200-Millionen-Euro im Gespräch
Staat will Bundesligisten vor dem Ruin retten

Der Bund und einige Landesregierungen sind bereit, mit öffentlichen Bürgschaften für die Fußball-Bundesliga den Zusammenbruch von Vereinen als Folge einer möglichen Insolvenz der Kirch-Gruppe zu verhindern.

Reuters DÜSSELDORF. Im Fall einer Pleite der Kirch-Gruppe, von deren Millionen- Honoraren für die Fußball-Übertragungsrechte viele Vereine abhängig seien, gehe es um die Existenz des Fußballsports in Deutschland, sagte Clement (SPD) am Donnerstag in Düsseldorf zur Begründung. Er gehe davon aus, dass sich die meisten Bundesländer, in denen es Bundesliga-Vereine gibt, an Bürgschaften beteiligen würden. Mit den öffentlichen Garantien solle im Falle einer Pleite Kirchs die Zeit überbrückt werden, bis neue Verträge für die Übertragungsrechte geschlossen worden seien. In einigen Landesregierungen wurde aber bereits Kritik laut.

Das Bundeswirtschaftsministerium hatte zuvor erklärt, derzeit werde über eine solche Bürgschaft gesprochen, ohne dass ein Ergebnis vorliege. Ein Sprecher der nordrhein-westfälischen Landesregierung sagte, als Obergrenze für die Bürgschaft seien 200 Mill. ? in Erwägung gezogen worden.

Bürgschaften sollen keine Steuergeschenke sein

"Es geht um Bürgschaften, nicht um Steuergeschenke", unterstrich die Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. Auf diese Bürgschaften für Bankkredite würden auch Gebühren fällig. Über das Thema hätten jüngst Wirtschaftsstaatssekretär Alfred Tacke (SPD), Clement sowie Vertreter von Bundesliga- Vereinen und Deutschem Fußballbund (DFB) gesprochen. Wann die Gespräche abgeschlossen werden könnten, sei noch offen. Clement sagte, Tacke führe sie in Arbeitsgruppen weiter. Auch Clement unterstrich, die Vergabe von Bürgschaften bedeute nicht, "Geld hinter Fußballstars herzuwerfen". Vielmehr seien viele Clubs von den Fernsehgeldern abhängig. Im Durchschnitt machten diese rund 40 % der Etats der Vereine aus. Mögliche Bürgschaften für Kredite müssten zudem zurückgezahlt werden.

Zugleich wurde aber deutlich, dass es auch Widerstände gegen ein Engagement der Politik für die Liga gibt. In Kreisen in München, die mit der Situation vertraut sind, hieß es: "Eine Bürgschaft ist bestenfalls eine zweitbeste Lösung." Die Deutsche Fußball Liga GmbH erklärte, Ziel sei es, gerade keine Steuergelder zu erhalten. Die Sondierungsgespräche mit der Politik drehten sich um Garantien für Kreditlinien, die im Falle "einer Inanspruchnahme selbstverständlich auch zurückzuführen sind". Der Bremer Bildungssenator und frühere Manager des Fußballvereins Werder Bremen, Willi Lemke (SPD), sagte dagegen im WDR, er könne sich nicht vorstellen, dass sich Bremen an einer Bürgschaft von Bund und Ländern beteiligen werde, um den Vereinen zu helfen, hohe Spielergehälter zu finanzieren. Die Bundesliga müsse vielmehr dem "Gehälterwahnsinn" ein Ende setzen. Clement nannte Lemkes Kritik unverständlich. Viele Vereine seien nicht mehr existenzfähig, wenn sie aus den Zahlungen für die TV-Rechte herausfielen.

Niebaum sieht existenz der Liga nicht bedroht

Der Präsident des Fußballvereins Borussia Dortmund , Gerd Niebaum, sagte in einem Reuters-Interview, bei den Gesprächen mit Bund und Ländervertretern über Bürgschaften gehe es noch um "Rohüberlegungen". "Ich glaube nicht, dass das schon handfest ist." Es werde aber unter Umständen einen gewissen Zeitraum geben, der für eine neue Vergabe der TV-Rechte an der Liga benötigt werden könnte. Einige Vereine befänden sich zugleich in hoher Abhängigkeit von den Fernsehgeldern, fügte er hinzu. Die nächste Kirch-Rate an die Liga mit einer Höhe von rund 100 Mill. ? sei im Mai fällig. "Bis dahin muss eine Lösung gefunden werden - mit oder ohne Kirch", betonte Niebaum. Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß zeigte sich optimistisch, dass die am 15. Mai fällige Rate von rund 100 Mill. ? für die Bundesliga-Fernsehrechte an den Ligaverband bezahlt wird. "Ich habe Signale, die besagen, dass sicherlich bis dahin nach Möglichkeiten gesucht wird, diese Rate aufzubringen", sagte Hoeneß Reuters. Eine Einmischung der Politik in dieses Thema hält der Bayern-Manager nach eigenen Worten für unnötig.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte berichtet, die Bundesliga wolle mit Hilfe der Politik verhindern, dass die Krise bei dem hoch verschuldeten Medienunternehmen Kirch auch auf den Profifußball durchschlage. In Bankenkreisen hieß es, die Zeichen für die Kirch-Gruppe stünden weiterhin auf Insolvenz. Clement sagte, die Vorgänge bei Kirch seien eine der größten Unternehmenskatastrophen in Deutschland, die zu "erheblichen Auswirkungen" führen könnten. Zugleich machte er in der Zeitung verfassungsrechtliche Bedenken gegen einen Einstieg des Medienkonzerns des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi bei Kirch geltend.

Tacke und Clement hätten in Absprache mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bereits Mitte Februar mit Vertretern der Liga und weiteren Fußball-Managern gesprochen. Die nächsten Raten von Kirch für die Übertragungsrechte in Höhe von je knapp 100 Mill. ? sind Anfang Mai und Anfang August fällig. Kirchs Vertrag mit der Bundesliga läuft bis Mitte 2004. Bis dahin muss Kirch insgesamt 900 Mill. ? zahlen.

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