2002 Gewinnplus verzeichnet: Wella stellt sich neuer Zukunft

2002 Gewinnplus verzeichnet
Wella stellt sich neuer Zukunft

Nach der anfänglichen Ablehnung der Übernahme durch den US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble (P&G) stellt sich der Vorstand der Darmstädter Wella AG nun der Zukunft unter dem neuen Eigentümer.

Reuters DARMSTADT. "Worauf es jetzt ankommt, ist, nach vorne zu blicken und etwas Gutes daraus zu machen", sagte Wella-Chef Heiner Gürtler am Dienstag auf der wahrscheinlich letzten Bilanzkonferenz des Haarpflegespezialisten als eigenständiger Konzern. Eine Stellungnahme zu dem 6,5 Mrd. ? schweren Kaufangebot von P&G wollte Gürtler indes noch nicht abgeben. Das Jahr 2002 schloss Wella dank einiger Übernahmen sowie guter Geschäfte mit Friseurprodukten mit einem deutlichen Gewinnanstieg ab.

Wella äußerte sich erstmals positiv zu seinem neuen Eigentümer. "Procter & Gamble hat die unternehmerische Kultur und die Stärke des Wella Geschäftsmodells erkannt, und wir sind deshalb zuversichtlich, dass es zusammen mit Procter gute Chancen gibt, alle unsere Geschäftsbereiche erfolgreich weiter zu entwickeln", sagte Gürtler. Mit P&G habe Wella in den drei wichtigen Sparten Friseurgeschäft, Düfte & Kosmetik sowie Konsumentenprodukte Wachstumsperspektiven und auch die Mitarbeiter erhielten "neue Chancen".

P&G hatte Mitte März von den Wella-Eigentümerfamilien rund 78 % der stimmberechtigten Stammaktien für 92,25 ? pro Papier erworben. Zugleich unterbreitete der US-Konzern den ausstehenden Aktionären ein Übernahmeangebot für ihre Anteile. Dabei sollen die Vorzugsaktionäre allerdings nur 61,50 ? je Anteilsschein erhalten. Der Wella-Vorstand hatte den erwarteten - zu diesem Zeitpunkt aber doch plötzlichen Vorstoß von P&G - als nicht notwendig bezeichnet und die starke Abweichung des Angebots zwischen Stamm- und Vorzugsaktien kritisiert.

Gürtler zeigte sich nun jedoch gegenüber den neuen Hausherren versöhnlich: "Procter's große Vertriebsstärke und Marktpräsenz im Endverbrauchergeschäft werden neue Wachstums- und Ertragsmöglichkeiten auch für unser Consumergeschäft eröffnen können." Eigentlich habe Wella im Konsumentengeschäft ohnehin nach Kooperationen und Akquisitionen gesucht. "Ich hatte aber keinen so großen Partner wie Procter erwartet", sagte Gürtler. Im Duftbereich - also bei Parfüms und Kosmetik - gehe man davon aus, dass P&G gemeinsam mit Wella zur Nummer Drei auf dem Weltmarkt aufsteigen werde. Dem Friseurgeschäft werde der neue Eigentümer außerdem "unter Erhaltung der Kultur" zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten geben.

Gürtler geht davon aus, dass die Übernahme von Wella so gut wie sicher ist: "Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Transaktion vollzogen wird und Wella irgendwann in diesem Jahr ein Teil von Procter wird." Er rechne mit dem offiziellen Angebot von P&G um Ostern und mit dem Ende der Offerte im Spätsommer oder Herbst. Zur Frage, ob einige Wella-Aktionäre ihre Papiere vielleicht nicht verkaufen könnten, wollte er sich ebenso wenig äußern wie zu der stark unterschiedlichen Höhe der Offerten für Vorzugs- und Stammaktien. Reuters hatte aus Kreisen großer Vorzugsaktionäre erfahren, dass sich unter den Haltern von stimmrechtslosen Papiere offenbar Unmut über den von P&G gebotenen Kaufpreise breitmacht.

Gürtler führte das Interesse von P&G an Wella auch auf die Wachstumsraten der Darmstädter in den vergangenen Jahren zurück. 2002 steigerte der Konzern seinen operativen Gewinn (Ebit) um 16,8 % auf 320,6 Mill. ? und den Überschuss um 15,7 % auf 143 Mill. ?. Auch 2003 will Wella beim Gewinn stark zulegen. Nach 9,7 % soll die Rendite des operativen Geschäfts (Ebit) auf über zehn Prozent steigen, sagte Gürtler.

Eine Umsatzprognose wollte Gürtler auf Grund der unsicheren weltpolitischen und konjunkturellen Lage sowie der Übernahme durch P&G nicht abgeben. In den ersten drei Monaten 2003 seien die Konzernerlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wechselkursbereinigt um sechs Prozent gestiegen, nominal allerdings um drei Prozent gefallen. Früheren Angaben zufolge erwartet Wella in diesem Jahr währungsbereinigt ein Umsatzplus von zehn bis 13 % sowie eine weitere Verbesserung des operativen Ergebnisses.

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