1986 unterbrochene Wirtschaftsverhandlungen wieder aufgenommen
Nord- und Südkorea wollen Beziehungen ausbauen

Ein Vierteljahr nach dem ersten koreanischen Gipfeltreffen nimmt die Annäherung zwischen Nord- und Südkorea konkrete Formen an.

Reuters CHEJU. Die Verteidigungsminister beider Staaten berieten nach südkoreanischen Angaben am Montag über die Zusammenarbeit bei der Minenräumung im Todesstreifen an der Grenze für den Bau einer Eisenbahnlinie und einer Autobahn. Die beiden Koreas nahmen am Montag zudem ihre 1986 unterbrochenen Wirtschaftsverhandlungen wieder auf. Dabei geht es um ein Doppelbesteuerungsabkommen und nordkoreanische Garantien für südkoreanische Investitionen, die erst dann in großem Umfang zu erwarten sind.

Politisches Tauwetter

Der nordkoreanische Minister für die Volksarmee, Kim Il Chol, und der südkoreanische Verteidigungsminister Cho Seong Tae hätten über die den Bau der beiden ersten Landverbindungen und vertrauensbildende Maßnahmen gesprochen, sagte ein Sprecher Chos auf Cheju, einer kleinen Insel vor der Südspitze des seit einem halben Jahrhundert geteilten Landes. Südkorea möchte zur Vertrauensbildung zusätzlich eine direkte Telefonleitung zwischen den Streitkräften schalten.

Auf südkoreanischer Seite ist der Startschuss zu dem ersten konkreten Ergebnis des Tauwetters in den Beziehungen bereits gefallen. Für den Bau der Trassen durch den vier Kilometer breiten Todesstreifens müssen aber erst Tausende von Minen geräumt werden, die die Demarkationslinie in der Entmilitarisierten Zone sichern. Truppen dürfen beide Staaten dort nicht stationieren.

Handelserleichterungen sind geplant

Die Eisenbahn- und Straßenverbindungen sollen in einem Jahr fertig sein und aus Nord- und Südkorea Transitländer für den Handel zwischen Japan und Europa machen. Auch der bislang auf dem Seeweg abgewickelte innerkoreanische Handel würde erleichtert. Delegationen beider Staaten nahmen am Montag in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul zweitägigen Verhandlungen über die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Ausweitung der Wirtschaftsbeziehungen auf.

Der nordkoreanische Chefdelegierte Jong Un Op schloss sich in seiner Ansprache der südkoreanischen Auffassung an, dass Abkommen gegen Doppelbesteuerung und für Investitionsschutz ausschlaggebend für die Ausweitung der Beziehungen sind. Der innerkoreanische Handel hat sich auch unter den derzeitigen Bedingungen von 18 Millionen Dollar im Jahre 1989 auf 333 Millionen Dollar (fast 700 Millionen Mark) 1999 ausgeweitet. Südkorea ist inzwischen wichtigster Handelspartner Nordkoreas nach China und Japan.

Fischer würdigt Annäherung

Bei einer Unterredung mit seinem nordkoreanischen Kollegen Paek Nam Sun würdigte Bundesaußenminister Joschka Fischer nach Angaben seines Ministeriums am Montag in Berlin die Annäherung zwischen Nord- und Südkorea. Deutschland sei an einer schrittweisen Verbesserung der Beziehungen interessiert. Fischer machte aber die Aufnahme diplomatischer Beziehungen von weiterer Entspannung im Verhältnis Nordkoreas zum Süden und inneren Reformen abhängig.

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