2,75 statt 0,25 Prozent Umsatzrückgang
Einzelhandel pessimistischer

Der deutsche Einzelhandel erwartet in diesem Jahr noch stärker schrumpfende Umsätze als bisher und erwartet eine weitere Pleitewelle.

Reuters BERLIN. "Die Hoffnung, dass die Wende zum Guten im Einzelhandel unmittelbar bevorsteht, habe ich nicht mehr", sagte der Präsident des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hermann Franzen, am Montag in Berlin.

Ein stetig wachsender Teil der Betriebe stecke in einer ernst zu nehmenden Existenzkrise, habe die jüngste Umfrage unter Einzehländlern ergeben. "Das ist ein so ungünstiges Ergebnis, wie wir es noch nie bei einer HDE-Umfrage erlebt haben."

Der Verband rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatzrückgang nach Abzug der Inflationsrate von etwa 2,75 Prozent. Voraussetzung dafür sei allerdings ein Plus im zweiten Halbjahr von rund 0,5 Prozent. Zuletzt hatte der HDE für 2002 noch ein Umsatzminus von 0,25 Prozent vorhergesagt.

In den ersten fünf Monaten diesen Jahres liege der Umsatz bereits um gut fünf Prozent unter dem Vorjahresniveau, sagte Franzen weiter. Im April habe das Minus im Vorjahresvergleich 3,9 Prozent betragen, im Mai sogar 5,7 Prozent.

Nach Abschluss der diesjährigen Tarifrunde rechnet der Verband aber im zweiten Halbjahr mit höheren Umsätzen. Bei den bisherigen Tarifabschlüssen wurden durchschnittlich Einkommenserhöhungen um gut drei Prozent vereinbart. In dieser Größenordnung erwartet Franzen auch einen Anstieg der verfügbaren Einkommen. Die gestiegene Kaufkraft könne dann zu dem erhofften leichten Plus von einem halben Prozent im zweiten Halbjahr führen. Für viele Betriebe komme dies aber voraussichtlich zu spät.

"Fast 150.000 Einzelhandelsbetriebe wissen jetzt kaum noch, wie es weitergehen soll", sagte Franzen. Zwei Drittel der vom HDE befragten Händler habe von sinkenden Umsätzen berichtet, nur ein Viertel von steigenden. "Es ist kein Geheimnis, dass der Nachfrageeinbruch den Strukturwandel im Handel beschleunigt." Der Trend gehe eindeutig zu Handelsketten mit Billigangeboten.

Die Einführung des Euro und damit verbundene Preissteigerungen machte der HDE nicht für die Kaufzurückhaltung verantwortlich. Insgesamt seien die Preise seit Jahresbeginn nicht gestiegen, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Holger Wenzel. "Wir haben im Einzelhandel fast schon deflationäre Tendenzen."

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