2002 wird das Jahr der Erholung
Experten erwarten Herbstrally am Neuen Markt

Nach den massiven Kursverlusten der vergangenen Wochen ist am Neuen Markt nach Einschätzung von Experten im Herbst eine deutliche Kurserholung zu erwarten.

Reuters FRANKFURT. "Sowohl aus technischer als auch aus fundamentaler Sicht werden wir bis weit in den Herbst hinein eine Rallye-Phase haben", sagte Michael Riesner, Technischer Analyst bei der DG Bank, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Auf kurze Sicht erwarten Experten einen Anstieg des Auswahlindex Nemax 50; einige sogar auf bis zu 1 500 Punkte. Uneinig zeigten sie sich hingegen über die langfristige Entwicklung des Frankfurter Wachstumssegments. Während Analysten nur eine zwischenzeitliche Erholung sehen, gehen Fondsmanager von einer nachhaltigen Trendwende aus.

Sowohl der alle Werte des Segments umfassende Nemax-All-Share-Index wie auch der Auswahlindex Nemax 50 fielen am Donnerstag mit 1 002,12 Zählern beziehungsweise 959,16 Punkten auf neue Tiefstände.

Wende bis Mitte Oktober

Riesner erwartet bis Mitte Oktober eine Wende am Neuen Markt. Die aktuelle Situation sei im umgekehrten Sinne vergleichbar mit der Boom-Phase im März 2000. "Als die Medien noch von einer Euphorie-Phase sprachen, brachen rund einen Monat später die Kurse ein. Jetzt wird überall vom Niedergang des Neuen Marktes gesprochen, aber in rund vier Wochen werden wir uns erholt haben", sagte der DG-Bank-Analyst. Beim Nemax 50 sieht er Aufwärtspotenzial bis auf 1 450 Punkte. Anders als im Sommer, als der Neue Markt nur zwei kurze Rally-Phasen gesehen habe, werde es eine "Herbstrally" geben.

Auch Michael Fraikin, Fondsmanager bei Invesco Asset Management, geht von einer baldigen Erholung des Neuen Marktes aus. "Die gesamtwirtschaftlichen Grundbedingungen für eine Erholung der Märkte sind gegeben. Der US-Einkaufsmanager-Index zum Beispiel ist gut, das müssen die Aktienmärkte nur noch nachzeichnen", sagte der Fondsmanager. Zudem seien die meisten Aktien massiv unterbewertet. Für Vertrauen bei den Anlegern dürften auch die Regelwerksänderungen der Deutschen Börse sorgen. "Im November und Dezember wird der Neue Markt eine Rally sehen, bei der vor allem die Blue Chips starke Zuwächse verzeichnen werden", sagte Fraikin. "Bis zum Jahresende ist es gut möglich, dass wir wieder 1 500 Punkte sehen."

2002 wird das Jahr der Erholung

Für das kommende Jahr zeigte sich Fraikin optimistisch. "Das Jahr 2002 wird das Jahr der Erholung. Wir werden ein überdurchschnittliches Wachstum haben." Viele der unterbewerteten Firmen seien attraktive Anlageobjekte für die Investoren.

Volker Borghoff, Aktienstratege bei HSBC Trinkaus & Burkhardt, sagte: "Wir sehen den Neuen Markt im September noch schwach". Für den Nemax 50 dürfte dies maximal einen Rückgang auf 850 bis 900 Punkte bedeuten. Im vierten Quartal ist nach Einschätzung Borghoffs aber eine deutliche Kurserholung zu erwarten. Der Nemax 50 dürfte dann 20 bis 30 % nach oben gehen. "Dann werden die Unternehmen das Feld anführen, die zuvor zu Unrecht nach unten gezogen wurden". Impulsgeber könnte eine weitere Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank Fed sein. "Wir gehen davon aus, dass die Fed die Zinsen um 75 Basispunkte und die EZB um 25 Basispunkte senken wird", sagte der Aktienstratege.

Lediglich eine Zwischenrally

Borghoff betonte allerdings, dass es sich lediglich um eine Zwischenrally handeln dürfte. Seiner Ansicht nach gibt es noch zu viele Unternehmen am Neuen Markt, die sich fundamental nicht mehr erholen werden. Zudem dürften 2002 erneut viele Unternehmen ihre Prognosen verfehlen. Auch fehle dann eine Zinsunterstützung, so dass es im kommenden Jahr keinen stabilen Aufwärtstrend gebe. "Das Indexszenario für 2002 am Neuen Markt ist relativ unklar", fügte Borghoff hinzu.

Verhalten optimistisch für den Neuen Markt zeigte sich Alf Niezold, Leiter des Aktienemissionsgeschäftes der Hypo-Vereinsbank. "Das Schlimmste sollten wir erreicht haben. Viel weiter runter geht es jetzt nicht mehr", sagte er. Die zukünftige Entwicklung sei von der Gesamtwirtschaft abhängig. "Solange die Konjunkturzahlen schlecht sind, bleiben wir auch an den Aktienmärkten unten", sagte Niezold. Damit die Indizes wieder fundamental steigen könnten, müsse der Markt das Vertrauen der Anleger zurück gewinnen. "Ohne positive Quartalszahlen aus den Unternehmen werden auch deren Aktienkurse nicht steigen". Dass der Neue Markt eine Herbstrally erleben werde, halte er für übertrieben. "Von einer Rally kann man nicht unbedingt sprechen, aber bis November oder Dezember ist der Markt trocken", sagte Niezold.

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