Archiv
200 Jahre Düsseldorfer «Kö»: Jubiläum mit Schönheitsflecken

Düsseldorf (dpa) - Pracht-Boulevard, Nobelmeile, Klein-Paris - die Düsseldorfer Königsallee hat sich viele Beinamen erworben. Am kommenden Wochenende feiern die Düsseldorfer das 200. Jubiläum ihrer «Kö».

Düsseldorf (dpa) - Pracht-Boulevard, Nobelmeile, Klein-Paris - die Düsseldorfer Königsallee hat sich viele Beinamen erworben. Am kommenden Wochenende feiern die Düsseldorfer das 200. Jubiläum ihrer «Kö».

Dazu werden bis zu eine Million Menschen rund um den Kö-Graben erwartet. 14 Bühnen und ein 700 Meter langer Laufsteg werden aufgebaut, 200 Models warten auf ihren Auftritt. Der Chef des Messeunternehmens Igedo, Manfred Kronen, hofft auf ein «Weltereignis». Mit Hilfe von Kunst, Kultur und feinem Tuch soll der Ruf der Einkaufsmeile in altem Glanz erstrahlen. Kritiker sehen Glamour und Flair der «Kö» dennoch bedroht.

«Die Königsallee ist nicht mehr die Traditionsmeile von einst. Viele alteingesessene Geschäfte müssen großen Ladenketten weichen», berichtet Carsten Breuer, Theaterleiter des Kinos «Lichtburg». Besonders nach Ladenschluss drohe der Boulevard als Flaniermeile zu veröden. Auch das 1910 gegründete Traditionskino kann sich seinen teuren Standort nicht mehr leisten und wird Ende des Jahres schließen - 15 000 Protest-Unterschriften von Kino-Freunden konnten daran nichts ändern.

Ihre Anfänge nahm die Einkaufsmeile, deren Westseite im Bankenbesitz ist und deren Ostseite mit exklusiven Geschäften und Galerien zum Bummeln einlädt, zu Beginn des 19. Jahrhunderts. 1804 wurde die Straße auf einem ehemaligen Festungsgelände erbaut. Damals zählte die Stadt gerade 16 000 Einwohner.

Gartenbaumeister Maximilian Friedrich Weyhe, der die Straße zusammen mit Hofbaumeister Caspar Anton Huschberger maßgeblich gestaltete, nannte sie «Allee außerhalb der Stadt». 1840 begann für die «Kastanienallee» der Aufschwung, als sich etablierte Bürger dort ansiedelten.

Ihren endgültigen Namen verdankt die Königsallee ausgerechnet einem stinkenden Pferdeapfel. Mit dem hatte ein aufsässiger Untertan den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. beworfen. Um den Monarchen zu besänftigen, tauften die Stadtväter die Kastanienallee im Jahre 1851 in Königsallee um.

Zum Modeboulevard stieg die Königsallee nach dem Zweiten Weltkrieg auf. 1955 wurde der Straßenbahn-Betrieb auf der Kö eingestellt. 1965 wurde mit dem Bau der ersten Ladenpassage begonnen - das Kö-Center umfasst 70 Geschäfte und Büros. Das Wirtschaftswunder der späten 50er und 60er Jahre verschaffte der «Kö» Renommee und Düsseldorf den Ruf als Mode-Metropole. Auch heute noch verkaufen auf der Allee 60 Prozent der 350 Geschäfte Mode.

«Das ist meine Heimat. Da stecken viele Emotionen hinter», sagt Porzellanhaus-Besitzer Claus Franzen. Franzen ist zugleich Chef der Interessengemeinschaft Kö. Den jüngsten Wandel seiner Allee sieht er durchaus kritisch: «Vor allem das mittlere Angebot und Preissegment ist weggebrochen.» Es schmerze schon, wenn ein traditioneller Brauereiausschank keinen Platz mehr habe.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%