2 Milliarden DM Steuergelder entgehen dem Staat jährlich
Zigarettenschmuggel boomt - Deutschland Transitland und Lagerplatz

Der Zigarettenschmuggel in Deutschland nimmt nach Expertenmeinung dramatisch zu. Im ersten Quartal 2001 sei die Zahl der beschlagnahmten Glimmstängel im Vergleich zur Vorjahresperiode um mehr als 152 Mill. auf knapp 330 Mill. Stück gestiegen, sagte der Sprecher des Zollkriminalamtes (ZKA) in Köln, Leonhard Bierl, am Sonntag. Er bestätigte damit einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus". Den Steuerschaden bezifferte er auf 82,5 Mill. DM (rund 42,1 Mill. Euro).

dpa KÖLN/MÜNCHEN. Deutschland diene als Transitland und seit einiger Zeit verstärkt auch als Umschlag- und Lagerplatz. Die Zigaretten seien hauptsächlich für Großbritannien bestimmt, wo die Schachtel wegen der hohen Steuern umgerechnet 15 DM koste. Nach Darstellung Bierls wurden in diesem Jahr beispielsweise in Wasserboilern aus China mehr als 60 Mill. Zigaretten entdeckt, darunter viele Fälschungen von Markenzigaretten.

Der Zugriff sei den Zollbeamten unter anderem in Bremen und im Duisburger Freihafen gelungen. "Die Nikotinmafia ist bei einem großen logistischen Aufwand straff organisiert", sagte Bierl der dpa. Die Täter seien oft nur schwer aus dem Verkehr zu ziehen, da sie ständig ihre Schmuggelwege änderten. Als Transportroute für die Glimmstängel- Ganoven diene auch die Autobahn A 2 (Oberhausen-Hannover). Wegen der überwiegend aus Polen stammenden Schmuggler werde die Verkehrsader in Fachkreisen auch "Warschauer Allee" genannt.

Ein großes Problem stelle der Schmuggel von EU-Zigaretten dar, der über Montenegro laufe, schreibt das Magazin weiter. Organisierte Banden verschifften die für Osteuropa eingekauften Zigaretten von der Hafenstadt Bar mit Schnellbooten über die Adria am Zoll vorbei nach Italien und damit zurück in die Europäische Union. Die Verantwortlichen säßen hauptsächlich in der Schweiz. "Allein in einem Verfahren gegen einen Schweizer Treuhänder konnten 20 zwischengeschaltete Scheinfirmen ermittelt werden, die die finanziellen Transaktionen verschleierten", zitierte "Focus" den ZKA- Präsidenten Karl-Heinz Matthias. Da nach Schweizer Recht die Amtshilfe für Fiskaldelikte nicht gewährt werde, stünden die deutschen Behörden "vor verschlossenen Türen".

Dem deutschen Zoll waren im vorigen Jahr nach offiziellen Angaben knapp 1,09 Mrd. Schwarzmarkt-Zigaretten in die Hände gefallen. Durch den Zigarettenschmuggel entgingen dem Fiskus jährlich rund zwei Mrd. DM Steuergelder, hieß es.

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