2001 weitere Marktbereinigung erwartet
2000 war ein Internetjahr der Überraschungen

Das Jahr 2000 fing mit einem Problem an. Wegen eines Jahrzehnte alten Programmierfehlers fürchteten viele Menschen, dass in der von Computern beherrschten Welt zur Jahreswende gar nichts mehr gehen würde. Doch der so genannte Y2K-Zusammenbruch blieb aus. Vielmehr war das als "Y2K" bezeichnete Jahr-2000-Problem der Auftakt für ein Jahr, in dem alles möglich wurde, was in der Computer- und Internet-Branche zuvor unvorstellbar war. Microsoft wurde Opfer von Hackern, Bertelsmann kooperiert mit dem Online-Erzfeind Napster, America Online übernimmt den Medienriesen Time Warner und den ersten Dot.com-Firmen ging das Geld aus.

Reuters HAMBURG. Die Ereignisse zeigen Experten zufolge zwei Trends auf, die das Internet-Jahr 2001 charakterisieren werden. Das weltweite Datennetz revolutioniert zwar die Wirtschaft. Aber es kann deutlich weniger, als von vielen erwartet. Die erste E-Commerce-Euphorie ist im vergangenen Jahr schmerzhafter Ernüchterung gewichen. Bisher surft Studien zufolge nur jeder vierte Deutsche überhaupt regelmäßig durchs Internet. Um dort auch wirklich Geld auszugeben, fehlt den meisten Nutzern noch immer das Vertrauen - und dem elektronischen Handel damit noch der Umsatz.

Wachstum ohne Risiko funktionierte nicht

Diese Erkenntnis kam Experten zufolge für viele überraschend und führte für die Aktien der Internet-Anbieter zu einer Talfahrt. "Investoren wollten am Wachstumspotenzial partizipieren, haben dabei aber die Risiken übersehen", sagt Axel Hotze, E-Commerce-Analyst bei der Commerzbank. Künftig müssten sie noch genauer prüfen, ob ein Geschäftsmodell nachhaltig Profit verspricht. "Die Unternehmen werden zeigen müssen, dass sie die Kosten für Marketing und Kunden-Akquisition im Griff haben." Nicht umsonst soll der Begriff "Cash-Burning" - also das Verbrennen von Kapital - 2000 zum Reizwort der "New Economy" geworden sein.

Im Jahr 2001 werde sich bei den Internet-Unternehmen die Spreu vom Weizen trennen, sagt auch Analystin Stella Dombrowsky von der BHF-Bank. Analysten rechnen allgemein damit, dass sich der Konsolidierungsdruck fortsetzen wird. Erfolgschancen haben Dombrowsky zufolge Unternehmen, die sich mit ihrem Geschäftsmodell an den Kriterien der "Old Economy" orientierten: Kunden- und Mitarbeiterbindung, exzellenter Service und funktionierende Logistik. Schon das diesjährige Online-Weihnachtsgeschäft wird in der Branche als Nagelprobe für die Zukunft des Internet-Handels betrachtet.

Wie schnell die Deutschen online gehen, hängt Internet-Anbietern zufolge nicht zuletzt von den Zugangskosten ab. Die Konkurrenten der Telekom-Tochter T-Online, allen voran AOL Deutschland, fordern deshalb von der Telekom eine attraktive Großhandels-Flatrate. Die Diskussion um diesen Pauschaltarif wird die Internet-Branche auch im kommenden Jahr beschäftigen, da die Telekom einerseits gerichtlich gegen die Verpflichtung der Regulierungsbehörde zum Angebot einer Großhandels-Flatrate vorgeht, andererseits aber an ihrer bei den Wettbewerbern auf Kritik gestoßenen Offerte festhalten will.

Knapp jeder dritte Deusche geht 2001 online

Regelmäßig "drin" im Internet werden nach Prognosen des Marktforschungsinstituts Jupiter im kommenden Jahr gut 24 Mill. Deutsche sein, knapp jeder Dritte Bundesbürger. Im Jahr 2000 waren es knapp 19 Mill., also etwa jeder Vierte. Aber erst im Jahr 2005 soll sich Jupiter zufolge jeder zweite Deutsche regelmäßig durch die virtuelle Welt klicken.

Diesen Zahlen zum Trotz wird in der Branche längst vom nächsten Trend gesprochen. M-Commerce, der mobile Handel im Internet mittels Mobilfunktechnik. Handys, Taschen-PCs und neue Endgeräte sollen den Einkauf im Internet von überall ermöglichen. Anwendungen für diese Mini-Computer gelten auch als ein Schwerpunkt der CeBit 2001, die Ende März den Blick der internationalen Computer-Szene nach Hannover lenken wird.

Mobiles Internet begeistert erst mit UMTS

Im kommenden Jahr könnte sich auch der Nebel um WAP (Wireless Application Protocol) lichten - jene Anwendung, die bisher allein den Internet-Zugang über das Handy ermöglicht. Experten sind sich uneins darüber, ob diese frühe Technologie überhaupt dauerhafte Chancen hat. Viele sind der Ansicht, erst mit dem neuen Mobilfunkstandard UMTS werde sich das mobile Internet-Surfen wirklich durchsetzen. UMTS ist vor 2002 aber nicht in Deutschland zu erwarten.

Nicht wenige Experten sind der Ansicht, dass der mit diversen Programmen hochgerüstete Computer zuhause schon bald ausgedient haben könnte. Im Mittelpunkt des Interesses stehen daher kleine Endgeräte. Programme könnten immer mehr auch aus dem Internet bezogen werden. Doch diese vernetzte Welt birgt auch ihre Gefahren, wie Mill. Menschen im Mai vergangenen Jahres erfahren mussten. Damals verursachte der per E-Mail übertragene Virus "I Love You" weltweit einen Schaden in Milliardenhöhe.

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