2001 wird ein negatives Konzernergebnis erwartet
RHI AG steht vor schwierigen Zeiten

Der Feuerfestkonzern RHI AG erwartet 2001 ein negatives Konzernergebnis und hat nach Ansicht von Experten ein äußerst schwieriges Halbjahr vor sich. Im Neunmonats-Ergebnis 2001 hat sich die Konjunkturflaute in den USA im RHI-Ergebnis bereits deutlich niedergeschlagen.

Reuters WIEN. Im Kernbereich Feuerfest hat RHI im dritten Quartal ein negatives Betriebsergebnis (EBIT) von minus 7,4 (plus 29,8) Millionen Euro erzielt und dadurch auch ein im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich tieferes Neunmonats-EBIT im Konzern von 18,2 (76,0) Millionen Euro vorgelegt. Der Konzern erwartet 2001 einen Verlust über dessen voraussichtliche Höhe aber noch keine Angaben gemacht wurden.

"RHI hat das kritischste Halbjahr ihrer Existenz vor sich", beurteilte Wolfgang Matejka, Fondsmanager der Allianz Invest, am Mittwoch die Situation des Unternehmens.

RHI bewege sich dabei im Spannungsfeld hoher Fixkosten, hoher Zinsbelastung, der Notwendigkeit zur Schließung von Werken in den USA und damit verbundenen Restrukturierungskosten, der Problematik von Asbestklagen in den USA sowie der Frage, ob die Banken ihre Zusage einhalten, RHI auf der Durststrecke zu begleiten.

"Die Frage ist, geht es sich zeitlich aus zwischen Konjunkturerholung in einem halben Jahr, Zinsdruck und Fixkosten", so Matejka, der mit einer Erholung der US-Stahlindustrie bis Mitte 2002 rechnet.

Restrukturierung in den USA notwendig

In den USA sei eine weitreichende Restrukturierung notwendig, hatte RHI zuvor ohne genauere Angaben mitgeteilt. Nach früheren Aussagen des intermistischen Vorstandssprechers Andreas Meier will RHI die Zahl der US-Werke durch Stilllegungen und Verkäufe auf zwölf von derzeit 24 reduzieren.

"Jetzt hängt alles davon ab, was für ein Konzept wird präsentiert und wird es mitgetragen von den Banken", meinte auch Brigitte Kellerer-Wendelin, Analystin der Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG. Das derzeitige Vakuum im Vorstand sei dabei nicht optimal, so Wendelin.

Der RHI-Aufsichtsrat hatte sich am Donnerstag der Vorwoche einvernehmlich vom bisherigen Vorstandsvorsitzenden Georg Obermeier getrennt. Der neue Vorstandschef Helmut Draxler kommt aber erst Mitte Jänner ins Unternehmen. Als Finanzvorstand wurde der aus dem Telekom-Bereich kommende Eduard Zehetner mit Anfang Dezember bestellt.

Man müsse davon ausgehen, dass das RHI-Jahresergebnis stark negativ ausfallen werde, sagte Wendelin. Eine Indikation für die Höhe des Verlustes könnten die 1999 bei der größtenteils fremdfinanzierten Übernahme der amerikanischen Harbison Walker getroffenen Rückstellungen in Höhe von 66 Millionen Euro sein. "Die wurden 2000 verbraucht - aber es wird schon wieder in dieser Höhe sein müssen", schätzte Wendelin.



Kein Licht am Ende des Tunnels

Das Problem in den USA seien nicht ein paar Zahlungsausfälle insolventer Stahlunternehmen, sondern die durch die Konjunkturflaute geringe Auslastung der US-Werke, so Wendelin. Das bei der Übernahme aufgenommene Fremdkapital könne in dieser Situation nicht verdient werden.

"Das ist ein Desaster - dabei wurde die ganze Wahrheit noch nicht veröffentlicht, sondern nur bis zum Betriebsergebnis", sagte Bank Austria-Analyst Alfred Reisenberger, "das große Problem ist die Finanzschuld". Das operative Ergebnis müßte "so viel besser werden, um die Schulden bedienen zu können - ich sehe noch kein Licht am Ende des Tunnels", so Reisenberger.

Seitens RHI wurden keine Angaben zur aktuellen Höhe der Finanzverbindlichkeiten gemacht. Steininger schätzt sie auf brutto eine Milliarde Euro. "Man muss davon ausgehen, dass es für RHI 60 bis 64 Millionen Euro Zinsbelastung im laufenden Jahr gibt", sagte Kellerer-Wendelin. RHI hatte im Geschäftsbericht 2000 Finanzverbindlichkeiten von 877,3 Millionen Euro ausgewiesen.

RHI hatte für die ersten drei Quartale bei einem Konzernumsatz von 1,43 (1,64) Milliarden Euro ein EBIT von 18,2 (76,0) Millionen Euro ausgewiesen. Das EBIT bleibt damit weit unter dem Analysten-Konsensus von knapp über 40 Millionen Euro.

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