2002 eines der schlimmsten Krisenjahre
Einzelhandel glaubt nicht mehr an den Weihnachtsmann

Der deutsche Einzelhandel hat nach Darstellung des Handelsverbandes BAG 2002 angesichts der andauernden Konsumflaute eines der schwersten Jahre in der Branche erlebt und rechnet auch für 2003 mit keiner Besserung.

Reuters FRANKFURT. Insgesamt müsse der Einzelhandel im "engeren Sinn" für dieses Jahr mit einem Umsatzminus von rund 2,5 bis drei Prozent rechnen, teilte die Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels (BAG) am Dienstag in Frankfurt mit. "Damit wird das Jahr 2002 als eines der schlimmsten Krisenjahre in die Geschichte des Einzelhandels eingehen", sagte BAG-Präsident Walter Deuss. Dies gelte auch für die Ertragsentwicklung, sagte der einstmalige Karstadt-Chef. Anzeichen für eine wesentliche Besserung der Branchensituation sieht der Verband auch für das kommende Jahr nicht. Es spräche schon für viel Optimismus, zu erwarten, dass 2003 die Umsätze in der Branche nicht unter denen des Vorjahres liegen würden, sagte Deuss.

Im BAG sind mehr als 5000 Einzelhandelsgeschäfte organisiert, darunter vor allem mittelständische und konzerngebundene Warenhäuser sowie Fachgeschäfte. Der Anteil aller BAG-Mitglieder am gesamten Einzelhandelsumsatz beträgt rund zehn Prozent. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) hatte bereits im November das laufende Jahr als das schwächste der Nachkriegszeit bezeichnet und ein Umsatzminus von real drei Prozent in Aussicht gestellt. Für 2003 erwartet der HDE wegen der anhaltenden Konsumflaute einen Umsatzrückgang von nominal 0,5 Prozent.

Von einem Jahresschlussspurt durch ein starkes Weihnachtsgeschäft geht der BAG nicht mehr aus. "Von der Hoffnung, einigermaßen vergleichbare Vorjahresumsätze in dieser besonders nachfrageträchtigen Zeit zu erreichen, haben wir uns verabschiedet", erklärte Deuss. Die bisher aufgelaufenen Rückstände im Geschäft könnten in den noch bleibenden Wochen nicht mehr ausgeglichen werden. Im bisherigen Weihnachtsgeschäft haben nach Darstellung des BAG vor allem kleinere Dinge für den Haushalt wie etwa Milchschäumer Hochkonjunktur. Ordentlich sei auch die Nachfrage bei Unterhaltungselektronik, während sie bei Textilien eher schwach sei.

Die Sorge, dass im Einzelhandel im laufenden Jahr 10 000 Betriebe insolvent würden, sei bereits weitgehend eingetreten, sagte Deuss. Damit sind nach Darstellung des BAG rund 30.000 Arbeitsplätze in der Branche in diesem Jahr weggefallen. Es sei zu befürchten, dass sich der Arbeitsplatzabbau auch im kommenden Jahr fortsetzt, sagte Deuss.

Ausdrücklich plädierte der BAG für eine Erweiterung der Ladenöffnungszeiten für die Stadtzentren. Kurzfristig solle zumindest eine Verlängerung des Ladenschlusses an allen Samstagen bis auf 20.00 Uhr erreicht werden. Für den Fall, das es zu einer Novellierung des Gesetzes über den Ladenschluss kommen sollte, bekräftigte der Verband frühere Forderungen, dem Einzelhandel in den Städten längere Öffnungszeiten zu gestatten als den Geschäften auf der "grünen Wiese."

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