1985 stand Gols im Zentrum des Glykol-Skandals
Die Kronprinzen kommen

In Österreich, dem Land des Grünen Veltliners, wird Rotwein angebaut. Die Winzer an der Donau und am Neusiedlersee haben ein besonderes Händchen dafür. Blaufränkisch und Co. sind vor allem im Burgenland auf dem Vormarsch.

Früher blieben die Keller in Gols immer hübsch verschlossen. Was sich dort abspielte, ging die Nachbarn nichts an. Heute herrscht in dem netten Ort am Neusiedler See mehr Gemeinsinn. Die Erzeuger besuchen sich gegenseitig, kosten vom Neuen und tauschen sich darüber aus, was denn noch zu verbessern wäre. Kritik ist erwünscht. "Wir lernen so voneinander", sagt Hans Nittnaus, Sprecher einer Gruppe von ehrgeizigen Winzern in Gols, die sich "Pannobile" nennt.

Dieses vereinte Qualitätsstreben wurde in Notzeiten geboren. 1985 stand Gols im Zentrum des Glykol-Skandals. Obwohl die Winzer im Ort nichts mit der üblen Beimischung zu schaffen hatten (das war vielmehr Sache krimineller Kellereien), litten sie lange darunter, dass die Welt mit Fingern auf sie zeigte. Dagegen gab es nur ein Rezept: bessere Weine, trockene Weine, vor allem Rotweine.

Als die "Pannobile"-Mitglieder im November ihren Rundgang durch die Keller machten und den frisch vergorenen 2003er probierten, kam die alte Streitfrage auf: Blaufränkisch oder Zweigelt? Erstere Sorte gilt als die weitaus wertvollere, liefert sie doch dichte, warme Weine, die den Gaumen mächtig füllen und lange nachklingen. Der Blaufränkisch ist eine Dame, der Zweigelt dagegen mehr ein firlefanziges Fräulein.

Doch beim neuen, von einem Glutsommer sondergleichen geprägten Jahrgang, scheint es umgekehrt zu sein. Nach all dem, was es bislang zu kosten gab, sieht es so aus, als ob der arg fruchtbare Zweigelt diesmal den größeren geschmacklichen Reichtum auf die Waage bringt. Der Blaufränkisch hingegen erschien fett, fast ein wenig süß. Winzer Matthias Beck, einer der Besten in Gols, erinnert sich: "Wir haben uns alle gewundert, dass kein Gerbstoff zu schmecken war. Dabei haben wir vor der Ernte mehrfach gemessen. Da fehlte kein Tannin."

Österreichs Winzer verstehen es, besonders warme, samtige Rotweine zu machen - mit satten Fruchtaromen von Kirschen, Pflaumen, Brombeeren. Ein Trick dabei ist, Sauerstoff in den gärenden Most zu pumpen. Dabei verknüpfen sich die Gerbstoffmoleküle zu längeren Ketten; der Geschmack wird weicher.



Seite 1:

Die Kronprinzen kommen

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%