2003 wieder schwarze Zahlen erwartet
Springer kündigt weiteren Stellenabbau an

Der Axel Springer Verlag will nach den Worten von Vorstandschef Mathias Döpfner wegen der Medienkrise weitere Arbeitsplätze abbauen und eventuell sein Buchgeschäft verkaufen. Aus dem TV-Konzern Pro Sieben Sat.1 wird sich Europas größter Zeitungsverlag ("Bild", "Welt") wohl zurückziehen und nun vor allem das Wachstum des Printgeschäfts im Ausland vorantreiben.

Reuters BERLIN. "Wir werden mit weiteren Einzelmaßnahmen auch im nächsten Jahr Personalanpassungen vornehmen", sagte Döpfner am Donnerstag in einem Reuters-Interview. Den bereits angekündigten Abbau von zehn Prozent der zuvor mehr als 14 000 Stellen werde Springer fast vollständig schon Ende dieses Jahres realisiert haben. Quantifizieren wollte der Verlagschef die neuen Streichungen nicht. Auch die Bereinigung des Portfolios werde fortgesetzt, sagte Döpfner. So stehe der Buchverlag Ullstein Heyne List zur Disposition. "Das Buchgeschäft wird entweder sehr kurzfristig die Turnaround-Fähigkeit beweisen, oder wir verkaufen es."

Springer hat bereits im laufenden Jahr dem Einbruch der Anzeigeneinnahmen mit Kostensenkungen entgegengesteuert und rechnet für das Gesamtjahr wieder mit schwarzen Zahlen, nachdem der Verlag 2001 mit 198 Mill. ? den ersten Verlust seiner 50-jährigen Geschichte verbucht hatte. Für den Anzeigenmarkt sieht er in 2003 noch keine Erholung. "Die Vorbuchungen für Anfang nächsten Jahres stimmen nicht optimistisch. Es wird im nächsten Jahr wahrscheinlich Stabilität auf niedrigem Niveau geben, sogar weitere Rückgänge sind nicht ausgeschlossen."

Nach dem wohl bevorstehenden Rückzug aus dem TV-Engagement bei der Senderfamilie ProSiebenSat.1 will der Springer Verlag vor allem das Wachstum des Kerngeschäfts vorantreiben, das Döpfner als "Printmedien-Marken und das, was man auf digitalen Vertriebswegen mit ihnen machen kann", definiert. Mit seiner Präsenz in Frankreich, Spanien, Ungarn, Tschechien und Polen erzielt der Springer-Verlag rund 15 % seines Umsatzes im Ausland. Diese Quote will Döpfner in fünf bis sieben Jahren verdoppeln. "Im Rahmen unserer strategischen Ziele bietet die Internationalisierung das Potenzial für das schnellste und größte Wachstum." Ein besonders attraktiver Markt sei Russland. Generell wolle Springer im Ausland sowohl durch Gründungen von Publikationen als auch durch Akquisitionen wachsen, "wobei wir mit Gründungen mehr Erfolg hatten in der Vergangenheit", erläuterte Döpfner. Der Finanzierungsspielraum für diese Pläne sei gegeben. "Liquidität ist nicht das Wachstumshindernis, sondern wir brauchen Geschäfte, an die wir glauben."

In den Verhandlungen mit der insolventen Kirch Media über eine Aufstockung der Anteile des Springer-Verlags an der Senderfamilie ProSiebenSat.1 sehe er keine Einigung, sagte Döpfner. "Damit ist die grundsätzliche Entscheidung gefallen, dass das Fernsehgeschäft nicht zu einem strategischen Geschäft des Axel Springer Verlags wird." Nur, wenn KirchMedia "deutliche Zugeständnisse" mache, könne sich das noch ändern.

Der Springer-Verlag hatte immer betont, entweder seinen 11,5-prozentigen Anteil an der KirchMedia-Tochter Pro Sieben Sat.1 auf eine strategische Beteiligung aufzustocken, oder sich ganz aus dem TV-Konzern zurückzuziehen. In den Verhandlungen mit KirchMedia war es auch um eine Schadenersatzforderung des Springer-Verlags wegen einer ausgeübten Option zum Verkauf der Pro-Sieben-Anteile gegangen, mit der Springer die Aufstockung zum Teil finanzieren wollte. Mit dem Scheitern der Verhandlungen wolle Springer den 11,5-prozentigen Anteil zu einem guten Preis verkaufen, sagte Döpfner. Das müsse auch nicht sofort sein.

Zur Zukunft des 30-prozentigen Pakets von Springer-Aktien in den Händen der Deutschen Bank, die das Kreditinstitut als Pfand für einen Kredit an die insolvente Kirch-Gruppe erhalten hatte, sagte Döpfner, eine breite Platzierung an der Börse sei wahrscheinlicher als der Einstieg eines strategischen Investors: "Ich halte im Moment die Kapitalmarkt-Orientierung des Unternehmens für die wahrscheinlichere Variante".

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