2002 keine Rennen mehr
Jan Ullrich unter Doping-Verdacht

Rad-Olympiasieger Jan Ullrich steht unter Doping-Verdacht. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Mittwoch aus zuverlässiger Quelle erfuhr, ist der Merdinger positiv getestet worden. Bei einer unangemeldeten Kontrolle in der Rehabilitation nach einer Knie-Operation wurde bei dem 28-jährigen Tour-de-France-Sieger von 1997 das Stimulanzmittel Amphetamin in der A-Probe nachgewiesen.

dpa MERDINGEN. Die B-Probe steht noch aus. "Ich kann den positiven Test weder bestätigen noch dementieren", sagte Ulrich Haas, Vorsitzender der Anti-Doping-Kommission (ADK). Bestätigten sich die Vorwürfe, hätte der deutsche Sport den dritten spektakulären Doping-Fall der vergangenen Jahre nach Alexander Leipold und Dieter Baumann. Freistilringer Leipold wurde in Sydney 2000 Gold aberkannt, Leichtathlet Baumann, 1992 in Barcelona Olympiasieger über 5 000 m, wurde nach seiner Disqualifikation der Start in Sydney verwehrt.

Ullrich war bis zum vergangenen Samstag in einer Reha-Klinik am Tegernsee, um die Folgen einer Knie-Operation zu kurieren. Ihm waren im Juni zwei Schleimbeutelfalten im Knie operativ entfernt wurden. Wegen der Knieprobleme konnte er in diesem Jahr nur im Januar in Katar ein Rennen bestreiten. Wegen der Verletzung, die ihn seit Dezember 2001 beschäftigt, hatte der zweifache Zeitfahr-Weltmeister zum zweiten Mal nach 1999 die Tour de France absagen müssen. Nach einer Untersuchung in der Freiburger Uni-Klinik hieß es am Mittwoch, dass sich sein geplanter Trainings-Start noch hinauszögere.

"Ich muss mich erst einmal schlau machen. Wir haben nichts Schriftliches. Was ich weiß, ist, dass Jan Ullrich seit sechs Wochen krankgeschrieben ist und seit langem keine Rennen mehr fährt und in diesem Jahr wahrscheinlich auch nicht mehr fahren wird", erklärte am Mittwoch auf dpa-Anfrage Telekom-Kommunikations-Direktor Jürgen Kindervater. Er ist für die Finanzierung des Rennstalles verantwortlich. Die ADK ist bei Tests in der Trainingsphase Herr des Verfahrens. Die Organisation muss positive Ergebnisse unmittelbar dem Fachverband melden, in diesem Fall dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR).

Der Gebrauch von Amphetaminen in einer Phase ohne Wettkämpfe ist schwer nachvollziehbar. Sollten sich die Vorwürfe erhärten und würde Ullrich auch in der B-Probe überführt werden, droht ihm eine mehrmonatige Sperre, obwohl er als "Ersttäter" einzustufen wäre. Amphetamine stehen auf der Liste der verbotenen Mittel des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

Für Schlagzeilen hatte der gebürtige Rostocker zuletzt in der Nacht zum 1. Mai gesorgt. Mit einem Freund und in weiblicher Begleitung hatte er volltrunken (1,41 Promille) mit seinem Porsche Fahrerflucht begangen, nachdem er in Freiburg einen Fahrrad-Ständer gerammt hatte. Ihm wurde der Führerschein entzogen, außerdem wurde er mit einer erheblichen Geldstrafe belegt.

Doping-Vorwürfe der italienischen Justiz-Behörden nach der Doping- Razzia beim Giro 2001 hatte Ullrich durch den Eintrag in seinem Gesundheitspass entkräften können. Die Einnahme sonst verbotener Kortekoide war ihm durch ärztliche Attests wegen allergischen Asthmas gestattet worden. Der BDR hatte kein Verfahren gegen Ullrich eingeleitet.

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