2,4% mehr Einkommen
Einigung im Textil-Tarifkonflikt

dpa-afx Der Tarifkonflikt in der westdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie ist beigelegt. Nach rund 15-stündigen Verhandlungen einigten sich IG Metall und Arbeitgeber am Samstagnachmittag auf Einkommenserhöhungen, ein Recht auf Altersteilzeit und eine Übernahmegarantie von Lehrlingen nach Ende ihrer Ausbildung. Damit wurde der drohende Arbeitskampf der 190 000 Beschäftigten im letzten Gesprächsversuch abgewendet.

Rückwirkend zum 1. September 2000 sollen die Arbeitnehmer der Branche Lohn- und Gehaltserhöhungen von 2,4 Prozent erhalten. Weitere 2,4 Prozent Erhöhungen gibt es ab 1. September 2001. Dieser Tarifvertrag gilt bis zum 30. September 2002. Von 2001 an wird auch das Weihnachtsgeld erhöht. Die Beschäftigten in der Bekleidungsindustrie sollen 2,5 Prozent mehr Weihnachtsgeld erhalten, es steigt damit auf 82,5 Prozent eines Bruttomonatseinkommens. In der Textilindustrie soll das Weihnachtsgeld um drei Prozent auf dann 100 Prozent eines Monatseinkommens erhöht werden.

Mit 57 Jahren haben die Arbeitnehmer vom 1. Januar 2001 an einen Rechtsanspruch auf Altersteilzeit. Deren Dauer wird wahlweise zwischen zwei und sechs Jahren festgelegt. In der ersten Hälfte arbeiten die Beschäftigten für 85 Prozent ihres letzten Jahresnettoeinkommens voll weiter, in der zweiten Hälfte bleiben sie bei gleichen Bezügen zu Hause. Dieser Tarifvertrag gilt vier Jahre. Zunächst dürfen maximal drei Prozent, von 2003 an vier Prozent der Beschäftigten eines Betriebes diese Regelung in Anspruch nehmen. Lehrlingen wird die Übernahme in den Betrieb für mindestens zwölf Monate nach Ende ihrer Ausbildung garantiert. Die IG Metall zeigte sich zufrieden mit dem Abschluss. Der Verhandlungsführer der Gewerkschaft, Peter Donath, sagte: "Das Gesamtpaket kann sich sehen lassen und entspricht in etwa dem in Frühjahr erreichten Tarifabschluss in der Metall- und Elektroindustrie." Die Arbeitgeber haben dagegen nach eigener Darstellung dem Kompromiss nur notgedrungen zugestimmt. "Wir haben uns den Forderungen der IG Metall unterworfen", sagte der Verhandlungsführer des Arbeitgeberverbands Gesamttextil, Hartmut Bielefeld. "Wir haben unterschrieben, um einen Arbeitskampf in unserer sensiblen Branche unter allen Umständen zu verhindern." Der Verhandlungsführer der Bundesvereinigung der Arbeitgeber im Bundesverband Bekleidungsindustrie (BVA), Wilfried Brandes, sagte: "Die Abschlüsse stehen in keinem Verhältnis zur Wirtschaftslage in unserer Branche." Mit dem Abschluss stünden Rationalisierungen in den Unternehmen der Branche und Abwanderungen ins Ausland bevor./ikmp/bk/he/DP 241124 Sep 00

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