20 Geiseln noch in der Gewalt der Entführer
Philippinische Armee verfolgt Abu-Sayyaf-Kämpfer

Die philippinische Armee hat am Montag die Verfolgung der Abu-Sayyaf-Kämpfer auf der Insel Basilan fortgesetzt, die nach offiziellen Angaben noch rund 20 Geiseln in ihrer Gewalt haben. "Wir tun alles, um sie aufzuspüren", sagte ein Armeesprecher. Die Geiselnehmer hatten den Belagerungsring der philippinischen Armee durchbrochen und waren im Dschungel untergetaucht.

rtr MANILA. Die philippinische Regierung schloss indes nicht aus, den Notstand auf Basilan auszurufen. Am Sonntag hatte die Armee zwei Geiseln der Abu Sayyaf tot aufgefunden. Mindestens elf Geiseln konnten den Behörden zufolge am Wochenende bei den Gefechten zwischen Armee und Abu Sayyaf entkommen.

Die rund 100 Abu-Sayyaf-Kämpfer hätten sich mit den Geiseln vermutlich in das gebirgige Innere der südphilippinischen Insel zurückgezogen, sagte der Armeesprecher. Er warf den Bewohnern Basilans vor, die Abu Sayyaf mit Medikamenten und Kleidung zu versorgen. Ein Sprecher des philippinischen Präsidialamtes sagte, derzeit werde noch erwogen, ob die Verhängung des Notstandes tatsächlich notwendig sei. Am Sonntag sei es den Geiselnehmern gelungen, den Ring der Armee um ein Krankenhaus in Lamitan auf Basilan zu durchbrechen, teilte die Armee mit. Dabei hätten sie Kinder und andere Geiseln als menschliche Schutzschilde missbraucht. "Sie werden einen hohen Preis dafür bezahlen", sagte ein Militärsprecher.

Bei den tot aufgefundenen Geiseln handelte es sich nach offiziellen Angaben um zwei philippinische Männer. Sie gehörten zu der Gruppe der vor einer Woche von der Insel Palawan entführten 20 Geiseln. Einer der beiden sei geköpft worden, teilten die Behörden von Basilan mit. Die Männer seien vermutlich schon vor einigen Tagen getötet worden. Unter den Geiseln befinden sich auch drei Amerikaner.

Die philippinische Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo bekräftigte am Sonntag, dass die Militäraktion gegen die Rebellen fortgesetzt werde. Die Zahlung von Lösegeld lehnte sie erneut ab. In einem Interview des Rundfunksenders dzRH bestätigte Arroyo, dass fünf philippinischen Geiseln am Sonntag die Flucht gelungen sei. Bereits am Samstag waren vier Geiseln geflohen.

Eine der entkommenen Geiseln sagte im Rundfunk, die Abu- Sayyaf-Kämpfer hätten die drei US-Bürger mitgenommen. Zudem hätten sie weitere Geiseln genommen, darunter mehrere Krankenschwestern. "Wir wurden von den anderen Geiseln getrennt, als die Rebellen entkamen", sagte sie. Eine andere Geisel rief das Militär auf, das Feuer einzustellen. "Es war so beängstigend", sagte sie. Dem Sprecher des Militärs zufolge wurden bei Gefechten um das Krankenhaus herum am Samstag sechs Soldaten getötet. Damit stieg die Zahl der Toten auf Seiten der Armee auf 16 seit Beginn der Befreiungsaktion. "Wir haben so hohe Verluste, weil unsere Soldaten sehr darum bemüht sind, nicht die Geiseln zu treffen", sagte der Sprecher.

Die Abu Sayyaf kämpft nach eigenen Angaben für einen unabhängigen Moslem-Staat im Süden der überwiegend katholischen Philippinen. In der Vergangenheit machte sie jedoch überwiegend durch Geiselnahmen und Lösegeldforderungen auf sich aufmerksam. Im vergangenen Jahr hatte die Abu Sayyaf mehr als 40 Menschen auf die Insel Jolo verschleppt, darunter eine Familie aus Göttingen. Viele dieser Geiseln waren erst nach Zahlung von Lösegeld freigekommen.

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