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20 Jahre «Trivial Pursuit» in Deutschland

Hamburg (dpa) - TV-Moderator Günther Jauch hätte vermutlich seine wahre Freude an ihm, die Macher von «Wer wird Millionär?» aber würden wohl ins Schwitzen geraten. Finanziell gesehen ist Willi Andresen ein Albtraum für jede Quizshow, denn der Wissensdurst gehört für ihn zum Beruf.

Hamburg (dpa) - TV-Moderator Günther Jauch hätte vermutlich seine wahre Freude an ihm, die Macher von «Wer wird Millionär?» aber würden wohl ins Schwitzen geraten. Finanziell gesehen ist Willi Andresen ein Albtraum für jede Quizshow, denn der Wissensdurst gehört für ihn zum Beruf.

Der Hamburger ist Deutschlands einziger Fragenerfinder für den Spieleklassiker «Trivial Pursuit», der am 25. Mai sein 20. Jubiläum hier zu Lande feiert. «Ich hätte wohl auch nie eine Chance, Kandidat zu werden», sagt Andresen, der sich schon einmal bei RTL beworben hat und vor dem Fernseher mehrfach die Million geschafft hat. «Spätestens dann, wenn man mitkriegt, was ich mache, würde man sich freundlich von mir verabschieden.»

Seit 18 Jahren denkt sich der Journalist knifflige und gewitzte Themen für das Frage- und Antwortspiel aus. «Bis heute waren das rund 120 000 gedruckte Fragen», hat der 51-Jährige selbst einmal hochgerechnet. «Meinen Wissensstandard habe ich in dieser Zeit jedenfalls unheimlich nach oben getrieben», erzählt Andresen. Einige Bereiche wie Unterhaltung, Sport, Politik und Geschichte lagen dem Musikjournalisten, der unter anderem Publizistik in Berlin studiert hat, von Beginn an. «Aber dann gab es auch Themen wie Kunst und Literatur, in die ich mich erst reinarbeiten musste. Da bin ich jetzt sicherlich fitter als in der Anfangszeit.»

1984 war die «Trivial Pursuit»-Welle nach Deutschland geschwappt - etwa 1,9 Millionen Spiele hat die Herstellerfirma Hasbro nach eigenen Angaben seitdem hier zu Lande verkauft. In den USA wanderten allein in jenem Jahr schon mehr als 20 Millionen Exemplare über den Ladentisch. Die Geburtsstunde des Dauerbrenners hatte 1979 geschlagen: Vier Kanadier ließen sich aus einer bierseligen Laune heraus Regeln, Kategorien und Layout des ursprünglichen Spiels einfallen. Heute können es Menschen in 33 Ländern und 19 verschiedenen Sprachen spielen. Neben den Familien- und Kindereditionen gibt es immer wieder Sonderausgaben, so auch zum Jubiläum.

Auch Andresen war damals dem Rätselfieber bei nächtelangen Quizrunden verfallen. Den Start seiner Karriere als kluger Kopf des Spiels verpatzte er zwar, weil er die Beispielfragen zu spät eingereicht hatte. Dennoch durfte er eine Junior-Edition überarbeiten, 1986 dann bekam er den Job als einer von 20 Autoren weltweit. Seitdem recherchiert Andresen in Zeitungen, im Internet und in Bibliotheken. In den hohen Regalen seiner Wohnung türmen sich Nachschlagewerke - und mehr als 8000 CDs für seine Nebenarbeit als Musikjournalist. «Für das Entwickeln der Fragen muss man Disziplin haben, aber auch sehen wie die Tagesform ist.» Laufe es sehr gut, schaffe er mitunter 70 Fragen am Tag, manchmal aber eben auch keine einzige.

«Inzwischen habe ich eine Antenne für Themen entwickelt, suche jedoch auch länger als in der Anfangszeit nach neuen Fragen», sagt er. Der Erfolg der TV-Quizshows habe dem Spiel kostenlose PR verschafft. Bei Andresen klingelte auch sofort das Telefon, als ein Jauch-Kandidat behauptet hatte, die falsche Antwort aus «Trivial Pursuit» zu haben. «Ich bin auch nicht fehlerfrei, aber er war im Unrecht», erinnert sich der Autor, der die Fragen schon immer gern bei Freunden oder der heute 17-jährigen Tochter getestet hat. «Trivial Pursuit» spielen will mit ihm kaum noch jemand. «Wenn ich dann aber mal ein Blackout habe, ist die Schadenfreude besonders groß.»

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