nach Einschätzung des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) vor allem die Geschäftsreisenden. «Hier kann es empfindliche Einbußen geben», sagte BTW-Geschäftsführer, Ulrich Rüter, am Freitag in einem dpa-Gespräch. Die Lufthansa müsse auch mittelfristig mit Folgen des Streiks rechnen. «Hat der Kunde mit einer anderen Fluggesellschaft bei diesem Streik gute Erfahrungen gemacht, wird er möglicherweise auch beim nächsten Mal nicht bei der Lufthansa buchen.

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