2002 kräftiges Gewinnplus erwirtschaftet
Aventis schraubt Erwartungen zurück

Der französisch-deutsche Pharmakonzern Aventis hat nach einem kräftigen Gewinnplus 2002 seine Gewinnerwartungen für dieses Jahr zurückgeschraubt. Damit reagierte Aventis auf die drohende Konkurrenz für das bisher umsatzstarke Allergiemittel Allegra in den USA.

Reuters LONDON. Der Allegra-Umsatz werde wohl in diesem Jahr nur noch einstellige Wachstumsraten aufweisen, sagte Finanzchef Patrick Langlois nach der Vorlage des Jahresergebnisses am Mittwoch vor Journalisten. Im vergangenen Jahr hatten die Verkaufszahlen von Allegra noch um 22 Prozent zugelegt. Der Aktienkurs verlor an der wenig veränderten Pariser Börse bis zum Mittag um mehr als drei Prozent auf 44 Euro. Analysten zeigten sich von der reduzierten Prognose allerdings kaum überrascht.

Mit dem Ergebnis für das abgelaufene Geschäftsjahr 2002 hatte Aventis die Erwartungen der Analysten getroffen. Im Kerngeschäft stieg der Nettogewinn nach Aventis-Angaben um 28 Prozent auf 2,08 Milliarden Euro, der Gewinn je Aktie verbesserte sich entsprechend um 27 Prozent auf 2,62 Euro. Angesichts solider Umsatzzahlen von Allegra, dem Thrombosemittel Lovenox und dem Krebsmedikament Taxotere hatten Analysten mit einem guten Ergebnis gerechnet. Das Kerngeschäft des Konzerns umfasst verschreibungspflichtige Arzneimittel, Impfstoffe und Aktivitäten der Konzernebene sowie den Ergebnisbeitrag des Tiergesundheits-Joint-Ventures Merial.

Einbußen befürchtet

Ein harter Wettbewerb steht Aventis durch das Konkurrenz-Produkt Claritin vom US-Hersteller Schering-Plough bevor, das im Gegensatz zu Allegra nicht verschreibungspflichtig ist. Patienten könnten nach Einschätzung von Analysten Claritin vorziehen, da rezeptfreie Medikamente in den USA als billiger gelten. Krankenversicherungen verlangen zumeist hohe Zuzahlungen für verschreibungspflichtige Arzneien.

Für 2003 rechnet Aventis im Kerngeschäft nun mit einem um Währungseinflüsse bereinigten Umsatzzuwachs im hohen einstelligen Prozentbereich und mit einer dazu doppelten Wachstumsrate beim Gewinn je Aktie. "Für 2004 gehen wir derzeit von einem ähnlichen Wachstumsprofil wie im Jahr 2003 aus", teilte Konzernchef Igor Landau mit. Bisher war Aventis bis 2004 von einem Umsatzwachstum von elf bis zwölf Prozent und von einem jährlichen Gewinnplus je Aktie von 25 bis 30 Prozent ausgegangen. Die jüngste Schwäche des Dollar zum Euro könnte nach Einschätzung von Finanzchef Langlois das Gewinnwachstum je Aktie um weitere zwei bis drei Prozentpunkte belasten. Beim Umsatz entspreche dies Einbußen von fünf bis sechs Prozent.

Medikamenten-Umsatz legt zu

Im Geschäft mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln verzeichnete Aventis 2002 einen Umsatzanstieg von 11,1 Prozent auf 16,026 Milliarden Euro. Dabei nahmen die Umsätze mit dem Krebsmittel Taxotere um 33 Prozent auf 1,26 Milliarden Euro zu, wie der Konzern weiter mitteilte. Mit dem Thrombosemittel Lovenox setzte Aventis 1,563 Milliarden Euro um, das sind 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz, der in den USA lediglich um zehn Prozent wuchs, verfehlte die Erwartungen von Analysten. Allegra war mit einem Plus von 22 Prozent und 2,03 Milliarden Euro im vergangenen Jahr umsatzstärkstes Medikament.

"Die schwache Lovenox-Zahl könnte ein wenig Sorge bereiten", sagte Pharma-Analyst Kevin Scotcher von SG Cowen. "Was den Ausblick betrifft, hat aber wohl jeder mit einer Reduzierung für 2003 gerechnet. Die Tatsache, dass sie es getan haben, dürfte nicht allzu viele überrascht haben", fügte Scotcher hinzu. Den Einfluss der Zahlen auf den Aktienkurs bezeichnete er als eher gering. "Die Aktien sind schon sehr niedrig bewertet", sagte Scotcher.

In den vergangenen Monaten hatte die drohende Konkurrenz für Allegra bereits den Aventis-Kurs belastet. Seit Ende 2001 lag die Aktienkursentwicklung rund zehn Prozent unter der des gesamten Sektors.

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