2002 bringt neue Regeln für die Digitale Welt
Ende der Zettelwirtschaft

Haben Sie es in diesem Jahr noch einmal richtig genossen, dicke Ordner ins Finanzamt zu schleppen? Nein? Dann sollten sie es wenigstens auskosten, während ihrer kostbaren Mittagspause in die Bank zu hetzen, um all das zu erledigen, was sich per Online-Banking nicht regeln läßt. Neue Gesetze sollen schließlich ermöglichen, dass beides schon ab 2002 ein Ende haben könnte.

Gleich zu Beginn des Jahres treten die so genannten "Grundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen", kurz GDPdU, in Kraft. Hinter dem sperrigen Begriff steckt nichts anderes als die Einführung der elektronischen Steuerprüfung. Finanzämter haben danach das Recht, auf steuerlich relevante Daten der EDV-Buchhaltung von Unternehmen zuzugreifen. Ein wahrer Segen - so scheint es spätestens, wenn bei der Steuerprüfung der dritte Zentner Ordner aus dem Archiv herbei geschafft werden muss.

Doch die Freude ist nur zum Teil begründet. Denn weniger Aufwand für den Steuerzahler dürfte die neue Regelung nicht bringen. Dem Finanzamt die digital archivierten Finanz-, Anlagen- und Lohnbuchhaltungsdaten zur Verfügung zu stellen, bedeutet schließlich auch, die nicht steuerlich relevanten Daten vor dem Blick der Prüfer schützen zu müssen. Unter Umständen muss auch eine CD-ROM mit den Informationen angefertigt werden. Und wer sich schon auf das Ende der gefürchteten Besuche vom Finanzamt freut, der irrt: Auch zur elektronischen Steuerprüfung werden Beamte persönlich erscheinen, denn die Onlineprüfung ist noch nicht gestattet.

Abschied vom Bankberater?

Da tröstet der Gedanke an das neue Gesetz zur Digitalen Signatur. Seit Inkrafttreten im August setzt es handschriftliche und elektronische Unterschrift gleich und verspricht etwa im Online-Banking ganz neue Möglichkeiten. Nachdem schon jetzt Überweisungen, Aktienkauf und viele andere Bankgeschäfte am Computer erledigt werden, soll künftig auch für Kreditantrag, Kontoeröffnung und ähnliche Geschäfte der Gang in die Bank entfallen. Während die gesetzliche Grundlage steht, hapert es zur Zeit aber noch mit der Umsetzung.

Als erste hat die Hypo-Vereinsbank angekündigt, im Frühjahr mit der Digitalen Signatur zu starten und EC-Karten mit Signaturchip auszustatten. Experten hoffen, dass sich das Verfahren bis 2005 flächendeckend durchsetzen wird. Bis dahin sind allerdings noch einige Hürden zu nehmen. Bisher setzt das Signaturverfahren zusätzliche Software und/oder Hardware in Form von Lesegerät und Karte voraus. Allein diese Tatsache stellt den schnellen Erfolg in Frage. Denn Online-Banking ist gerade am Arbeitsplatz beliebt. Und welcher Chef wird wird schon gern auf Firmenrechnern Software installieren oder gar Lesegeräte aufstellen lassen?

Das am 1. Januar in Kraft tretende Schuldrecht schließlich soll auch den E-Commerce fördern - und trägt gleichzeitig dazu bei, dass uns unsere Zettelwirtschaft noch eine Weile erhalten bleibt. Das Gesetz verlängert unter anderem die Garantie von sechs Monate auf zwei Jahre und sorgt dafür, dass im Falle einer Reklamation künftig der Verkäufer beweisen muss, dass die Ware beim Verkauf einwandfrei war. Im E-Commerce hat das eine interessante neue Regelung zur Folge: Der Kunde muss die Möglichkeit haben, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen auszudrucken. Die Freude über den Abschied vom Papier scheint eindeutig verfrüht.

Schreiben Sie der Autorin: c.woellner@vhb.de

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