2002 keine Besserung in Sicht
Dornier, Holzmann, Herlitz - Die Bugwelle der Firmenpleiten

Dornier, Holzmann, Herlitz - die Insolvenzstatistik 2002 wird von renommierten deutschen Traditionsunternehmen angeführt. Auch der Münchner Medienkonzern Kirch könnte schon bald in der Prominentenliste der Pleitefirmen den ersten Platz einnehmen. Während die Konjunktursignale auf Grün umspringen, beherrschen spektakuläre Unternehmenskrisen die Schlagzeilen.

dpa FRANKFURT/M. Obwohl im internationalen Flugzeugbau, in der krisengeschüttelten Bauwirtschaft, in der eher ruhigen Welt der Papier- und Bürowarenhersteller oder in der TV-Branche sehr unterschiedliche Probleme zu meistern sind, haben die genannten Firmen dennoch eines gemeinsam. Sie stecken schon seit Jahren in Turbulenzen und müssen privat oder öffentlich gestützt werden. Auf alle Fälle sind die Banken zu wichtigen Co-Managern geworden.

Die Reihe bekannter Namen ist aber nur die weithin sichtbare Bugwelle der steigenden Firmenpleiten. Schon 2001 ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen um 14 Prozent auf fast 32 300 gestiegen. Mit mehr als 9000 Fällen dominierte eindeutig das Baugewerbe. Über alle Sparten hinweg waren davon mehr als 200 000 Arbeitsplätze betroffen.

Obwohl sich der Konjunkturhimmel deutlich aufhellt, ist im laufenden Jahr keine Besserung in Sicht. Die Wirtschafts- und Konjunkturforscher von Creditreform rechnen für 2002 sogar mit 40 000 Insolvenzen. Dies wäre ein Viertel mehr als im vergangenen Jahr. Dabei dürften allein die spektakulären Fälle der vergangenen Tage dafür sorgen, das gefährdete Forderungsvolumen der Gläubiger von zuletzt 31 Milliarden Euro weiter zu erhöhen.

Eine steigende Zahl von Unternehmenszusammenbrüchen ausgerechnet kurz vor dem Aufschwung ist allerdings keine aktuelle Erscheinung. Dies war schon bei früheren Wirtschaftszyklen zu beobachten. Vielen Unternehmen geht auf der Durststrecke des Konjunkturtals sprichwörtlich die Luft aus. Ohne das Vertrauen und zusätzliche Mittel der Hausbank oder eines neuen Geschäftspartners ist der Gang zum Amtsgericht programmiert.

In jüngster Zeit hat sich allerdings das Verhalten der Kreditwirtschaft - Geschäftsbanken, Genossenschaftsinstitute und Sparkassen - massiv verändert. Bei Holzmann wurde vor gut zwei Jahren noch ein Rettungspaket von mehr als 2 Milliarden Euro gestemmt. Diesmal konnten sich die streitenden Manager nicht einmal auf 250 Millionen Euro verständigen. "Warum gutes Geld schlechtem hinterherwerfen?", lautet zunehmend das Geschäftsmotto.

Diese Politik birgt jedoch die Gefahr eines Teufelskreises in sich. Für die Geldhäuser bedeuten Unternehmenspleiten hohe Wertberichtigungen und damit Verluste im klassischen Firmenkreditgeschäft. Selbst Bundesbankchef Ernst Welteke sieht die Banken deshalb 2002 in einer "schwierigen Situation". Eine zurückhaltende Kreditpolitik beschleunigt in vielen Fällen den Schritt zum Insolvenzrichter, obwohl zum rettenden Ufer eventuell einige Millionen Überbrückungshilfe gereicht hätten.

Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken begründen ihr Verhalten mit den stark gedrückten Gewinnen. Bei den Großbanken ist das Firmenkreditgeschäft ohnehin nicht mehr beliebt, weil es zu viel Eigenkapital bindet, aber zu wenig Ertrag abwirft. Unter dem Blickwinkel des Börsianers ein Grund für sinkende Aktienkurse.

Vorstandschef Hans Reich von der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) befürchtet schon einen Kreditengpass. Dies könnte die Finanzierung der mittelständischen Wirtschaft zusätzlich erschweren. Die KfW entwickelt deshalb Finanzierungsinstrumente, die den Banken das Risiko abnehmen, kleinen und mittleren Firmen aber dennoch den Zugang zu Förderprogrammen offen hält.

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