2003 setzte der Heder-Verlag 42,3 Millionen Euro um
„Das Schlimmste ist überstanden“

Manuel Herder ist geschäftsführender Gesellschafter des Herder-Verlags. Zur Buchmesse sprach Hans-Peter Siebenhaar mit Herder über die Lage der Buchbranche.

Handelsblatt

: Der Optimismus in der Buchbranche ist derzeit nicht besonders groß. Wann geht es aufwärts?

Manuel Herder : Das Tal der Tränen ist noch nicht durchschritten. Das Schlimmste ist allerdings überstanden. Die Buchbranche erholt sich, aber nur langsam.

Woran liegt das?

Es gibt zwei Entwicklungen: Auf der einen Seite laufen die Bestseller bestens, auf der anderen ist die Nachfrage nach dem allgemeinen Programm zurückhaltend. Und die Buchhändler verhalten sich sehr vorsichtig.

Verstärkt sich angesichts der Konsummüdigkeit der Abstand zwischen gut und schlecht verkauften Büchern weiter?

Die Verlage sind heute in starkem Maß auf Neuheiten angewiesen. Die Backlist garantiert längst keine stabilen Umsätze mehr.

Reicht das zur Erklärung der rückläufigen Umsätze aus?

Sicherlich muss auch berücksichtigt werden, dass das Buch auf der Prioritätenliste der Konsumenten nicht ganz oben steht. Wenn sich die Konjunktur wieder erholt, kaufen viele Leute lieber ein neues Auto als mehr Bücher. Der Absatz unserer Bücher verläuft eher antizyklisch.

Die Konzentration im Buchhandel nimmt weiter zu. Welche Folgen hat das für die Verlage?

In der Buchbranche findet das statt, was in anderen Branchen längst stattgefunden hat. Die Branche verliert dadurch an Vielfältigkeit. Die Verlage müssen lernen, sich den Anforderungen der Ketten zu stellen - ohne die Bedürfnisse ihrer Leserschaft zu vernachlässigen.

Drücken die großen Handelsketten auf die Rabatte?

Nun, der Versuch ist nicht strafbar.

Gehen Sie auf die Rabattforderungen ein?

Wir sind ein konservativer Verlag. In jeder Hinsicht.

Ist es von Nachteil, dass Ihr Verlag nicht zu einem Medienkonzern gehört?

Im Gegenteil, unsere Unabhängigkeit hat große Vorteile. Sie verschafft uns eine starke Identität. Man merkt es Verlagen an, ob die Konzernzentrale das Programm stromlinienförmig strukturieren lässt oder ob sie von einer unabhängigen Verlegerin oder einem Verleger aus Überzeugung geführt werden. Der Leser honoriert das, sonst wären wir in den letzten beiden Jahren nicht so häufig auf den Bestsellerlisten gewesen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%