200 Menschen getötet
Weniger Tote bei Erdbeben als befürchtet

Bei dem verheerenden Erdbeben in Iran sind am Samstag nach iranischen Regierungsangaben rund 200 Menschen ums Leben gekommen. Zunächst war von mindestens 500 Opfern die Rede gewesen.

dpa/rtr TEHERAN. Die Hilfsorganisation Roter Halbmond erklärte am Sonntag, die Fehleinschätzung sei auf Grund einer Verwechslung von Verletzten- und Totenzahlen zustanden gekommen.

Mindestens 10 Dörfer in der Bergregion im Nordwesten Irans waren bei dem Beben in der Stärke von 6,3 auf der Richter-Skala zerstört worden. Mehr als 1000 Menschen wurden verletzt.

Unter den Opfern befanden sich vor allem Kinder, Frauen und ältere Männer, da die Männer am Samstagmorgen während des Bebens auf den Feldern und in den Weinbergen zur Arbeit waren. Die USA wie auch Deutschland boten dem Iran Hilfe an. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes wurde von iranischer Seite aber noch keine Hilfe angefordert.

Das Epizentrum lag bei der Ortschaft Awadsch rund 200 Kilometer westlich der Hauptstadt Teheran. Die örtlichen Behörden in der Region teilten mit, mehr als 1500 Menschen seien verletzt worden. Fast 60 Dörfer um Awadsch bei Kaswin, der Hauptstadt der Provinz Sandschan, seien durch die Erdstöße verwüstet worden, meldete die Nachrichtenagentur IRNA.

In dem Dorf Changureh, 30 Kilometer nördlich von Awadsch, lagen rund 150 Leichen eingehüllt in Decken auf einem Platz. In den Straßen waren vor den Häusern weitere Leichen aufgereiht. Dorfbewohner trugen auf Leitern und alten Türen Tote zu einem Hügel, um sie dort zu bestatten. Die Bewohner beklagten, dass Hilfskräfte zu langsam seien. "Um 09.00 Uhr morgens ist es uns gelungen, telefonisch um Hilfe zu bitten, aber niemand ist gekommen", sagte der Chef des Dorfrates am Samstagnachmittag. "Erst jetzt schicken sie Hilfe. Wir haben um Suchhunde gebeten, aber sie haben noch immer keine geschickt." Kein einziges Haus in Changureh blieb unbeschädigt. In dem Dorf haben viele Reiche aus Teheran und Kaswin ihren teuren Zweitwohnsitz.

Nach Angaben der Organisation Roter Halbmond wurden insgesamt 5 000 Häuser komplett zerstört, 25.000 Menschen seien obdachlos geworden. Durch die mindestens vier Nachbeben habe es weitere Schäden gegeben.

Zwölfjähriger Junge verliert seine gesamte Familie

In Esmailabad, zehn Kilometer nördlich von Awadsch, verlor der zwölfjährige Mohsen seine ganze Familie, stumm blickte er auf die Reste des eingestürzten Hauses. Während er zur Schule ging, starben seine Mutter, sein Vater, seine Oma, seine drei Schwestern und sein Bruder. In der Nachbarschaft sagte ein Mann: "Wir rannten nach draußen und sahen statt des Dorfes nur Staub." Ein anderer Mann streute Erde auf sein Haupt und sagte: "Ich habe alle verloren." In dem Dorf klagten viele Frauen um ihre Angehörigen, während sich die Helfer des Roten Halbmonds weiter um Verletzte kümmerten und Tote bargen. Allein in diesem Ort starben 38 Menschen.

"Es gibt eine Menge Verletzte. Alle Krankenhäuser sind belegt", berichtete ein IRNA-Reporter. In dem 3 600 Einwohner zählenden Ort Awadsch war nach Angaben der örtlichen Behörden im Krankenhaus mit seinen 100 Betten kein Platz mehr frei. "Sie bringen jede Minute mehr Menschen, aber wir können das nicht mehr schaffen", sagte ein Behördenvertreter.

Bis zum Sonntag wurden nach Angaben des Roten Halbmondes über 1 000 Zelte, 2500 Decken und mobile Küchen in die Region gebracht. Die Armee übernahm die Versorgung mit Trinkwasser. Zugleich wurden Tetanus-Impfungen vorgenommen und angesichts von Temperaturen von über 30 Grad Vorkehrungen zur Seuchenbekämpfung getroffen.

Staatspräsident Mohammad Chatami sprach den Familien sein Beileid aus und beauftragte das Innenministerium mit der notwendigen Hilfe.

Bundespräsident Johannes Rau sprach Chatami auch im Namen des deutschen Volkes sein Beileid aus. Er versicherte, dass der Iran bei der Linderung der Not auf die Hilfe Deutschlands zählen könne. Außenminister Joschka Fischer bot seinem Amtskollegen jede mögliche Hilfe an. US-Präsident George W. Bush erklärte: "Menschliches Leiden kennt keine politischen Grenzen. Die USA seien bereit, "den Menschen im Iran zu helfen, wenn es notwendig ist und gewünscht wird."

In der Region am Fuße des Elburs-Gebirges zwischen Teheran und dem Kaspischen Meer leben die Menschen meist in einstöckigen Lehmbauten. Bei Erdbeben, die im Iran wegen des Zusammentreffens mehrerer Erdplatten nicht selten sind, stürzen die Lehmwände der Hütten ein. Ein Erdbebenexperte sagte: "Die Wände brechen ein, und die Decke kommt herunter." Die Gebäude seien hochgefährlich. Schon Beben der Stärke vier bis fünf können schwere Schäden anrichten. Im Osten Irans waren im Mai 1997 bei einem Erdbeben der Stärke 7,1 mehr als 1 500 Menschen ums Leben gekommen.

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