2003 keine Verbesserung
Deutsche Konsumlaune sinkt auf neuen Tiefpunkt

Angesichts des herrschenden Pessimismus werden die Verbraucher Volkswirten zufolge mit ihren Ausgaben die lahmende Wirtschaft wahrscheinlich kaum ankurbeln.

Reuters FRANKFURT. In diesem Monat hätten die Menschen ihre künftige Einkommenslage so pessimistisch eingeschätzt wie zuletzt kurz nach der Rezession 1993, teilte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Donnerstag mit. "Den Verbrauchern wird mehr und mehr klar, dass sie im kommenden Jahr mit zusätzlichen finanziellen Belastungen zu rechnen haben, die ihre ohnehin schon knappen Haushaltsbudgets weiter beschneiden werden", sagte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl. Dabei sei die Kauflaune schon jetzt auf dem Tiefpunkt der seit 1980 laufenden Umfrage.

Der Indikator für die Einkommenserwartungen rutschte im November auf minus 24,5 (Oktober minus 7,4) Punkte. Auf Basis der November-Daten sank der GfK-Konsumklimaindikator für Dezember mit 5,5 nach revidiert 6,0 Zählern auf den niedrigsten Stand seit sechs Jahren. Aus der monatlichen Befragung von 2000 Personen im Auftrag der EU-Kommission errechnet die GfK jeweils das Konsumklima für den Folgemonat.

Bessere Stimmung nicht in Sicht

Bürkl erwartet auch für Anfang 2003 keine Verbesserung: "Wenn mit den ersten Lohn- und Gehaltsabrechnungen des kommenden Jahres die tatsächlichen Einbußen durch die gestiegenen Sozialversicherungsbeiträge sichtbar werden, könnte die Konsumstimmung einen weiteren Rückschlag erleiden." Volkswirte warnten zwar davor, von dem Stimmungseinbruch auf einen Rückgang des privaten Verbrauchs in gleicher Größenordnung zu schließen, sehen aber keine Wachstumsimpulse vom Konsum. "Mich hat überrascht, dass der private Konsum im dritten Quartal doch recht gut war", sagte Andreas Scheuerle von der DekaBank. Der private Verbrauch, auf den in Deutschland rund 60 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entfallen, hatte maßgeblich zum BIP-Wachstum von 0,3 % zum Vorquartal beigetragen.

"Der Arbeitsmarkt ist schwach, die Konjunkturaussichten sind trübe und die Politik erscheint konzeptionslos", sagte Scheuerle. "Das veranlasst die Menschen eher, die Groschen beiseite zu legen, als sie auszugeben." Volker Nitsch von der Bankgesellschaft Berlin verwies auf die ständig steigende Sparquote in Deutschland. Die hohen Lohnabschlüsse und die niedrige Inflation könnten den Verbrauch stützen. "Aber wegen der Steuerbelastungen wird von den Zuwächsen nur noch wenig übrig bleiben", sagte der Volkswirt.



Aktuelle Konsumlaune auf dem Tiefpunkt

Angesichts der Sorgen um die Zukunft zögerten die Verbraucher mit größeren Ausgaben wie selten zuvor. Der Indikator für die Bereitschaft, langlebige Güter wie Fernseher oder Kühlschränke zu kaufen, sank der GfK zufolge mit minus 55,4 Punkten wieder auf das Umfragetief vom April 2002. Auch wenn die Stimmung schlechter als die Lage sei, seien die Aussichten für das Weihnachtsgeschäft ungünstig, sagte Bürkl mit Blick auf den Einzelhandel.

Die Branche hatte zuletzt aber von einem guten Start in die umsatzstärkste Jahreszeit berichtet, nachdem der Handel bislang unter der Konsumflaute zu leiden hatte. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels meldete am Donnerstag auf Basis einer Umfrage unter Mitgliedsunternehmen für Oktober einen nominalen Umsatzrückgang um 3,1 % zum Vorjahresmonat und ein Minus von 3,8 % in den ersten zehn Monaten 2002. Auch andere Bereiche bekamen die Zurückhaltung der Konsumenten zu spüren. So setzte der Reisekonzern TUI im dritten Quartal in Deutschland gut zehn Prozent weniger um als im Vorjahr.

Pessimismus der Verbraucher spiegelt allgemeine Stimmung wider

Der Umfrage zufolge haben die Verbraucher inzwischen mit Blick auf die Konjunktur jede Zuversicht verloren. Der Indikator für die Konjunkturerwartungen brach auf minus 25,7 (plus 1,5) Punkte ein. Bürkl betonte allerdings, dass die Einschätzung der Verbraucher gerade hier stark durch die Medienberichterstattung zur Wirtschaftslage geprägt sei. "Der Indikator spiegelt vor allem das wider, was auf die Bürger an Informationen einströmt", erläuterte Bürkl. Auch bei Unternehmen hat zuletzt der Pessimismus zugenommen. So hatte das Ifo-Institut im November den sechsten Rückgang des Ifo-Geschäftsklimaindexes gemeldet.

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