2002 wieder 1,5 Prozent in Sicht
Stärkste Preissteigerung seit 1994

Die Verbraucherpreise sind in diesem Jahr offenbar so stark geklettert wie seit sieben Jahren nicht mehr. Dies lassen erste Zahlen vermuten, die von einzelnen Bundesländern veröffentlicht wurden.

dpa WIESBADEN. Die Fleischskandale sowie extrem gestiegene Gaspreise haben 2001 mit 2,5 (Vorjahr: 1,9) Prozent zur höchsten Inflationsrate seit Mitte der 90er Jahre geführt. Auf Grund saisonaler Effekte wurde auch zum Jahresende der seit Monaten rückläufige Anstieg der Verbraucherpreise gestoppt. Für Dezember ermittelte das Statistische Bundesamt auf Basis der vorliegenden Daten aus sechs Bundesländern - wie schon im November - eine jährliche Teuerungsrate von 1,7 %. Dennoch ist nach einem erneuten Schub im Januar mit einem deutlichen Rückgang der Inflation 2002 zu rechnen.

Ein höherer Anstieg der Verbraucherpreise als im auslaufenden Jahr war zuletzt 1994 mit 2,7 % registriert worden. Danach bewegte sich die jährliche Geldentwertung (1995: 1,7 %) ständig unter der Schwelle von zwei Prozent. Der Tiefpunkt war 1999 mit lediglich 0,6 % erreicht worden. Nach Darstellung des Preisexperten beim Statistischen Bundesamt, Peter Hannappel, resultierte der starke Preisauftrieb 2001 aus deutlich höheren Nahrungsmittel- und Gaspreisen.

BSE und Maul- und Klauenseuche

Vor allem die Skandale um BSE sowie Maul- und Klauenseuche haben bei vermindertem Angebot Fleisch und Fleischwaren deutlich verteuert. Auch für die Alternativen Geflügel und Fisch sowie verschiedene Molkereiprodukte mussten die Konsumenten deutlich mehr bezahlen. Schließlich schlugen die stark erhöhten Gaspreise auf die Lebenshaltung der privaten Haushalte durch. Die Preise für Gas und die davon abhängigen Heizkosten folgten erst mit einer zeitlichen Verzögerung von etwa sechs Monaten den extremen Aufschlägen für Öl und Ölprodukte, die bereits 2000 einsetzten.

Ohne Heizöl sowie Benzin und Diesel hätten die Verbraucherpreise im Jahresdurchschnitt 2001 sogar 2,6 % zugelegt. Wegen des deutlich gesunkenen Preisniveaus seit Jahresmitte verbilligte sich diese Produktgruppe im Schnitt der vergangenen zwölf Monate sogar um 0,5 %, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mit.

Im Dezember wurde der seit Mai zu beobachtende Rückgang der allgemeinen Teuerung gestoppt. Von November auf Dezember zogen die Verbraucherpreise sogar um 0,1 % an. Während sich der positive Trend bei Heizöl mit einem Minus von rund 20 % und Kraftstoffen minus 5 % fortsetzte, haben Saisoneffekte die allgemeine Preisberuhigung gebremst. Vor allem für Nahrungsmittel und Pauschalreisen zur Weihnachtssaison müssen die Verbraucher wieder tiefer in die Tasche greifen.

Steuererhöhungen 2002

Im Januar 2002 wird es erneut zu einem Anstieg der Teuerungsrate im Jahresvergleich kommen. Dies liegt schon an der nächsten Stufe der Ökosteuer sowie Steuererhöhungen für Versicherungen und Zigaretten. Dennoch rechnen sowohl die Bundesbank als auch die Europäische Zentralbank (EZB) im weiteren Verlauf mit einer Abschwächung des Preisauftriebs auf unter zwei Prozent.

Ein anhaltend niedriges Niveau an den Weltölmärkten mit einem Preis von rund 18 Dollar je Fass sowie statistische Effekte könnten die Inflationsrate im Mai/Juni sogar unter ein Prozent drücken. Auch die rückläufigen Importpreise (minus 6,6 % im November) sowie die faktische Preisstabilität auf der industriellen Erzeugerstufe wird diesen Trend beflügeln. Unter dem Strich bestehen damit gute Chancen, dass 2002 die allgemeine Geldentwertung nur noch 1,5 % betragen wird.

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