2003 wieder Gewinn erwartet
Epcos rutscht in die roten Zahlen

Der Münchener Epcos-Konzern ist in die roten Zahlen gerutscht, rechnet im laufenden Geschäftsjahr aber wieder mit Gewinnen. Die Aktie legt kräftig zu, obwohl Epcos im Schlussquartal einen fast doppelt so hohen Verlust wie von Analysten erwartet verbuchte.

Reuters MÜNCHEN. Obwohl der Konzern für das vierte Quartal wegen Sonderbelastungen einen deutlich höheren Verlust als von Analysten erwartet auswies, legte die Aktie bis zum Abend um mehr als 15 Prozent zu. Für das Geschäftsjahr 2002/03 (zum 30. September) rechne Epcos wieder mit einem Gewinn bei einem moderaten Umsatzplus sowie einem positiven Cash Flow, sagte Konzernchef Gerhard Pegam am Donnerstag in München. "Der Break-Even für das erste Quartal scheint aus heutiger Sicht nicht außer Reichweite." Der Preisverfall werde im laufenden Jahr nachlassen, aber noch "im hohen einstelligen Prozentbereich liegen". 2004 wolle Epcos dann wie Ende der 90er Jahre beim Umsatzzuwachs und bei der Ergebnis-Marge vor Steuern und Zinsen (Ebit) wieder im Bereich von rund zehn Prozent liegen.

Umsatz stagniert, Verluste steigen

In Deutschland sollen im Rahmen bereits angekündigter Abbaupläne im kommenden Jahr 700 bis 800 Stellen wegfallen. Die Epcos-Aktie, die Mitte Dezember aus dem Dax fällt, führte bis zum Abend die Liste der Gewinner im Dax an und lag zwei Stunden vor Börsenschluss mit 11,48 Euro rund 15 Prozent im Plus. Im vierten Quartal verbuchte Epcos einen Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 64 Millionen Euro nach minus 16 Millionen Euro im Vorquartal und minus 52,3 Millionen im Vorjahresquartal. Von Reuters befragte Analysten hatten mit minus 34,4 Millionen Euro ein deutlich besseres Ebit erwartet. Der Umsatz stagnierte mit 326 (Vorquartal: 329) Millionen Euro praktisch. Im Verlust seien Kosten für die Restrukturierung von 30 Millionen Euro enthalten, sagte Pegam. Rückstellungen für Gewährleistungen sowie Abschreibungen auf Bestände hätten zu weiteren Belastungen von 20 Millionen Euro geführt.

Analysten: Für übertriebenen Optimismus kein Anlass

"Entscheidend ist, dass sie den Ausblick bekräftigt haben", sagte Simon Scholes, Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin. Erfreulich sei zudem der positive Cash Flow im Schlussquartal, auch wenn das Ergebnis unter den Erwartungen gelegen habe. Merck Finck-Analyst Theo Kitz sagte, der Ausblick sei "ziemlich hoffnungsfroh". Für übertriebenen Optimismus bestehe aber noch kein Anlass. "Man muss das mit einer gewissen Skepsis sehen." Die Investmentbank Credit Suisse First Boston erklärte, man gehe trotz der Ankündigungen nur von einer sehr allmählichen Erholung der Geschäftsentwicklung aus. Epcos fertigt rund 40 000 verschiedene passive Bauelemente wie etwa Kondensatoren, die in praktisch allen technischen Geräten zum Einsatz kommen. "2001 und 2002 sind wir in die tiefste Rezession in der Geschichte elektronischer Bauelemente gefallen", sagte Pegam mit Blick auf den Verlust im abgelaufenen Jahr von 39 (2000/01: plus 149) Millionen Euro. Der Umsatz war zugleich um 31 Prozent auf 1,312 Milliarden Euro gefallen, wobei etwa die Hälfte hiervon durch sinkende Preise verursacht wurde.

Aufschwung erwartet

Impulse sieht Epcos Pegam zufolge 2002/03 vor allem im Automobilbereich. Aber auch beim Mobilfunk gebe es eine Belebung. Zudem sehe Epcos ein hohes Wachstumspotenzial in Asien. Um Kosten zu sparen, will Epcos 2003 insgesamt bis zu 1000 Stellen in Hochlohnländern abbauen, darunter bis zu 800 in Deutschland, sagte Pegam. Zugleich würden aber Standorte in kostengünstigen Ländern aufgebaut, wo bis Ende 2003 rund 70 Prozent der derzeit rund 13.000 Mitarbeiter beschäftigt sein sollen. Weitere Stellenabbaupläne über die bekannten hinaus gebe es nicht. Insgesamt gehe Epcos für 2002/03 wie im Vorjahr von Einsparungen von rund 170 Millionen Euro aus. Die Ausgabe neuer Aktien oder eine Wandelanleihe schloss Finanzchef Bodo Lüttge aus. "Epcos hat keinerlei Probleme damit, seine Geschäfte zu finanzieren." Den von der Börse für Dezember beschlossenen Abstieg des Konzerns vom Dax in den MDax bedauerte Pegam. Er rechne aber nicht mit negativen Konsequenzen für die Aktionäre. "Ich glaube, dass die Welt deshalb nicht untergeht", sagte er.

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