2. Quartal über den Erwartungen
Epcos senkt erneut Prognosen

Die Münchener erwarten eine schlechtere Entwicklung für das Geschäftsjahr 2000/2001. Der Aufschwung im Mobilfunkmarkt lasse noch auf sich warten, heißt es zur Begründung.

rtr MüNCHEN. Der Bauelemente-Hersteller Epcos hat wegen der anhaltenden Schwäche der Mobilfunkmärkte zum dritten Mal seine Prognosen für das laufende Geschäftsjahr gesenkt. "Wir wurden noch nie zuvor mit einer so kurzfristigen Änderung des Bestellverhaltens konfrontiert", sagte Epcos-Chef Gerhard Pegam auf der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag in München. Nach einem Auftragsrückgang von 53 % im zweiten Quartal rechnet er im laufenden Vierteljahr mit einer weiteren Verschlechterung des Marktumfeldes. Die für das zweite Quartal veröffentlichten Ergebnis- und Umsatzzahlen lagen am oberen Rand der Analystenschätzungen. Die Epcos-Aktien gaben am Donnerstag bis zum Mittag in einem schwachen Börsenumfeld 3,8 % nach.

Mobilfunk-Aufschwung lässt weiter auf sich warten

Der Mobilfunk-Aufschwung lasse weiter auf sich warten, begründete Pegam die erneute Senkung der Prognosen. Für das Geschäftsjahr 2000/2001 (zum 30. September) rechne Epcos nun mit einem Umsatzwachstum zwischen zehn und 15 % und einer operativen Ergebnismarge von rund 16 %. Auf der Hauptversammlung im März hatte Pegams Vorgänger Klaus Ziegler noch ein Umsatzplus von 20 % und eine Ebit-Marge von 17 % angekündigt. Epcos ist Europas größter Hersteller von passiven elektronischen Elementen und weltweit die Nummer zwei hinter der japanischen Matsushita. Im zweiten Quartal stieg das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) bei Epcos gegenüber dem Vorjahresquartal um 26 % auf 99 Mill. ?. Die Schätzungen der Analysten hatten zwischen 64 und 100 Mill. ? gelegen. Gegenüber dem ersten Quartal 00/01 ging das operative Ergebnis jedoch um mehr als 20 % zurück. Der Jahresüberschuss stieg auf 62,6 (Vorjahresquartal: 54,1) Mill. ?. Der Quartalsumsatz legte um 20 % auf 530 Mill. ? zu. Der Auftragseingang brach dagegen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 53 %, gegenüber dem Vorquartal sogar um fast 60 % auf 297 Mill. ? ein.

Analysten von der erneuten Korrektur der Prognosen enttäuscht

Analysten zeigten sich vor allem von der erneuten Korrektur der Prognosen enttäuscht. "Die Zahlen für das zweite Quartal sind positiv, sie werden aber überschattet von dem Ausblick", sagte Sal.Oppenheim-Analyst Jürgen Wagner. Stephan Thomas, Fondmanager bei Frankfurt Trust sagte, die Senkung der Prognosen komme nicht überraschend, weil die Handyhersteller ihre Erwartungen schon zurückgenommen hätten. Zuletzt hatte Siemens einen Quartalsverlust im Geschäft mit Mobiltelefonen verbucht und seine Schätzungen auf 400 bis 450 Mill. weltweit verkaufter Handys in 2001 gesenkt.

Epcos selbst geht von einem Absatz von 420 bis 430 Mobiltelefonen im laufenden Jahr aus. Erst gegen Jahresende werde die Einführung des neuen Mobilfunkstandards GPRS zu einer Erholung des Handymarktes führen. Im laufenden Quartal sieht Pegam erst noch einmal eine Verschlechterung des Marktumfeldes. "Wir erwarten einen zunehmenden Preisdruck und der Wettbewerb wird sich verschärfen", sagte Pegam. Er könne deshalb einen Umsatz- und Ergebnisrückgang im dritten Quartal auch gegenüber der Vorjahresperiode nicht ausschließen. In der Sparte Oberflächenwellen-Komponenten (OFW), die Störgeräusche in Mobiltelefonen herausfiltern, könnte das operative Ergebnis im dritten Quartal bei Null liegen, nachdem das Ebit im zweiten Quartal bereits um fast 50 % auf 16,9 Mill. ? eingebrochen war, hieß es.

Spätestens im vierten Quartal werde sich die Lage aber wieder verbessern, betonte der Epcos-Chef. "Wir gehen davon aus, dass wir im dritten Quartal die Talsohle erreichen und im vierten Quartal die Nachfrage wieder an Dynamik gewinnt".

Personalabbau geplant

Der Marktschwäche will Epcos mit Kosteneinsparungen und Personalabbau begegnen. Insgesamt 450 Mitarbeiter seien bereits entlassen worden, davon 150 im Münchener Werk zur Fertigung von OFW-Komponenten. Zudem seien die Verträge von 600 zeitlich befristeten Arbeitsverhältnissen in Deutschland und Österreich nicht verlängert worden. Pegam schloss einen weiteren Stellenabbau nicht aus. Derzeit gebe es aber keine konkreten Pläne. Bisher habe die Restrukturierung Epcos rund fünf Mill. ? gekostet, im laufenden Jahr werde wahrscheinlich noch einmal die selbe Summe anfallen, sagte Pegam. Epcos beschäftigte zum Jahresende 2000 nach eigenen Angaben weltweit rund 13 250 Mitarbeiter.

Durch die Optimierung der Abläufe will Epcos in den nächsten zwölf Monaten zehn bis 20 Mill. ? einsparen, durch Einsparungen beim Einkauf in diesem Geschäftsjahr noch 15 Mill. ?. Pegam bestätigte die Pläne, wonach Epcos seine Investitionen in Sachanlagen im Geschäftsjahr gegenüber der ursprünglichen Planung um rund 100 Mill. ? auf 350 Mill. ? senken werde.


Kommentar: Prognose-Nöte

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