20 Millionen Euro aus Kapitalerhöhungen und Kredit zur Stützung
Gauss Interprise hat Analysten noch nicht überzeugt

Mit zwei Kapitalerhöhungen und einem Kredit sieht Gauss die Liquiditätslücke gemeistert. Doch weisen Analysten auf ein ganzes Bündel weiter bestehender Risiken hin.

HANDELSBLATT, 8.3.2001
beu HAMBURG. Die auf das Management elektronischer Inhalte in Internet, Intranet und Extranet spezialisierte Hamburger Gauss Interprise AG hat sich erfolgreich Liquidität verschafft. Eine zweite, diesmal fast vollständig vom Venture Capital-Geber IKB Beteiligungs GmbH gezeichnete Kapitalerhöhung, und einen Investitionskredit der Vereins und Westbank - führen dem Unternehmen frische Mittel zu. Der Kurs der Aktie stieg daraufhin gestern um knapp 20 % auf 2,72 Euro. Damit gehörte die Aktie zu den Tagesgewinnern.
Wie Gauss mitteilte, werden 2,19 Mill. Aktien zu einem Ausgabepreis von 2,59 Euro aus genehmigten Kapital ausgegeben, die zu einer Kapitalerhöhung um knapp 5,7 Mill. Euro führen. Hiervon zeichnet die IKB Beteiligungsgesellschaft 5,5 Mill. Euro, das Gauss Management knappe 0,2 Mill. Euro. Bereits am 8. Februar hatte Gauss zur Abwehr der Liquiditätsnöte das Kapital um 6,52 Mill. Euro erhöht. Die 1,9 Mill. Aktien waren damals zu einem Preis von 3,43 Euro von den Gründungsaktionären und dem Management übernommen worden. Beide Kapitalerhöhungen steigern nun die Eigenmittel um 12 Mill. Euro. Hinzu kommen 8 Mill. Euro aus einem Investitionskredit der Vereins und Westbank. -
Gauss muss sich in
den USA beweisen
Klaus Linde von der bankenunabhängigen SES Research in Hamburg stuft Gauss zwar als Outperformer ein, verweist aber gleichzeitig auf die erheblichen Risiken. Die Berenberg Bank rät zum Verkauf. Linde begründet seine Einstufung damit, dass Gauss über ein leistungsfähiges Produkt verfüge, dass auch in den USA konkurrenzfähig sei. Die Liquidität sollte jetzt ausreichen, um die operative Gewinnschwelle im vierten Quartal zu erreichen.
Gleichzeitig bestünden aber hohe Risiken. Linde: "Gauss muss in den nächsten Quartalen beweisen, dass der Softwareverkauf auch in den USA funktioniert." Dazu sei eine Belebung des Internet-Marktes nötig. Finde diese nicht statt, werde es für das Unternehmen hart, zumal die US-Konkurrenten Vignette und Interwoven mit ihrer hohen Produktqualität gut positioniert und bereits profitabel seien. Zudem stehe Gauss bei einem Liquiditätsvergleich mit dem Wettbewerb nicht rosig da. Daher komme es darauf an, möglichst schnell ein profitables Wachstum zu erreichen.
Ein Analyst einer Hamburger Privatbank ist skeptischer. An dem hohen Liquiditätsverbrauch habe sich nichts verändert, gibt er zu bedenken, da die Kosten aus dem Ruder gelaufen seien. Gelinge es Gauss nicht, in den USA Fuß zu fassen, werde das Überleben schwer.
Nach den Kapitalerhöhungen stellt sich die Aktionärsstruktur wie folgt dar: Die Gründungsaktionäre halten 29,75 %, das Gauss-Management 23,17 %, die IKB Beteiligungsgesellschaft 13,16 %, im freien Handel befinden sich 33,92 %.

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