2001 war schwieriges Jahr
Ebbe in der Kasse

Konjunkturflaute und hausgemachte Fehler verhagelten den deutschen Headhuntern im vergangenen Jahr das Geschäft. Jetzt hoffen die Berater auf den Aufschwung.

Das Jahr 2001 war für die deutschen Headhunter ein katastrophales Jahr. Nach sieben fetten Jahren mit stets zweistelligen Umsatzgewinnen klagen die Berater, die im Auftrag von Unternehmen per Telefon nach Führungskräften fahnden, jetzt über einen dramatischen Einbruch ihres Geschäfts. So meldet Christoph Netta, Deutschland-Chef beim Branchenprimus Heidrick & Struggles, einen Honorarumsatz in Höhe von lediglich 80 Millionen Mark. Das sind 33,5 Millionen Mark weniger als im Vorjahr, also ein Minus von fast einem Drittel.

Schlimmer noch traf es die einstige Nummer 2 im deutschen Headhunting Business, Korn Ferry/Hofmann Herbold. Hier stürzte der Umsatz von 80 Millionen Mark im Jahr 2000 auf jetzt nur noch 35 Millionen Mark. Das ist ein Rückgang um über 56 Prozent. Die Aussichten sind düster. So lassen die jüngsten Quartalszahlen dieser in den USA an der Börse notierten Firma keine Wende zum Besseren erkennen.

Spencer Stuart, im vergangenen Jahr die Nummer 7 unter den deutschen Headhuntern, wird die Umsatzzahlen für das bereits im September endende Geschäftsjahr 2001 erst im April bekannt geben. Deswegen sind die in der Tabelle genannten Zahlen für 2001 anhand der Zahl der Berater geschätzt. Die 19-köpfige Truppe dürfte aber weniger Umsatz erzielt haben, als im Jahr 2000.

Spencer Stuart fällt zurück

"Das vergangene Jahr war sehr schwierig", sagt Yvonne Beiertz, Partner bei Spencer Stuart in Frankfurt am Main. Man habe jedoch "nicht so stark verloren wie manche Wettbewerber", so die Beraterin. Schon jetzt steht aber fest, dass das Unternehmen in Deutschland nicht mehr den Rang einnehmen wird, den es in den vergangenen Jahren hatte: Die deutsche Organisation hat vier Berater verloren, unter anderem Gerhard Sendele, einen der erfahrensten deutschen Headhunter. Sendele hat sich mit dem einstigen Deutschland-Chef von Heidrick & Struggles, Herbert Bechtel, unter dem Dach der englischen Beratungsfirma Whitehead Mann zusammen getan.

"Wir hatten 2001 einen zweistelligen Umsatzrückgang", berichtet Tiemo Kracht, Partner bei Ray & Berndtson in Frankfurt am Main. Genauere Angaben wollte der Berater nicht machen, weil der Jahresabschluss noch nicht fertig gestellt sei. Deswegen sind die Tabellenwerte für 2001 geschätzt. Hier blieb die Zahl der Berater trotz einiger Ab- und Zugänge in den Jahren 2000 und 2001 konstant bei 40. Ende letzten Jahres musste die Firma dann Stellen streichen und einen Untermieter für nicht mehr benötigte Büroräume suchen.

Nur wenige Consultingfirmen konnten 2001 beim Umsatz zulegen. Die deutsche Tochtergesellschaft des US- Beratungshauses Russell Reynolds etwa meldet ein Plus in Höhe von 3,2 Prozent. Das ist ein wahrlich bescheidenes Ergebnis im Vergleich zum Rekordjahr 2000, wo das Geschäft noch um 19 Prozent gewachsen war. Auf seinem Heimatmarkt machte das Unternehmen ein herbes Minus: Dort sank der Umsatz 2001 um fast ein Viertel. Weltweit ging das Geschäft von Russell Reynolds um ein Fünftel zurück.

Wage Wachstumshoffnungen

Firmenchef Hob Brown musste Personal entlassen und sogar mehrere Büros schließen, unter anderem in Los Angeles und im schottischen Edinburgh. Damit nicht genug: Das Unternehmen wird einen Teil seiner Verwaltung an einen billigeren Standort innerhalb von Los Angeles verlegen. Im übrigen hofft Brown auf eine "Wiederbelebung des Marktes" und einen "flachen Umsatzzuwachs" im laufenden Jahr.

Auch Heidrick & Struggles, Korn Ferry sowie eine Reihe anderer Beratungshäuser mussten Stellen streichen und Berater auf die Straße setzen. Der personelle Aderlass in jenen 23 Firmen, die sich zur Vereinigung Deutscher Executive Search-Berater zusammengeschlossen haben, beläuft sich auf etwa 60 bis 80 Personen. Das jedenfalls schätzt der Frankfurter Headhunter Thomas Deininger, der zurzeit an der Spitze des Branchenverbands steht.

Guter Teil der Headhunter-Krise ist hausgemacht

Fragt man Deininger nach den Gründen für das schlechte Geschäft, so erhält man nicht nur die landläufig bekannten Antworten. Sicher: Der Crash am Neuen Markt, der Zusammenbruch der New Economy und die Terroranschläge vom vergangenen September hätten deutlich negative Auswirkungen auf die Branche gehabt, bestätigt Deininger. Ein guter Teil der Headhunting-Krise sei jedoch hausgemacht, so der Verbandschef.

"Mit einer flexibleren Honorarpolitik und mehr Qualität in der Beratung hätte mancher sicher besser abgeschnitten", sagt Deininger. Auch die Unsitte, dass erfahrene Consultants fast nur noch Aufträge akquirieren und die Suche sowie die Auswahl der Kandidaten jüngeren Beratern überlassen, wirke sich bei bestimmten Unternehmen negativ aufs Geschäft aus.

In seiner eigenen Firma spürt Deininger bereits den Aufwind. In den beiden letzten Monaten sei das Geschäft deutlich besser gelaufen als in den Vergleichsmonaten des Vorjahrs: "Es geht wieder aufwärts."

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