2002 geht es wieder aufwärts
Tourismus weltweit geringer belastet

Die Reisebranche wird nach Angaben der Welttourismusorganisation weniger unter den Folgen der Anschläge vom 11. September leiden als bisher befürchtet. "Es gibt überall Anzeichen für eine Besserung und deshalb keinen Grund, unsere langfristigen Wachstumsprognosen zu korrigieren", sagte der Generalsekretär des Verbandes, Francesco Frangialli, am Freitag in Hannover.

Reuters HANNOVER. Allerdings müsse sich die Branche auf den Verlust von weltweit bis zu einer Millionen Arbeitsplätzen einstellen. Das seien aber deutlich weniger, als die Weltarbeitsorganisation (ILO) der Vereinten Nationen mit bis zu neun Millionen gefährdeten Stellen vorhergesagt habe. Langfristig bleibe der Verband dabei, dass sich die Zahl der Reisenden bis 2010 von heute 700 Millionen auf eine Milliarde und bis 2020 auf 1,5 Milliarde erhöhen werde.

"Die Touristik hat sich 2001 schlechter entwickelt als erwartet. Es gab eine Stagnation bei 700 Millionen Reisenden, vielleicht auch einen leichten Zuwachs", sagte Frangialli. 2000 war die Branche weltweit noch um 7,4 % auf 699 Millionen Reisende gewachsen. Allerdings sei das Touristikgeschäft 2001 schon vor den September-Anschlägen schwächer gewesen.

"Die Auswirkungen der Anschläge sind keineswegs einheitlich. Unser Krisenstab hat drei große Bereiche mit Einbußen festgestellt", sagte Frangialli weiter. Dies seien Flugreisen aus den USA, generell Fernreisen sowie Reisen in arabische und islamische Länder. Weltweit habe die Touristik damit für den Monat Dezember noch bei minus zwölf bis 15 % gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat gelegen. Doch es gibt es Frangialli zufolge erste Hinweise auf eine Wende: "2002 sind wir überzeugt, dass es wieder aufwärts geht. Es ist noch nicht sicher, ob das Jahr am Ende positiv oder negativ verlaufen wird. Doch wir halten es für möglich, dass in der zweiten Jahreshälfte die Entwicklung wieder das alte Niveau erreichen kann."

"Von den Arbeitsplätzen werden viele nur vorübergehend wegfallen, bis sich die Branche wieder erholt hat", sagte Frangialli. Die ILO habe bei ihrer ersten Prognose nach den Anschläge wesentlich zu pessimistisch kalkuliert. Beispielsweise seien in Ägypten nach den Einbußen von zeitweilig bis zu 40 % keineswegs in gleichem Umfang Stellen abgebaut worden, sagte Frangialli.

Der Generalsekretär eröffnete am Freitag in Hannover gemeinsam mit Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) die alternative Touristikmesse "Reisepavillon" mit 250 Ausstellern aus 35 Ländern. Sie bildet den Auftakt zum Internationalen Jahr des Ökotourismus der UNO. Die Welttourismusorganisation sieht nach den Worten Frangiallis im ökologischen Tourismus eine Chance für die Entwicklungsländer und geht dabei von überdurchschnittlichen Wachstumschancen aus.

Mit 476 Mrd. US-Doller Umsatzvolumen im Jahr 2000 sei der Tourismus eine der weltgrößten Branchen, sagte Frangialli weiter. Der Anteil des Ökotourismus liege je nach Betrachtung der Kriterien zwischen 1 und 4 Prozent, am stärksten in Deutschland und Großbritannien, sagte Frangialli. "Aber alle gehen davon aus, dass dieser Bereich stärker wachsen wird als die übrige Reisebranche." In den Entwicklungsländern spiele der Ökotourismus zum Teil schon heute eine größere Rolle.

Frangialli forderte die Kritiker auf, sich der Realität der Globalisierung zu stellen. "Ob es einem gefällt oder nicht: Im Zuge der Globalisierung ist beinahe jede Region der Welt vom Tourismus betroffen", sagte Frangialli. Der Tourismus schaffe gerade in armen Ländern eine Menge Arbeitsplätze und bringe Devisen. "Das hilft beim Abbau der Schulden".

"Ebenso stimmt es, dass Tourismus viele negative Folgen haben kann, zum Beispiel in sensiblen Regionen wie dem tropischen Regenwald. Oder Kinder werden durch Sex-Tourismus missbraucht", räumte Frangialli ein. "All das stimmt. Das müssen wir bekämpfen, aber wir tun das auch.

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