2003 erwartet Dresdner Kleinwort Wasserstein neue Unternehmensanleihen in Vorjahreshöhe
Hoffnung am Markt für Firmenbonds

Unternehmensanleihen litten gestern erneut unter den schwachen Aktienmärkten. 2003 dürfte sich aber aus technischer Sicht positiv auswirken, dass nicht mehr Firmenanleihen als in diesem Jahr erwartet werden.

FRANKFURT/M. Dass Anleger das Risiko scheuen, zeigt sich neben den schwachen Aktienmärkten auch an den Verlusten der Unternehmensanleihen. Diese gaben auch gestern weiter nach. Für das nächste Jahr machen Analysten jedoch zumindest einen technisch positiven Faktor aus, der die Unternehmensanleihen stützen könnte. In Euro werden europäische Unternehmen nach einer Studie von Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW) im nächsten Jahr neue Anleihen über 90 Mrd. bis 110 Mrd. begeben. Das wären in etwa so viele wie in diesem Jahr, in dem bislang neue Firmenbonds über gut 100 Mrd. auf den Markt kamen.

Damit käme zumindest von der Angebotsseite etwas Stabilität in den Markt, nachdem das Emissionsvolumen in diesem Jahr um 45 % gegenüber 2001 gefallen ist. Im Rekordjahr 2001 kamen dagegen 63 % mehr neue Unternehmensanleihen in Euro auf den Markt als im Vorjahr.

Aus technischer Sicht sei das stabile Emissionsvolumen durchaus gut für den Markt, sagt Alison Miller, Kreditstrategin bei DKW in London. Denn wenn das Angebot an neuen Unternehmensanleihen gering ist, müssen Marktteilnehmer auf die im Handel umlaufenden Bonds zurückgreifen. Dieses Argument käme allerdings erst dann erst richtig zum Tragen, wenn sich die Fundamentaldaten der Unternehmen verbessern, schränkte Miller ein. Denn erst dann sollte die Nachfrage nach Unternehmensanleihen spürbar anziehen und sich positiv auf die Kurse auswirken.

Bei den Emissionen dürften im nächsten Jahr wieder Telekom -, Auto- und Versorgeranleihen dominieren. Versorger haben in diesem Jahr in etwa so viele neue Anleihen angeboten wie Telekom - und Autokonzerne. 2001 lagen die Versorger dagegen mit einem Anteil von nur 7 % der Neuemissionen weit abgeschlagen hinter neuen Telekom - und Autobonds. Doch während Telekom - und Autokonzerne sich auch im nächsten Jahr auf Schuldenabbau konzentrieren werden, brauchen Versorger Geld für Akquisitionen.

Von der Deutschen Telekom erwartet DKW Mitte des Jahres eine größere Anleihe. Insgesamt sollte die Telekom Anleihen über 6 Mrd. bis 10 Mrd. begeben. Von France Télécom werden neue Bonds über 4 Mrd. bis 8 Mrd. erwartet.

Europäische Staaten werden nach Prognosen von Commerzbank Securities mit 626 Mrd. dagegen etwas mehr neue Anleihen begeben als in diesem Jahr, in dem neue Staatsbonds von insgesamt 570 Mrd. erwartet werden (s. Handelsblatt vom 18.11). Allzu sehr dürfte das die Staatspapiere jedoch nicht belasten.

Auch gestern profitierten europäische Staatsbonds weiter von ihrem Ruf als sicherer Anlagehafen und den Verlusten der Aktienmärkte, obwohl die Kapitalmarktzinsen bereits seit Monaten auf historisch niedrigem Niveau liegen. Zusätzliche Unterstützung bekamen die Anleihen durch Bundesbankpräsident Ernst Welteke, der bei einer Rede in Stockholm darauf hinwies, dass die Konjunkturentwicklung der Staaten in der Euro-Zone eher durch geringes Wirtschaftswachstum als durch steigende Inflationsraten belastet werde. Dies interpretierten Marktteilnehmer als weiteren Hinweis auf eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) Anfang Dezember.

Bis zum späten Nachmittag sank die Rendite der für die Euro-Zone richtungweisenden zehnjährigen Bundesanleihe leicht auf 4,44 %. Anleiherenditen fallen, wenn die Kurse steigen. Der Terminkontrakt auf zehnjährige Bundesanleihen, der Bund-Future gewann 0,22 Prozentpunkte auf 111,80 %. In den USA fiel die Rendite zehnjähriger Staatsbonds im frühen New Yorker Geschäft auf 3,95 %. Mit Spannung warteten Händler noch auf die Rede von US-Notenbank-Präsident Alan Greenspan.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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