2000 brachte an der Börse Höhenflüge und zerplatzte Hoffnungen
Am Neuen Markt könnten 2001 weitere Hiobsbotschaften folgen

E-Commerce-Firmen, die im Weihnachtsgeschäft nicht den Durchbruch schafften, werden kaum das nächste Halbjahr überleben, so die Experten.

afp BERLIN. Es war kein Jahr für schwache Nerven. Die vergangenen zwölf Monate brachten an den Börsen unerwartete Höhenflüge, von denen viele aber in dramatischen Kursverlusten endeten. Gerade wer sich Anfang des Jahres von der Euphorie am Neuen Markt anstecken ließ, musste bitteres Lehrgeld zahlen: Der Technologieindex Nemax50 büßte von seinem Höchststand im März bis zur letzten Börsenwoche über 70 Prozent ein. Aber auch der weit gesetztere DAX aus den 30 wichtigsten deutschen Standardwerten steht Ende Dezember schlechter da als ein Jahr zuvor. Trotz einiger Silberstreifen am Horizont raten Experten auch im neuen Jahr zur Vorsicht. Vor allem am Neuen Markt ist aus ihrer Sicht das Schlimmste noch nicht vorüber.

Mit zu den prominentesten Verlierern im DAX gehörten 2000 die Deutsche Telekom, deren Aktie binnen Jahresfrist über die Hälfte ihres Wertes einbüßte, und der Autokonzern DaimlerChrysler mit einem Kursverlust von rund 40 Prozent. Während sich bei der T-Aktie die Milliardenbelastungen für die UMTS-Mobilfunklizenzen und den Kauf des US-Anbieters VoiceStream auswirkten, litt der deutsch-amerikanische Autobauer vor allem unter den Absatzschwierigkeiten bei der US-Tochter Chrysler. Reinhild Keitel, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) betont aber, es habe "keinen generellen Absturz der Schwergewichte" im DAX gegeben. Tatsächlich habe, wer sich 2000 auf bestimmte Versicherungs-, Chemie, Pharma- und Energiewerte konzentrierte, durchaus gute Gewinne machen können.

Aufbruchstimmung zu Beginn des Jahres

Am Neuen Markt hatte von Januar bis März eine nie dagewesene Aufbruchstimmung für schwindelerregende Kursanstiege gesorgt. Risikokapital für Internet-Firmen floss in Strömen, oft reichte eine vage Geschäftsidee, um bei Finanziers Millionen locker zu machen. Die Bilanz am Jahresende sieht düster aus: Seit dem März-Hoch hat der Nemax50 in einer rasanten Talfahrt über 6900 Punkte verloren, mit Gigabell und Teamwork sind erstmals Unternehmen in diesem Marktsegment in die Pleite gegangen, beim einstigen Senkrechtstarter EM.TV ermittelt die Staatsanwaltschaft, Hunderten von Start-up-Mitarbeitern flatterten vor Weihnachten Kündigungen ins Haus.

Die Gründe für das "Horror-Jahr" am Neuen Markt sind vielfältig. Selbst Experten haben das Potenzial des elektronischen Handels vollkommen überschätzt. Heute sind viele Branchenkenner der Meinung, dass die wenigsten Internet-Anbieter jemals Gewinne abwerfen werden. Dilettantisches Management und in Einzelfällen sogar die bewusste Verschleierung aufgelaufener Verluste, ließ die Lust der Risiko-Finanziers zu weiteren Investitionen rapide sinken. Vielen Neulingen geht deshalb nun finanziell die Luft aus.

Dax-Ausblick optimistisch

In den kommenden Monaten wird es deshalb wohl weitere Hiobsbotschaften aus der "New Economy" geben. E-Commerce-Firmen, die im Weihnachtsgeschäft nicht den Durchbruch schafften, werden kaum das nächste Halbjahr überleben. Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), warnt Anleger deshalb eindringlich, am Neuen Markt auch künftig immer einen "Totalverlust" einzukalkulieren.

Beim DAX geben sich viele Experten optimistisch. Nach einer am Mittwoch veröffentlichten "Handelsblatt"-Umfrage bei 32 Banken wird Ende 2001 im Schnitt ein Wert von 7722 Punkten erwartet. Dies entspräche einem Kursgewinn von knapp 25 Prozent. "Die Old Economy ist grundsätzlich gut aufgestellt, da und dort werden uns Unternehmen mit guten Ergebnissen verwöhnen", meint auch DWS-Hauptgeschäftsführer Hocker. Das vergangene Jahr habe aber deutlich vor Augen geführt, dass sich auch bei den prominentesten deutschen Wirtschaftswerten "nicht alle über einen Kamm scheren" lassen.

Keitel meint, mit "Jahresrenditen von 13 bis 14 Prozent" im Schnitt der vergangenen zehn Jahre seien die Anleger trotz des jüngsten Einbruchs "ganz schön verwöhnt" worden. Gerade wer an die Altersvorsorge denke, sollte nach Meinung der SdK-Vertreterin nicht nur Aktien, sondern auch festverzinsliche Wertpapiere ins Depot nehmen. "Wichtig ist der richtige Mix, um das Risiko in schlechten Zeiten abzufedern.

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