2002 dürfte kaum Wachstum bringen
Sparwelle setzt den Beratern zu

Wenn Unternehmen sparen müssen, geht es irgendwann auch den Beratern an den Kragen. In der erfolgsverwöhnten Branche trennt sich jetzt die Spreu vom Weizen. Preissenkungen und Entlassungen begleiten die Krise.

DÜSSELDORF. Die Konjunkturflaute hat nun auch die Unternehmensberater erreicht. Die zu Jahresanfang vorausgesagten zweistelligen Wachstumsraten sind passé - nun wäre die kleine, aber feine Branche froh, wenn sie überhaupt noch ein Plus erreichte. Der Dachverband European Federation of Management Consulting Associations (Feaco) rechnet 2002 europaweit noch mit höchstens vier Prozent Wachstum. Dem deutschen Markt sagt Dietmar Fink, Professor für Unternehmensberatung an der Fachhochschule Rhein-Sieg, sogar ein Minus zwischen drei und vier Prozent voraus. Etwas optimistischer rechnet der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater mit einer "stagnierenden bis rückläufigen Branchenkonjunktur". 2001 bilanzierte er noch ein Umsatzplus von 5,5 % auf 12,5 Mrd. Euro.

Doch hinter den trüben Branchenzahlen verbirgt sich ein differenziertes Bild. "Den Tabellenführern geht es gut, aber gleich dahinter wird erbittert gegen den Abstieg gekämpft", bemüht Martin Koehler, Geschäftsführer der Boston Consulting Group GmbH, eine Sport-Analogie. Boston Consulting habe für 2002 bereits ein Umsatzplus von 12 % sicher und die Beschäftigtenzahl um 50 auf 600 gesteigert. Vielen kleineren Beratungsfirmen gehe es aber schlecht. "Die Branche insgesamt steht vor einer Bereinigung", sagt Koehler. "Einige Wettbewerber haben Auslastungsprobleme und senken ihre Preise, um überhaupt im Geschäft zu bleiben."

Konkurrent A.T. Kearney hat auf einen Auftragseinbruch zu Jahresanfang mit einer Änderung der Geschäftspolitik reagiert. "Um der Diskussion über Tagessätze zu entgehen, bieten wir jetzt eine erfolgsorientierte Bezahlung an", erklärt Zentraleuropa-Chef Michael Träm. Bei den momentan sehr gefragten Kostensenkungsprojekten erhielten die Kearney-Berater erst Geld, wenn bestimmte Einsparungen geschafft seien. "Draufgezahlt haben wir dabei noch nirgends." Die Düsseldorfer haben mit einem guten dritten das schwache erste Quartal ausgeglichen und hoffen für 2002 noch auf ein kleines Wachstum gegenüber dem Vorjahr. Die Mitarbeiterzahl liegt mit 425 auf Vorjahreshöhe.

Andere Beratungsfirmen sehen sich derweil zu tiefen Einschnitten gezwungen. So will Pricewaterhouse Coopers (PwC), Frankfurt, nach Angaben aus Unternehmenskreisen jeden fünften der 2 200 deutschen Mitarbeiter entlassen. Auch Partner blieben nicht verschont. PwC bestätigt zwar Entlassungspläne, erklärt aber, dass 20 % "zu hoch gegriffen" seien. Die geplanten Kündigungen hätten auch nichts mit der Übernahme durch IBM zu tun.

Auch bei Cap Gemini Ernst & Young gab es schon schmerzhafte Einschnitte. "Wir haben uns auf die veränderte Marktlage eingestellt und im letzten und in diesem Jahr Personalanpassungen vorgenommen", sagt Antonio Schnieder, Chef des Zentraleuropa-Geschäfts. Das betreffe weltweit 3 000 und in Deutschland rund 200 Stellen. Bis Jahresende rechnet Schnieder nicht mehr mit Wachstumsimpulsen, für 2003 erwartet er ein moderates Wachstum von zwei bis drei Prozent.

Nach Beobachtungen des Branchenexperten Thomas Lünendonk wird auf dem deutschen Markt bereits "seit geraumer Zeit über die Schwierigkeiten von Managementberatungen gesprochen, große Projekte weiterzuführen und neue zu gewinnen". Auch Unternehmensberater berichten davon, dass große Unternehmen nur noch sehr zurückhaltend an neue Projekte herangehen. Im Mittelpunkt stünden jetzt auch nicht mehr große Strategieprojekte, sondern vor allem Optimierungsprojekte zur Reduzierung der Kosten. Auch das ein lukratives Geschäft: "Die Projekte werden immer größer", sagt Michael Träm von A.T. Kearney. "Bei der Restrukturierung der deutschen Industrie stehen uns noch ganz große Schnitte vor, und zwar bis weit in den Mittelstand hinein."

Die Unternehmen wollten nun in der nächsten Sparwelle intelligenter an die Kosten herangehen, bestätigt Martin Koehler von Boston Consulting. Gleichzeitig gebe es die Tendenz, weniger Beratungsfirmen zu beschäftigen, und das komme den Großen der Branche zugute. Probleme hätten auch die Beratungsfirmen, die stark auf Informationstechnologie gesetzt hätten. "Das Thema Bündelung von IT- und Strategieberatung hat sich erledigt", urteilt Koehler.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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